Mehrere tödliche Lkw-Unfälle auf der A 6, der verheerende Brand eines Reisebusses auf der A 9: Gefühlt haben sich die schweren Unfälle auf fränkischen Autobahnen in den letzten Monaten gehäuft. Daraus zu folgern, dass sich auf bestimmten Abschnitten in Franken die Sicherheitslage verschärft hat, ist allerdings falsch, betont Gerold Wagner von der Autobahndirektion Nordbayern.
"Diese schweren Unfälle sind schrecklich. Aber das sind zufällige Ereignisse, die leider nicht zu vermeiden sind." Laut des Experten sind es vor allem Pkw-Auffahrunfälle, die den Großteil der Kollisionen auf Schnellstraßen ausmachen. "Lkw-Unfälle sind seltener."

Selbstverständlich gibt es in Franken Autobahnabschnitte, wo aufgrund des Verkehrsaufkommens "mehr los" ist. Gerade dort, wo die Baustellendichte hoch sei - aktuell beispielsweise auf der A 6 in beiden Richtungen zwischen der Anschlussstelle Schwabach-West und dem Kreuz Nürnberg-Süd - raten Experten zu besonderer Vorsicht. So raste am 14. Juli ein Lkw auf der A6 in eine Baustelle und tötete einen Bauarbeiter. Unfälle, betont Wagner, würden sich aber trotzdem stets auf alle Schnellstraßen verteilen. "Man kann keine Strecke ausschließen."
Was nicht jeder weiß: Das Risiko, auf bayerischen Straßen in einen Unfall mit Personenschaden verwickelt zu werden, ist auf Autobahnen vergleichsweise gering. Laut dem ADAC verteilt es sich folgendermaßen: Staats- und Kreisstraßen 51 Prozent, Bundesstraßen 35 Prozent und Autobahn 14 Prozent. ADAC-Verkehrsexperte Jürgen Hildebrandt: "Das liegt unter anderem daran, dass der Gegenverkehr baulich abgetrennt ist, die Kurven nicht zu eng sind und die Seitenräume keine Gefahrenquellen wie Bäume enthalten."

In den letzten drei Jahren wurden in Nordbayern insgesamt 200 unfallauffällige Straßenbereiche registriert, an denen es häufiger gekracht hat. Diese Punkte auf Autobahnen, Bundes-, Staatsstraßen und einen Teil der Kreisstraßen begutachtet eine Unfallkommission. Anschließend werden kurzfristige (zum Beispiel durch die Aufstellung eines Warnschildes) oder langfristige Maßnahmen ergriffen. "Darunter fallen auch bauliche Veränderungen, falls die nötig sind", erklärt Wagner.


Busunglück A9: Busfahrer rettete noch mehrere Insassen

Fast 400 000 Verkehrsunfällen haben sich im Jahr 2016 auf Bayerns Straßen ereignet. Allein durch die Arbeit der über 100 Unfallkommissionen wird diese Zahl nicht geringer. Vielmehr, so Wagner, müssten die Verkehrsteilnehmer selbst mitspielen. "Viele sind viel zu leichtsinnig und unaufmerksam. Wenn sich die Fahrer nicht an die Verkehrsregeln halten und die neuen Maßnahmen nicht annehmen, sind wir machtlos."