Bayerische Polizeipräsidien distanzieren sich von dem in die Kritik geratenen Kalender der Deutschen Polizeigewerkschaft. Nach München gibt es auch in den meisten anderen Präsidien die Anordnung, den umstrittenen Karikaturen-Kalender nicht mehr aufzuhängen. Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch. Eine bayernweite Richtlinie gibt es aber noch nicht. Der Kalender macht sich unter anderem über Ausländer, Alte und Selbstmord lustig.
Alexander Bosch von Amnesty International sagte den Online-Ausgaben von "Frankfurter Rundschau" und "Berliner Zeitung", der Polizeigewerkschaft in Bayern fehle es an Sensibilität, "wenn es um Rassismus und Alltagsdiskriminierung geht". Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy forderte die Gewerkschaft ebenfalls dort auf, den Kalender zurückzuziehen und sich zu entschuldigen. Einen "gewissen Alltagsrassismus" sahen auch die Landtags-Grünen.

Die SPD-Landtagsfraktion forderte ein "Machtwort" der Staatsregierung und verlangte, den "menschenverachtenden Polizeikalender" umgehend aus den Amtsstuben zu entfernen. In den meisten bayerischen Polizeipräsidien und dazugehörigen Dienststellen von Unterfranken bis Oberbayern ist das inzwischen passiert. Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd will sich für eine bayernweite Regelung einsetzen.

Besonders umstritten ist die März-Karikatur des Kalenders, die einen festgenommenen Farbigen mit überzeichneten dicken roten Lippen zeigt, der sich gegen den Griff eines Polizeibeamten wehrt und in gebrochenem Deutsch schreit: "Was heiß' hie' Ve'dunklungsgefah' ....?!" Bosch von Amnesty International bezeichnete dieses Bild als "ganz eindeutig rassistisch".

Im oberfränkischen Präsidium besteht nach Angaben eines Sprechers schon seit einem Monat "Konsens, man möge vermeiden, dass der Kalender in Polizeidienststellen hängt". In Mittelfranken ist der Kalender seit einer Woche auf Anordnung aus den Diensträumen verschwunden, in den unterfränkischen Dienststellen seit Dienstag. "Es ist angeordnet worden, sie in den Dienststellen abzunehmen und auch nirgendwo anders wieder aufzuhängen", sagte ein Sprecher.

Auch in den beiden schwäbischen Präsidien ist der Kalender nicht gern gesehen, wie die jeweiligen Sprecher sagten. In Schwaben/Nord hänge er darum nicht mehr an den Wänden. In Schwaben Süd/West sei er aus den Räumen mit Publikumsverkehr entfernt worden. Das Polizeipräsidium Oberpfalz hat sich zu einem Kompromiss entschlossen: Die Kalender dürfen zwar hängen bleiben, die aus Sicht des Präsidiums besonders kritischen Monate März und August müssen aber in allen Dienststellen abgerissen oder abgedeckt werden. Der März zeigt die Festnahme des farbigen Mannes, im Monat August macht sich ein Polizist über einen Selbstmord lustig.
Der bayerische Landesverband der Deutschen Polizeigewerkschaft, der 3000 dieser Kalender herausgebracht hat, hat die Kritik daran unterdessen entschieden zurückgewiesen. Der Chef des Landesverbandes, Hermann Benker, griff am Mittwoch seinerseits den Münchner Polizeipräsidenten Wilhelm Schmidbauer auf "Antenne Bayern" scharf an: "Wer einerseits sich mit Gaddafis Sohn zum Frühstück trifft, aber gleichzeitig über Polizeikarikaturen echauffiert, ist für mich nicht glaubwürdig."

Seit sechs Jahren erscheine der Kalender, und noch nie habe es Beschwerden gegeben. Er sei nicht rassistisch und auch nicht diskriminierend. "Da steckt nichts dahinter", sagte Benker und betonte die Kunstfreiheit. Es handle sich lediglich um "Polizistenjargon".