Vor zwei Jahren hat der Bayerische Landtag beschlossen, dass die Frankenfahne zum Tag der Franken auch vor staatlichen Gebäuden wehen darf. Am Münchner Maximilianeum aber wurde sie noch nie gehisst. Auf diesen Umstand wies Landtags-Vizepräsident Reinhold Bocklet gestern hin, denn da flatterte sie vor dem Landtag und hing auch drinnen im altehrwürdigen Senatssaal. Dort empfing Landtagspräsidentin Barbara Stamm im Nachgang zu ihrem 70. Geburtstag, und Bocklet hatte Rot-Weiß angeordnet, nicht am Tag der Franken, aber zu Ehren "einer herausragenden Fränkin".

Bayerns beliebteste Politikerin, unterfränkische Stimmenkönigin bei der Landtagswahl, soziales Gewissen der CSU, ebenso menschliche wie auch strenge Autorität, deren Rat sich selbst Horst Seehofer nicht verschließen kann: Oft ist das schon gesagt und geschrieben worden über Barbara Stamm, und es stimmt. Gestern bleib derlei aus, obwohl, so Bocklet, "viele bereit und auch in der Lage gewesen wären". Die Jubilarin aber wollte "keine Reden und erst recht keine Laudatio".

Also ließ es Bocklet am Schluss seiner Begrüßung bewenden mit dem mit viel Beifall aufgenommenen Dank für Barbara Stamms Leistung "zum Wohl des Freistaats Bayern, seiner Menschen und seiner Volksvertretung".
Dann aber wurden es doch noch zwei Reden. Drei, genauer gesagt, denn Barbara Stamms Veitshöchheimer Fastnacht-Freunde gratulierten. Bauchredner Sebastian Reich hatte seine Amanda dabei, die prompt die unvermeidliche Frage stellte: "Wo ist der Horst?" Und Volker Heißmann, vor allem bekannt als die einfältigere Hälfte des Duos Heißmann und Rassau, outete sich als "der Fan von der Frau Stamm".

Er teilte zunächst mit, dass Barbara Stamm ihren 70. Geburtstag am Mittwoch letzter Woche ja schon in ihrer unterfränkischen Heimat privat gefeiert hat, und zwar in kleinem Kreis: " Mehr wie 500 waren des bestimmt net."
Und dann widmete er sich Barara Stamms durchaus gefürchteten Qualitäten nicht nur als unermüdliches Arbeitstier, sondern auch als Feierbiest. Letztere verdeutlichte er am Beispiel ihres Fahrers: Wenn Stamm zu Beginn eines geselligen Abends wissen will, wie sie ihn denn finden wird für die Heimfahrt, dann sagt der: "Frau Stamm, wie immer halt. Ich bin des einzige Auto, des dann noch dasteht."

Stamm, seit 1976 Landtagsabgeordnete, seit 1993 stets mit besten Stimmenergebnissen ausgestattete stellvertretende Vorsitzende der CSU und seit 2008 Präsidentin des Landtags, vermied in ihren Dankesworten jeden Hinweis auf dunklere Stunden, die es, nicht nur bei der Entlassung aus dem Amt der Sozialministerin, durchaus gab.

Das große Thema der letzten Etappe ihrer langen politischen Karriere aber ließ sie schon anklingen. Sie kämpft als Landtagspräsidentin nicht nur um möglichst gute Arbeitsbedingungen für die Abgeordneten, sondern vor allem um das Ansehen des Parlaments.

"Die Zukunft des Landtags wird das sein, was wir daraus machen," sagte sie gestern.
Und dann dankte sie für "das Hissen der Frankenfahne".