Kurz vor dem Anpfiff des EM-Spiels zwischen Deutschland und Frankreich hat ein Motorschirm-Flieger sich selbst und die in der Münchner Arena in Gefahr gebracht, als er ungeplant mitten auf dem Spielfeld landete. Zwei Menschen wurden dabei verletzt. Einer von Ihnen, ein 42-Jähriger, befindet sich im Krankenhaus.

Ministerpräsident Markus Söder kündigte heute Konsequenzen an. Die Polizeiinspektion München hat die Ermittlungen aufgenommen. Die Bundesregierung kritisiert die Aktion scharf. Das Innenministerium im Freistaat kündigt verstärkte Luftüberwachung bei kommenden drei EM-Spielen an. 

Update vom 16.06.2021, 15.19 Uhr: Greenpeace-Sprecher sagt Münchner Polizei sei informiert gewesen

Die Münchner Polizei war nach Angaben eines Greenpeace-Sprechers über die Protestaktion eines Motorschirm-Piloten vor dem EM-Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft informiert. Unmittelbar vor der Aktion sei Beamten innerhalb und außerhalb des Stadions Bescheid gegeben worden, sagte Greenpeace-Sprecher Benjamin Stephan am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Ein Münchner Polizeisprecher bestätigte dies nicht und sagte, darüber habe seine Behörde keine Informationen.

Update vom 16.06.2021, 14.24 Uhr: Bundesregierung verurteilt Greenpeace-Aktion scharf

Die Bundesregierung hat die missglückte Greenpeace-Protestaktion im Münchner EM-Stadion scharf kritisiert. "Das war eine unverantwortliche Aktion, die Menschen in große Gefahr gebracht hat", erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin. Die Aktion sei zwar "Gott sei Dank einigermaßen glimpflich" ausgegangen, was auch «eine große Erleichterung» sei. Trotzdem sollten die Verantwortlichen "schon selbstkritisch den Sinn solcher Aktionen hinterfragen, bei denen es um maximales Spektakel für maximale PR-Wirkung" gehe, sagte Seibert.

Diese führten zu «potenziell gemeingefährlichen Situationen». Seibert stellte klar, dass die Verurteilung der Greenpeace-Aktion nichts mit den Inhalten des Protests zu tun habe. Man müsse diese Aktion so beurteilen, "völlig unabhängig davon, welchem Zweck sie diente", sagte Seibert.

Update vom 16.06.2021, 14.08 Uhr: Aktion löst Diskussion um Sicherheit im Stadion aus

Die umstrittene Greenpeace-Aktion im Münchner EM-Stadion hat eine Diskussion um die Sicherheit während der Fußball-Europameisterschaft ausgelöst. "Die bayerische Polizei wird bei den kommenden drei EM-Spielen die Luftüberwachung verstärken, insbesondere zusammen mit der Hubschrauberstaffel", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch.

Bei der missglückten Protestaktion vor dem EM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Frankreich am Dienstagabend hatte die Polizei nach Darstellung des bayerischen Innenministers bewusst nicht auf den Motorschirmflieger geschossen, der mitten auf dem Spielfeld gelandet war.

Über dem Stadion gilt bei den EM-Spielen laut Innenministerium ein totales Flugverbot. "Es hätte ganz anders ausgehen können, auch für den Piloten", betonte Herrmann. "Wenn die Polizei zur Einschätzung gelangt wäre, dass es sich um einen Terroranschlag handelt, hätte er das mit dem Leben bezahlen müssen. Die eingesetzten Scharfschützen hatten ihn bereits im Visier."

Es sei Aufgabe der Bundeswehr und der Polizei, den Luftraum zu überwachen, sagte der Sprecher des Polizeipräsidiums München, Andreas Franken. "Wir konnten den Anflug kurz vorher bereits wahrnehmen und haben in einer Ersteinschätzung schon auch erkannt, dass es sich hier um eine Aktion von einer Umweltorganisation handelt."

Update vom 16.06.2021, 12.51 Uhr: Dobrindt fordert von Greenpeace Offenlegung weiterer geplanter Aktionen zur EM 2021

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hat von der Umweltorganisation Greenpeace nach ihrer umstrittenen Aktion vor dem EM-Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft eine umfassende Aufklärung über weitere Aktionen verlangt. «Greenpeace muss jetzt darlegen, ob im Umfeld der EM 2021 weitere Aktionen geplant sind oder waren», erklärte der Vorsitzende der CSU-Abgeordneten im Bundestag am Mittwoch in Berlin. Greenpeace müsse klären, wer die Urheber dieser Ideen seien und wie die Organisation dafür sorge, dass es zu keiner weiteren Gefährdung der Öffentlichkeit und der handelnden Personen komme. Die Aktion sei unverantwortlich gewesen.

Update vom 16.06.2021, 7.36 Uhr: Markus Söder kritisiert die Aktion scharf und kündigt Konsequenzen an - die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen

Nach der missglückten Protestaktion vor dem EM-Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Frankreich hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Konsequenzen angekündigt. "Das wird genau behandelt, das sind klare Verstöße", sagte er dem Bayerischen Rundfunk. "Das ist kein Kavaliersdelikt."

Zwei Menschen waren am Dienstagabend bei der missglückten Gleitschirm-Aktion, die von Greenpeace initiiert wurde, verletzt worden. Eigentlich wollte die Umweltorganisation damit gegen Sponsor Volkswagen protestieren. Der Aktivist sei festgenommen worden, sagte ein Sprecher der Münchner Polizei. Später entschuldigte sich Greenpeace - und erntete heftige Kritik.

Wie die Polizeiinspektion München mitteilte, wird gegen den 38-jährigen Piloten jetzt wegen verschiedener Verstöße ermittelt.

Ursprüngliche Meldung vom 15.06.2021:

Kurz vor dem Anpfiff des EM-Spiels zwischen Deutschland und Frankreich hat ein Motorschirm-Flieger sich selbst und die Fußball-Fans in der Münchner Arena in Gefahr gebracht.

Der Mann schwebte am Dienstagabend (15.06.2021) über dem Stadion und versuchte, einen großen gelben Ball in die Arena zu werfen. Dabei geriet er in eine Stahlseilkonstruktion am Stadiondach und kam ins Trudeln.

Motorschirm-Flieger landet fast in Zuschauerrängen

Nur mit großer Mühe konnte er einen Absturz in die Zuschauerränge verhindern und landete unsanft auf dem Rasen. Dann wurde er sofort von zwei Sicherheitskräften abgeführt.

Hinter der Aktion stand die Umweltorganisation Greenpeace, die damit gegen den Sponsor Volkswagen protestieren wollte. Bei Twitter forderte Greenpeace in einem Post dazu von dem Konzern, keine klimaschädlichen Diesel- und Benzinautos mehr zu verkaufen.