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Schule

Schule: Kinder kennen Jesus nicht mehr

Viele Schüler in Bayern kommen erst mit dem Religionsunterricht mit der Kirche in Kontakt.
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Ein Kreuz in einem Klassenzimmer einer Grundschule in Kaufbeuren. Religionsunterricht bleibt trotz der sinkenden Zahl getaufter Schüler gefragt. Karl-Josef Hildenbrand, dpa
Ein Kreuz in einem Klassenzimmer einer Grundschule in Kaufbeuren. Religionsunterricht bleibt trotz der sinkenden Zahl getaufter Schüler gefragt. Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Schüler haben ihren ersten Kontakt mit Kirche häufig erst im Religionsunterricht. Viele von ihnen seien zuvor noch nie in einem Gotteshaus gewesen, sagte die neue Direktorin des Schulreferats im evangelischen Kirchenkreis Augsburg, Birgit Sels, dem Evangelischen Pressedienst (epd).

"Deswegen heißt Religionslehre heute auch: Einmal mit den Schülern in eine Kirche gehen, damit sie wissen, wovon da im Unterricht gesprochen wird", meinte Sels. Auch die Frage "Wer ist denn dieser Jesus?" sei im Unterricht "keine Seltenheit mehr", erklärte die evangelische Pfarrerin.

Abmeldequote für Religionsunterricht dennoch sehr gering

Sels leitet seit 1. September das evangelische Schulreferat im Kirchenkreis Augsburg und Schwaben. Dort unterrichten 766 Lehrkräfte an 869 Schulen gut 40.000 Schüler in evangelischer Religionslehre.

"Die Kinder erleben immer seltener, dass der Glaube auch im Elternhaus gelebt wird", sagte Sels. Dennoch habe sie nicht den Eindruck, dass das Interesse am Fach Religionslehre zurückgehe, meinte die Theologin. So könne man sich in Bayern zwar in der Religionslehre abmelden und stattdessen Ethik besuchen.

Diese Abmeldequote liege jedoch bei allen Schulen im Kirchenkreis bei unter fünf Prozent. "Das ist sehr gering - zumal auf der anderen Seite etwa zehn Prozent der Schüler den evangelischen Religionsunterricht auf Antrag besuchen, obwohl sie es gar nicht müssten, weil sie konfessionslos sind", berichtete Sels. Mitunter ließen sich manche dieser Schüler auch evangelisch taufen.

Grundlegende menschliche Fragen

Laut Sels schätzten die Schüler, dass man im Religionsunterricht "über Themen spricht, über die man sonst in der Schule nicht reden würde". Gemeint seien damit vor allem grundlegende menschliche Fragen, erläuterte Sels: "Fragen wie: 'Wer bin ich','Was glaube ich', Fragen zu Liebe, Trauer oder Tod."

Nach Sels' Einschätzung komme dem Religionsunterricht gerade in Zeiten, in denen häufig über Terrorismus und Konflikte zwischen den Religionen berichtet werde, eine wichtige Rolle zu. "Ich denke, dass der Religionsunterricht in einer Gesellschaft, die viele als unsicher und im Umbruch erleben, wichtiger wird. Gerade junge Menschen suchen nach einem Ort, an dem sie diese Themen ansprechen können - und auch Halt finden."