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Umfrage der Woche

Sind Noten in der Grundschule sinnvoll? Das sagen die inFranken.de-Leser

Braucht es schon in der Grundschule Noten? Das haben wir unsere Leser gefragt. Hier gibt es die Ergebnisse und ein Pro & Contra. Was spricht für und was spricht gegen eine Notenvergabe? Wir erklären es Ihnen.
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Sind Noten in der Grundschule wirklich sinnvoll? Das haben wir unsere Leser gefragt. Symbolbild: Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa
Sind Noten in der Grundschule wirklich sinnvoll? Das haben wir unsere Leser gefragt. Symbolbild: Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa

Am Dienstag, 10. September 2019, war es soweit: Für die Schüler in Bayern begann das neue Schuljahr. Unter ihnen waren auch wieder tausende ABC-Schützen. Für sie wird es zunächst darum gehen, sich an den Schulalltag zu gewöhnen. Noten gibt es für Grundschüler in Bayern frühestens ab dem Ende der zweiten Klasse. Doch braucht es überhaupt Noten in der Grundschule?

Umfrage der Woche: Sind Noten in der Grundschule sinnvoll? So haben Sie abgestimmt

Diese Frage haben wir in der vergangenen Woche unseren Lesern gestellt. 2673 Menschen hab bis zum Donnerstag abgestimmt (Stand 14.30 Uhr) - mehr als die Hälfte (54%) hält Noten auch in der Grundschule für unverzichtbar.

Etwas mehr als ein Drittel (34%) findet hingegen, dass Lernen in der Grundschule vor allem Spaß machen soll - und die Kleinen nicht zu früh dem Leistungsdruck ausgesetzt werden sollten.

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Alternative Modelle: Waldorfschulen

In Deutschland gibt es zahlreiche Versuche, auf Noten im Schulalltag ganz oder zumindest zum Teil zu verzichten. Sicherlich die bekannteste Alternative findet sich in den Waldorfschulen. Ihre Namen haben die Waldorfschulen in Deutschland von der ehemaligen Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik in Stuttgart.

Der Fabrikant Emil Molt wollte den Kindern seiner Arbeiter gute Schulbildung ermöglichen und gründete 1919 die erste Waldorfschule unter Leitung des umstrittenen Österreichers Rudolf Steiner (1861-1925). Steiners Lehre steht für die Orientierung des Menschen auf seine eigenen Stärken und ist bis heute maßgebend für die Waldorf-Pädagogik.

Waldorfschulen sind derzeit im Trend: Bundesweit haben die Freien Waldorfschulen laut Statistischem Bundesamt innerhalb von zehn Jahren seit dem Schuljahr 2006/2007 einen Zuwachs von 16 Prozent erlebt.

Heiner Barz, Professor für Erziehungswissenschaften und Autor von Waldorf-Studien, sieht Waldorf als Gegenmodell zu einem Schulsystem, das zunehmend auf Leistung und Drill aus ist. "Ich beobachte eine Verschärfung des Leistungsklimas, es gibt immer mehr Tests." Viele Eltern schauten sich deshalb nach einer Alternative um. "Nicht Dressur, Training und Auswendiglernen ist ihnen wichtig, sondern dass die Begabungen und Talente des Kindes individuell gefördert werden." 

Freie Alternativschulen: Was steckt dahinter?

Ein anderes Beispiel sind freie Alternativschulen. Rund 100 Schulen gehören dem Bundesverband der Freien Alternativschulen an. Selbstbestimmt lernen, die Regeln der Schule demokratisch mitbestimmen und respektvoll miteinander umgehen - das sind die Grundprinzipien, die alle Freien Alternativschulen miteinander teilen.

"Die Schüler haben ein entscheidendes Mitspracherecht, was, wann und wo sie lernen", sagt Tilmann Kern, der Geschäftsführer des Verbands. Alle Schulen sind klein und überschaubar, viele von ihnen verzichten auf Noten, einige setzen einen künstlerischen oder naturpädagogischen Schwerpunkt.

Was passiert beim Übergang zu "normalen" Schulen?

Aber was passiert bei einem Schulwechsel, zum Beispiel nach der Grundschulzeit oder bei einem Umzug? Manche Eltern befürchten, dass ihr Kind auf einer Regelschule nicht mehr klarkommt. Wie der Wechsel in solchen Fällen gelingt, dazu gebe es bisher kaum empirische Studien, sagt Prof. Kai Maaz, Leiter der Abteilung Struktur und Steuerung des Bildungswesens am Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation.

"Wenn ein Kind sehr langsam oder auch sehr schnell lernt, und das nicht mehr mit dem Regelstoff übereinstimmt, kann es bei einem Wechsel tatsächlich zu Problemen kommen", sagt der Wissenschaftler. Darum sei es wichtig, dass Schule und Eltern die Kinder auf die neue Situation vorbereiten.

Was spricht für und gegen Noten? Pro und Contra

Pro

AUSKUNFT: Noten geben einen allgemeinen und mehr oder weniger vergleichbaren Überblick über den Leistungsstand. "Die Schüler erfahren, wie stark sie in einem Fach sind", sagt der Experte Olaf Köller. "Auch die Eltern wissen durch die Noten, ob ihr Kind vielleicht Nachhilfe gebrauchen kann."

ZUKUNFT: Das deutsche Ausbildungssystem basiert auf dem durch Noten gemessenem Leistungsprinzip. Gute Noten können später auch für einen Platz an einer Universität oder in einer Firma entscheidend sein. Durch Noten lassen sich Abschlüsse miteinander vergleichen. Je besser ein Abschluss, desto größer ist oft die Chance auf eine Ausbildung.

ANSPORN: "Gute Noten sollen Schüler dazu ermuntern, auch weiterhin gut im Unterricht mitzumachen", sagt der Experte. "Schlechte Noten können Schülerinnen und Schüler dazu bringen, künftig besser aufzupassen."

Contra

WENIG AUSSAGE: Für schlechte Note gibt es viele Gründe. "Eine Note kann allenfalls zeigen, wie gut oder schlecht man eine Aufgabe lösen kann", sagt Schulleiter Rainer Devantié. "Die Persönlichkeit eines Menschen lässt sich dadurch aber nicht beschreiben."

ZUFALL: Die Benotung hängt stark auch mit der Persönlichkeit eines Lehres zusammen. Außerdem beruhen Noten häufig nur auf kurzfristigen Leistungserhebungen - ein umfassendes Bild des Leistungsstandes eines Kindes geben sie nicht. "Eine Zahl ist schnell vergeben", sagt Rainer Devantié. "Besser als Noten sind längere Berichte, in denen die Lehrer die Leistung ihrer Schüler beschreiben."

DRUCK: Bei einer schlechten Note meinen die Kinder, sie seien nichts wert", sagt der Experte. "Auf diese Weise üben Noten nur unnötigen Druck aus." Außerdem würden Noten nur die Besten fördern, weil diese ständig durch gute Zensuren belohnt werden. Dass das nicht gerecht ist, finden nicht nur Schüler. Auch manche Experten sehen das so.rowa/mit dpa