Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat das Nachbarland Österreich für dessen Öffnungsschritte in der Corona-Politik kritisiert. Er halte es für "diskussionswürdig, dass Österreich in dieser unsicheren Situation weitgehende Öffnungen erlaubt, obwohl die Inzidenz dort deutlich höher als in Bayern ist", sagte der CSU-Chef dem Münchner Merkur (Dienstag). "Das kann innerhalb weniger Wochen zu einem neuen Lockdown führen und wäre genau das, was wir alle nicht wollen: ein Stop and Go."

Am Montag bildeten sich gleich lange Schlangen vor den Geschäften in Österreich. Söder unterstrich deshalb, man werde auf deutscher Seite die Grenzkontrollen massiv verstärken. Jeglicher Grenzverkehr zum Einkaufen oder aus touristischen Zwecken müsse unterbleiben. Ausnahmen seien nur das Berufspendeln und zwingend erforderliche Familienbesuche. "Mit Grenzkontrollen und Schleierfahndung wird das dichter kontrolliert. Sollte die Gefahr wachsen, dürfen auch Grenzschließungen zu Tirol kein Tabu sein."

Kritische Lage in Tirol - droht zweites Ischgl?

Er habe große Sorgen wegen der Virus-Mutationen, sagte Söder dem Merkur weiter. Experten schätzten die südafrikanische Mutation als gefährlicher ein als die britische. "Der Krankheitsverlauf soll schwerer und die Resilienz gegen Impfungen höher sein. Diese Mutation würde uns wieder weit zurückwerfen."

Nun könne es sein, dass für Bayern aus Tirol wieder größere Infektionsgefahr droht. Bereits im vergangenen Frühjahr hatte sich das Coronavirus vom österreichischen Ischgl aus in Europa verbreitet. Der Wintersportort galt als Hotspot Europas. Die verhältnismäßig hohen Infektionszahlen in Bayern wurden damals auch auf die Nähe zu Ischgl zurückgeführt. Nun breitet sich die südafrikanische Variante in Tirol aus. Es sei alles zu tun, "um zu verhindern, dass sich diese Mutationen immer weiter ausbreiten": Mit diesen Worten rief Kanzler Sebastian Kurz auf, alle nicht zwingend nötigen Reisen zu unterlassen. Inzwischen geht die Regierung davon aus, dass die Zahl der aktiven Infektionen mit der Mutation bei 140 liegt - ein Vielfaches der bisher gehandelten Daten. 

Mit Blick auf Lockerungen der Corona-Regeln in Deutschland äußerte sich Söder erneut sehr zurückhaltend. "Der Trend macht Hoffnung, aber es ist leider noch nicht vorbei." Er stellte sich explizit gegen Forderungen, Lockerungen an bestimmte Inzidenzen und Zeitpunkte zu knüpfen. "Feste Stufenpläne klingen verlockend, können aber rasch zu Enttäuschung führen. Corona ist schwer planbar." Man werde erleichtern, "wenn die Zahlen stimmen. Schritt für Schritt. Priorität muss dabei das Thema Familie und Kinder haben." Am Mittwoch werde man über Grundschulen und Kitas reden und Perspektiven geben. Anderen Schularten und höheren Klassen zeigte Söder keine Lockerungsperspektive auf.