Horst Seehofer legt sich den Ball zurecht, tippt ihn an - und spielt ihn dem Sportminister des Bundesstaats São Paulo zu. CSU-Landtagsfraktionschef Georg Schmid und sein SPD-Kollege Markus Rinderspacher üben sich währenddessen im Elfmeterschießen. Und der einstige brasilianische Fußball-Weltmeister und Bayern-Star Paulo Sergio plaudert mit Paul Breitner. "Mein Kapitän" hatte er dem Ex-Nationalspieler und Weltmeister von 1974 zur Begrüßung zugerufen.

Es ist Tag drei der Brasilien-Reise von Ministerpräsident Seehofer (CSU) und seiner Delegation. Und für ein paar Stunden geht es an diesem Tag einmal nicht um Wirtschaftskontakte oder Wissenschaftskooperationen, sondern nur um Fußball.

Seehofer und seine Delegation besichtigen in São Paulo die Baustelle des Stadions, in dem in zwei Jahren die Fußball-WM eröffnet werden soll: das Corinthians Stadion, das dort seit Mitte 2011 aus dem Boden gestampft wird. Gut ein Drittel habe man geschafft, lässt sich Seehofer beim Blick auf die riesige Baustelle erklären. 1600 Menschen arbeiten dort in drei Schichten fast rund um die Uhr. Ende 2013 soll die Arena fertig sein.

Zweifel, ob dieser Termin gehalten werden kann, wischen die Fußballer Sergio und Breitner beiseite. "Wir sind auf dem richtigen Weg", sagt Sergio. "Aber man muss noch ein bisschen Geduld haben." Und Breitner antwortet auf die Frage, ob die Brasilianer vielleicht noch Unterstützung gebrauchen könnten: "Wenn ein Volk Fußball so liebt wie Brasilien, dann haben die auch eine Ahnung vom Stadionbau."

Seehofer eröffnete danach mit einem symbolischen Anstoß das Pilotprojekt "Fußball und Ausbildung", das anlässlich der WM 2014 von der Staatsregierung in der Partnerregion São Paulo initiiert wurde. Die Idee: Jugendliche, die sozial benachteiligt sind, sollen die Möglichkeit bekommen, nach dem Vorbild des deutschen dualen Systems eine Ausbildung zum Facharbeiter zu machen. Der Fußball soll sie dabei motivieren - weshalb die Fußballverbände von Bayern und São Paulo die Schirmherrschaft übernehmen und prominente Ex-Fußballer wie Paulo Sergio Werbung für das Projekt machen sollen. Zugleich sollen vor allem Jugendliche aus sozial geförderten Fußballschulen für diese Art der Berufsausbildung ausgewählt werden.

"Wir tun das, was in unserer Möglichkeit steht, damit das Projekt zu einem Erfolg wird", verspricht Seehofer. Allerdings werde das Ganze seine Zeit brauchen. Er wolle aber in zwei Jahren zur WM wiederkommen und dann ein erstes gutes Zwischenfazit des Projekts ziehen können, kündigt der CSU-Politiker an. Später überreicht er einigen Kindern und Jugendlichen mitgebrachte Trikots von Bayern München.

Die Wunschvorstellung, wie das Finale 2014 aussehen soll, ist an diesem Tag im Übrigen klar: Deutschland gegen Brasilien natürlich. Nur darüber, wer gewinnen soll, gehen die Meinungen auseinander. dpa