• Messerattacke in München: 27-Jährige soll Mann getötet haben
  • Frau lief blutend durch Innenstadt und Fußgängerzone
  • Polizei gibt erste Informationen über Hintergründe der Tat bekannt
  • Das ist der aktuelle Stand der polizeilichen Ermittlungen

Nach den blutigen Szenen in der Münchner Fußgängerzone steht eine 27-jährige Frau im Verdacht, einen Mann mit einem Messer getötet zu haben - sie bleibt aber auf freiem Fuß. Trotz Ermittlungen wegen Totschlags wurde sie aus dem Polizeigewahrsam entlassen und kam nicht in Untersuchungshaft, wie die Polizei am Freitag (22. April 2022) mitteilte.

Update vom 22. April 2022: Laut Staatsanwaltschaft keine U-Haft notwendig

Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte, auch bei Tötungsdelikten sei U-Haft kein Automatismus. In dem Fall hätten keine Haftgründe vorgelegen. Diese sind etwa Flucht- oder Verdunklungsgefahr. Zum genauen Hergang und zum Motiv sind weiter viele Fragen offen.

Die Frau war am Donnerstagnachmittag (21. April) blutend und mit einem Messer aus einem Haus in der Münchner Innenstadt gelaufen und hatte einen großen Polizeieinsatz ausgelöst. Im Treppenhaus wurde ein 45-Jähriger gefunden, der am Abend in einer Klinik an seinen Verletzungen starb.

Ein Polizeisprecher sagte am Freitag, die beiden seien kein Paar, sondern Nachbarn gewesen und hätten sich anscheinend flüchtig gekannt. Der Mann habe in ihre Wohnung gehen wollen - er habe geklingelt, sie habe aufgemacht - dann sei es zur körperlichen Auseinandersetzung gekommen. "Wer angefangen hat, wer der Aggressor ist, das wissen wir nicht", sagte er. Beim Mann gibt es demnach keine Hinweise auf psychische Auffälligkeiten, die Frau war bisher polizeilich noch nicht in Erscheinung getreten.

Auch die laut Polizei sehr kleine und zierliche 27-Jährige erlitt eine Schnittverletzung an der Hand. Sie könnte mit derselben Waffe verletzt worden sein, durch die der 45-Jährige ums Leben kam: Die Polizei stellte ein einzelnes Messer sicher. Unbeteiligte Zeugen gibt es nicht. Die Aussagen der 27-Jährigen müssen laut Polizei nun mit den Spuren abgeglichen werden.

Ursprüngliche Meldung vom 21. April 2022: Blutende Frau läuft mit Messer durch Stadt

Dramatische Szenen am Donnerstag (21. April 2022) mitten in München: Eine Frau läuft mit einem Messer in der Hand aus einem Haus, sie blutet - ein Passant ruft die Polizei. Mehrere Streifen rücken an. Bewaffnete Beamte mit Helmen und schuss- und stichsicheren Westen gehen in das Gebäude.

Die 27 Jahre alte Frau und ein 45 Jahre alter Mann seien zunächst mit Schnitt- und Stichwunden ins Krankenhaus gebracht worden, teilte die Polizei mit. Am Donnerstagabend bestätigte dann ein Polizeisprecher, dass der 45-Jährige im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen sei. Zunächst hatte die Bild-Zeitung über den Tod des Mannes berichtet.

Mann nach Streit in München verstorben: Was war geschehen?

Was sich genau in dem Gebäude in der Sendlinger Straße in der Münchner Fußgängerzone abspielte, war zunächst offen. Die Polizei rückte nach eigenen Angaben mit etwa 50 Kräften an. "Scheinbar gab es einen Streit oder Konflikt zwischen den beiden", sagte ein Polizeisprecher. Die beiden Verletzten hätten im gleichen Haus gewohnt. Der genaue Grund des Streits blieb zunächst unklar - ebenso die Frage, wer wen wann mit dem Messer verletzt hatte. Dritte waren nach ersten Erkenntnissen der Ermittler nicht beteiligt gewesen.

Den Zustand des 45-Jährigen hatte die Polizei am Nachmittag wegen schwerer Stichverletzungen noch als kritisch bezeichnet, am Abend sei der Mann dann in einer Klinik gestorben. Die 27-Jährige sei dagegen ansprechbar gewesen. Über ihre Angaben zu dem Vorfall wollte ein Polizeisprecher am Donnerstagabend aus ermittlungstaktischen Gründen keine Auskunft geben. Die Kriminalpolizei übernahm die Ermittlungen.

Am Donnerstagnachmittag waren Helfer der Spurensicherung im Umfeld des Tatorts unterwegs und markierten unter anderem bestimmte Stellen am Rande des Gehwegs, wie Augenzeugen berichteten. Am Gehweg waren Blutspuren zu sehen. Das Gelände rund um den Ort des Geschehens war zeitweise abgesperrt. Schaulustige sammelten sich hinter den weiß-roten Flatterbändern.

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