Markus Söder sitzt entspannt in seinem Arbeitszimmer im Finanzministerium am Odeonsplatz. Das Gespräch dreht sich weniger um Details der Tagespolitik als vielmehr darum, was der umtriebige Franke, vor wenigen Tagen 49 geworden, noch so vorhat. Junger Löwe, alter Löwe - so lässt sich das Konkurrenzverhältnis zwischen ihm und dem Ministerpräsidenten und CSU-Chef Horst Seehofer beschreiben. Der junge Löwe ist ungeduldig, und jedem ist längst klar, dass der Söder den Seehofer beerben will. Markus Söder wehrt ab und setzt seine Unschuldsmiene auf: "Ich mache mir um meine Zukunft deutlich weniger Gedanken als andere."

Wenige Stunden später ist Markus Söder in seinem Element. Er ist geladen zum Neujahrsempfang der Münchner CSU, und dort wird er begrüßt von Kultus-Staatssekretär Georg Eisenreich, der ihn gleich als den hoffentlich nächsten Ministerpräsidenten begrüßt.
Eisenreich nennt Söder einen "Mann der Tat und der Zukunft". Viel Beifall. Söder reagiert ironisch: "Angemessen" sei das Lob, findet er grinsend.

Tatsächlich hat Markus Söder seinen Anspruch auf die Seehofer-Nachfolge noch nie öffentlich oder gar offiziell bekundet. Aber natürlich lässt er sich gern handeln als aussichtsreichster Anwärter neben der Oberbayerin Ilse Aigner und dem Franken Joachim Herrmann. Und natürlich registriert Söder, dass er nicht nur in der Partei und hier auch in Oberbayern, sondern vor allem in der Landtagsfraktion an Zustimmung gewinnt. Die hat das letzte Wort, denn der Landtag wählt den Ministerpräsidenten.


Der Tiefstapler

Einstweilen aber sitzt er im Finanzministerium und stapelt tief: In 13 Jahren in politischen Spitzenämtern unter den Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, Günther Beckstein und Horst Seehofer hat er eines gelernt: "Alle Planungen sind kurzfristig." Soll heißen: Politische Karrieren sind nur sehr begrenzt planbar. Und für andere Ambitionierte hat er einen Seitenhieb parat: "Mich beeindruckt dabei, wem man ein solches Amt zutraut."
Wer ein Amt anstrebt, der sollte zunächst einmal Respekt vor dem Amt haben, sagt Söder. Für sich nimmt er in Anspruch, dass er schon als junger Generalsekretär gelernt hat, die "schnelle Schlagzeile" nicht zu überschätzen: "Ich weiß heute, dass die Tiefe und Breite in Bayern wichtiger ist als die Spitze in Berlin."

Respekt hat er vor der Aufgabe: "Die Bürger haben einen hohen Anspruch an Bayern, und an die CSU sowieso. Die CSU ist keine normale Partei, und Bayern ist kein normales Land." Also will der Minister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat durch seine Arbeit überzeugen und dadurch, "dass man nicht bereit ist, den leichten Weg zu gehen."


Das Arbeitstier

Dass Söder, das Arbeitstier, noch jedem Amt seinen Stempel aufgedrückt hat, ist ebenso bekannt wie der Umstand, dass er sein Licht nicht gerne unter den Scheffel stellt. Befürworter wie Kritiker aber rätseln immer wieder, wofür Markus Söder eigentlich steht außer für Markus Söder samt hoher Effizienz und einem ausgeprägten Hang zur Selbstvermarktung.


Der Konservative

Seine politische Landkarte hat Söder jedenfalls konservativ eingenordet. Sein ordnungspolitischer Kurs ist klar: Steuern und staatliche Bevormundung runter, Leistung und Freiraum rauf. Und dann folgt: "Als Finanzminister stehe ich für die solideste Finanzpolitik in Deutschland, und als Heimatminister habe ich erstmals eine Heimatstrategie, eine komplett eigene Philosophie aufgelegt." Sie gilt dem ländlichen Raum: "Den dürfen wir nicht verklären zum Naturpark, sondern er muss Lebensperspektiven bieten für junge Leute. Wir müssen den ganzen ländlichen Raum aktivieren und nicht nur alimentieren."

Und Söder steht für den Markenkern der CSU: "Innere Sicherheit, Recht und Ordnung." Damit ist das Gespräch dann doch bei der Aktualität: 4,5 Milliarden Euro hat der Finanzminister im bayerischen Doppelhaushalt 2015 und 2016 eingestellt zur Bewältigung der Flüchtlingskrise: "Das können wir einmal schaffen, aber nicht zweimal."
Söder fordert nationales Handeln zur raschen und wirksamen Begrenzung der Zuwanderung: "Am Ende Schulden zu machen für eine verfehlte Zuwanderungspolitik, das ist kein Konzept."


Der Gelassene

Markus Söder macht sich viele Sorgen, aber nicht um sich. Er arbeitet ja an sich, sagt er: "Manche Dinge gelassener sehen, ohne die Leidenschaft zu verlieren." Mit Erfolg? "Die Arbeit ist auch mit 49 Jahren noch nicht abgeschlossen. Außerdem: Allen kann man nicht alles recht machen."
Und wenn er dann doch, nach all der Arbeit, Ministerpräsident werden sollte? Auch die Frage nach seinen Visionen als Ministerpräsident führt nicht zum Ziel, denn Söder pariert mit einem typischen Söder: "Ich bin nicht Ministerpräsident. Ich bin Minister."