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Pflegefamilien gesucht: Zahl der Pflegekinder nimmt zu – es gibt aber zu wenige Pflegeeltern

Die Zahl der Pflegekinder nimmt in Bayern zu. Aber es gibt zu wenig Pflegefamilien. Das hat eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei Jugendämtern ergeben.
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Die Zahl der Pflegekinder nimmt in Bayern zu. Das hat eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei Jugendämtern ergeben.   Foto: Marc Tirl/dpa
Die Zahl der Pflegekinder nimmt in Bayern zu. Das hat eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei Jugendämtern ergeben. Foto: Marc Tirl/dpa

Jugendämter suchen in Bayern häufig Pflegeeltern. Während es immer mehr Pflegekinder gibt, sinke die Bereitschaft, Kinder in die Familie aufzunehmen.

"Unsere Gesellschaft neigt dazu, sich gerne selbst zu optimieren. Ein Kind hat bei dieser Lebenseinstellung oftmals keinen Platz", sagt Edith Petry vom Sozialreferat München. Allerdings hindere auch die Wohnungsnot viele Familien, ein Pflegekind bei sich aufzunehmen.

Die Landeshauptstadt zahlt deswegen einen extra Mietzuschlag, zusätzlich zum üblichen Pflegegeld. Trotzdem sind zu wenig Eltern zu einer solchen Aufgabe bereit. Aktuell leben in München mehr als 630 Kinder in Pflegefamilien, bis nächstes Jahr sollen aber 690 Mädchen und Buben unterkommen.

 

In Nürnberg wachsen fast 290 Kinder in Pflegefamilien auf. Auch hier werden Pflegeeltern gesucht. "Ich würde mal schätzen etwa 30 bis 40 pro Jahr", sagt Gisela Duschl, Leiterin des Nürnberger Kinder- und Jugendhilfezentrums (KJHZ). In Würzburg werden jährlich 15 bis 20 Mädchen und Buben vermittelt, aktuell leben insgesamt 120 Kinder in Pflegefamilien. 

Der Trend in Bayern beunruhigt Monika Görres, stellvertretende Vorsitzende beim Pfad für Kinder, dem Landesverband der Pflege- und Adoptivfamilien in Bayern: "Die Zahl der Kinder, die eine Familie brauchen, nimmt zu, die Zahl der Pflegeeltern verändert sich und nimmt im städtischen Bereich wohl eher ab."

Pflegeeltern gesucht und gefunden: Fälle in Franken

Die Suche nach einer Pflegefamlie ist oft lange und anstrengend. In einem Fall im mittelfränkischen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen hat das Landratsamt daher zu einer ungewöhnlichen Maßnahme gegriffen: Im Oktober 2018 wurden mit Hilfe der Medien Pflegeeltern für ein Geschwisterpaar gesucht. Die beiden Kinder (6 und 10) konnten nicht bei ihrer Mutter bleiben, die sich aufgrund einer Behinderung nicht um die beiden kümmern konnte. Der Vater der beiden Kinder war gestorben. Das Landratsamt wollte die Geschwister zusammen vermitteln, was die Suche nicht einfacher machte.

Auf den Aufruf hin meldeten sich 200 Familien, darunter 40 aus der näheren Umgebung. Schließlich gelang durch den medienwirksamen Aufruf, was sonst oft noch viel länger dauert: Im Februar 2019 konnten die beiden Kinder bei einer Pflegefamilie einziehen.

Im Landkreis Kitzingen lebt eine Familie, die schon vier Kinder aufgenommen hat: Die Eltern, die selbst keine Kinder bekommen konnten, entschieden sich für Pflegekinder und sind auch immer noch überzeugt: "Wir würden uns wieder so entscheiden. Auch wenn es eine Entscheidung fürs Leben ist."

Aber Pflegefamilien werden trotz dieser erfreulichen Einzelfälle immer gesucht. Es gibt auch in Franken immer zu wenige Eltern, die bereit sind, Kinder aufzunehmen und zu viele Kinder, die eine Familie suchen.

Warum es so schwer ist und warum eigentlich so viele Kinder eine Familie suchen: Suche Kinder, biete Glück: Pflegeeltern in Franken sind Mangelware

jgö/dpa