Die Aktion hatte für viel Aufsehen gesorgt: An einem Gymnasium in Planegg sollte es an diesem Freitag für Schüler ab 16 Jahren möglich sein, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen (siehe Meldung unten). Doch die Schule und der Arzt, der die Impfungen durchführen wollte, ernteten reichlich Kritik. Nach dem Wirbel um die Impfaktion ist der Termin nun abgesagt worden.

Die Gemeinschaftspraxis habe ihr Angebot zur Impfung der Jugendlichen aufgrund der öffentlichen Diskussion zurückgezogen, teilte das Gymnasium im Landkreis München am Dienstagabend mit. "Wir bedauern das, können aber die Entscheidung nachvollziehen", sagte Schulleiter Matthias Spohrer.

Fehlendes "Verantwortungsbewusstsein"?

Schülerinnen und Schüler ab 16 Jahren sollten am Freitag die Möglichkeit erhalten, sich in der Schule mit dem Impfstoff der Firma Biontech immunisieren zu lassen. Angesichts der Knappheit des Vakzins hatte dieses Vorhaben für Diskussionen gesorgt. So wurden am Dienstag überraschend Erstimpfungs-Termine in Bayern abgesagt, da der Impfstoff für Zweitimpfungen benötigt werde.

Landrat Christoph Göbel (CSU) forderte, mehr Verantwortungsbewusstsein und Sensibilität im Umgang mit Impfungen an den Tag zu legen. Auch wenn die Rechtslage ein Schlupfloch biete, sollten Mediziner den Impfstoff für diejenigen bereithalten, die ihn am nötigsten brauchen. Er könne niemandem vermitteln, dass gesunde Jugendliche geimpft würden, während gleichzeitig viele vulnerable Personen immer noch auf der Warteliste stünden.

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) kündigte unterdessen in der "Augsburger Allgemeinen" (Dienstag) Vorbereitungen an, um bis zum Ende der Sommerferien allen Schülern sogar ab zwölf Jahren eine Corona-Impfung anzubieten und den Präsenzunterricht im kommenden Schuljahr zu sichern. In Bayern gibt es rund 835 000 Schüler zwischen 12 und 18 Jahren.

"Sofern der Impfstoff zugelassen wird, gehe ich davon aus, dass jede Schülerin und sogar jeder Schüler ab zwölf Jahren bis zum Ende der Sommerferien ein Impfangebot bekommt", sagte der Minister der Zeitung. Die Impfung der Schüler würde Schulen mehr Optionen eröffnen; es wäre auch wieder mehr Präsenzunterricht möglich.

Auch der Planegger Schulleiter Spohrer hält die Immunisierung der Jugendlichen für sinnvoll. Die Sieben-Tage-Inzidenz bei dieser Altersgruppe liege um ein Vielfaches höher als bei Älteren. Außerdem schützten geimpfte Jugendliche ihre Kontaktpersonen in der Schule und in der Familie. Aus diesem Grund hatte sich die Schulleitung entschieden, das Impfangebot anzunehmen und die Umsetzung vor Ort zu organisieren. Nun musste die Schule diese Pläne wieder aufgeben.

Erstmeldung vom 17.05.2021: Impfangebot für Schüler geplant

Im Münchner Vorort Planegg können sich Schüler eines Gymnasiums ab 16 Jahren am Freitag (21. Mai) gegen das Coronavirus impfen lassen.

Eine niedergelassene Praxis habe dies der Schule kurzfristig angeboten, sagte der Schulleiter Matthias Spohrer am Montag in Planegg. Die Biontech-Impfdosen seien den Ärzten regulär zugeteilt worden. Alle priorisierten Patienten der Praxis seien aber bereits geimpft worden.

Erste Schule in Bayern impft Schüler gegen Corona

"So entstand in Absprache mit dem Landratsamt München und nach Wegfall der Priorisierung in Bayern der Vorschlag, die Jugendlichen ab 16 in unserer Schule zu impfen." Zuvor hatte die Süddeutsche Zeitung darüber berichtet. Bayerns Hausärzte dürfen Patienten von diesem Donnerstag (20. Mai) an unabhängig von der Impfreihenfolge mit sämtlichen Corona-Impfstoffen impfen.

Der Schulleiter hält die Immunisierung der Jugendlichen für sinnvoll. Die Sieben-Tage-Inzidenz bei dieser Altersgruppe liege um ein Vielfaches höher, als bei Älteren. Außerdem schützten geimpfte Jugendliche ihre Kontaktpersonen in der Schule und in der Familie. Aus diesem Grund habe sich die Schulleitung entschieden, das Angebot anzunehmen und die Umsetzung vor Ort zu organisieren.

Ein Ablehnen hätte umgekehrt für noch mehr Unverständnis gesorgt, ist Spohrer überzeugt. Man habe das Angebot an die Familien weitergeleitet und darauf aufmerksam gemacht, dass es "absolut freiwillig" sei.