Die Veranstalter der Münchner Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen wollen aus ihrer Kundgebung einen Gottesdienst machen. "Hier geht es nicht um Versammlungsfreiheit, hier geht es um einen Gottesdienst", sagte einer der Redner am Sonntag (01.11.2020) auf der Theresienwiese, bevor er die Teilnehmer aufrief, mit ihm zu beten. Bei Gottesdiensten im Freien gibt es in Bayern keine maximale Teilnehmerzahl.

Die Veranstalter von der Initiative "Querdenken 089" hatten 5000 Demonstranten angemeldet, die Stadt wollte jedoch nur 1000 Teilnehmer zulassen. Daraufhin legten die Veranstalter Beschwerde beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) ein. Dieser wies die Beschwerde jedoch zurück und bestätigte sowohl die reduzierte Teilnehmerzahl, als auch die Corona-Auflagen - Maskenpflicht und Mindestabstand, ein Protestzug durch die Stadt zur Theresienwiese wurde außerdem untersagt.

Gottesdienst statt Anti-Corona-Demo: Veranstalter umgehen beschränkte Teilnehmerzahl

Die Stadt sei laut Gericht zurecht davon ausgegangen, dass Versammlungen der Querdenken-Bewegung "nur mit einer reduzierten Teilnehmerzahl und unter Einhaltung von Hygienemaßnahmen (Mindestabstände und das Tragen von Masken) infektionsschutzrechtlich vertretbar seien", hatte Bayerns VGH seine Entscheidung begründet. Wenn sich ein Veranstalter ausdrücklich weigere, Hygienemaßnahmen zu ergreifen, sei auch eine Untersagung gerechtfertigt. Das Selbstbestimmungsrecht von Versammlungen finde seine Grenze in den Rechtsgütern Dritter und der Allgemeinheit.

Mit der Umwandlung zu einem Gottesdienst hat die Initiative nun offenbar ein Schlupfloch gefunden: Zu Beginn der Veranstaltung hatten sich nach Polizeiangaben rund 1700 Menschen auf der Theresienwiese versammelt - und durften dort auch alle bleiben. Die Juristen des Innenministeriums scheinen die Umwandlung des Protests zu einem Gottesdienst akzeptiert zu haben. Das bestätigte auch die Münchner Polizei gegenüber dem Bayerischen Rundfunk.

Dem Anschein nach, sei es tatsächlich ein Gottesdienst, so ein Sprecher. Da die Veranstaltung formal die Auflagen erfüllt, könne die Polizei nicht dagegen vorgehen. Auf der Bühne, auf der auch Fernseh-Pfarrer Jürgen Fliege als Redner auftrat, waren Kreuze aufgestellt - und Särge mit Blumenkränzen und Deutschland-Flaggen.

Nach Polizeiangaben blieb zu Beginn der Protestaktion alles friedlich. Es mussten nach derzeitigem Stand keine Demonstranten von der Theresienwiese entfernt werden. Auch auf anderen Plätzen in München wurden kleinere Kundgebungen gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung abgehalten.