Schwabach
Eklat um Bayern-Star

Vergoldetes Ribéry-Steak viel zu teuer - fränkischer Blattgold-Hersteller klärt auf

In einer der letzten deutschen Blattgoldschlägereien im fränkischen Schwabach wird klar, dass Gold mehr kann als Steaks zum Glänzen zu bringen. Christian Scheuring, der Chef der Eytzinger Blattgoldschlägerei, klärt auf zu was der glänzende Zusatz alles gut ist.
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Mit der Gruendung des Geschaeftszweigs "Goldgourmet" hat die altehrwuerdige Eytzinger Blattgoldschlaegerei im fraenkischen Schwabach vor mehr als einem Jahrzehnt einen Befreiungsschlag gewagt und ist ganz offiziell zum Lebensmittelhersteller geworden. Foto: epd
Mit der Gruendung des Geschaeftszweigs "Goldgourmet" hat die altehrwuerdige Eytzinger Blattgoldschlaegerei im fraenkischen Schwabach vor mehr als einem Jahrzehnt einen Befreiungsschlag gewagt und ist ganz offiziell zum Lebensmittelhersteller geworden. Foto: epd
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Natürlich lässt der Chef der Eytzinger Blattgoldschlägerei im fränkischen Schwabach - gegründet vor 152 Jahren - nicht einfach nur irgendeinen Kaffee im kleinen Konferenzzimmer der Firma servieren. Nein, auf der haselnussbraunen Schaumschicht glänzen winzige Quadrate aus Blattgold. "Sehen Sie", sagt Christian Scheuring andächtig, "Sie schauen ganz anders hin".

Gold, das sei kein protziges Edelmetall, zur Schau gestellt wie auf dem Steak des FC-Bayern Fußballers Franck Ribéry. Für Scheuring ist es eine zauberhafte Materie. "Ein Stoff für die Seele", sagt er feierlich und rührt so sachte seinen Kaffee um, dass die Goldflitter in der Tasse in einem kleinen Strudel zu tanzen beginnen.

Kompliment für Steak-Koch aus Dubai - Ribéry-Steak nur 28 Euro wert

Ihm ist wichtig, nach der ganzen Ribéry-Steak-Affäre ein wenig seriöses Licht in die Debatte um das Gold zu bringen: "Zu allererst kann ich dem Restaurantbesitzer in Dubai nur gratulieren", sagt Scheuring und zieht eine Augenbraue gekonnt in die Höhe. Das freundliche Gesicht des 57-Jährigen ist umrahmt von einem grauweißen Vollbart.

Seine ironische Art lässt immer wieder offen, ob er Gesagtes wirklich ernst meint. "Ich tippe mal darauf, dass das Steak 28 Euro kostet, die maximal drei Bögen Blattgold ungefähr fünf." Die restlichen 1.167 Euro in dieser Kalkulation seien die Gewinnmarge des Wirts.

Offiziell Lebensmittelhersteller: Eytzinger-Gold ist laktosefrei, glutenfrei und streng vegan

Es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass der goldene Überzug im Betrieb von Christian Scheuring und seinen 50 Mitarbeitern entstanden ist. Denn: "Unser Gold ist lebensmittelecht." Laktosefrei, glutenfrei und streng vegan. Sogar zertifiziert. Mit der Gründung des Geschäftszweigs "Goldgourmet" habe die Firma vor mehr als einem Jahrzehnt einen Befreiungsschlag gewagt und sei ganz offiziell zum Lebensmittelhersteller geworden.

"Inzwischen bieten auch die, die damals noch über uns gelacht haben, Gold zum Verzehr an." Befreiungsschlag deshalb, weil die Goldschlägerbranche damals wieder einmal in schwierigem wirtschaftlichen Fahrwasser war.

Zwar ist bei Eytzinger seit dem Gründungsjahr 1867 tatsächlich alles Gold, was dort in den Firmengebäuden glänzt. Doch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass immer wieder existenzielle Krisen das Geschäft der Firma bedroht haben - und das der anderen Traditionsbetriebe in Schwabach nahe Nürnberg, das sich "Goldschlägerstadt" nennt.

Kunstgegenstände und Gebäude: Blattgold kommt überall zum Einsatz

"1930 hat es in Schwabach noch 120 Blattgoldschläger gegeben", sagt Scheuring. Heute sind weniger als eine Handvoll übrig geblieben. "Wir sind in die einzigen, die noch ausschließlich in Deutschland fertigen. Das sagt alles", erklärt Scheuring. Nicht zuletzt die Finanzkrise, in deren Folge der Goldpreis zeitweise sehr stark gestiegen ist, habe das Ende von vielen Betrieben besiegelt.

Blattgold spielt eine zentrale Rolle bei der Restauration und Erhaltung etwa von sakralen Kunstgegenständen in der christlichen Tradition - aber auch bei Prachtbauten wie dem Clock Tower Hotel in Mekka. Auch in Moscheen kommt Blattgold zum Einsatz. Christian Scheuring sagt: "Das verbindet alle Menschen: Ich kenne keine Religion, in der Gold nicht irgendeine Rolle spielt."

Blattgold fast wie Nudeln hergestellt: Firma Eytzinger hat 32 verschiedene Sorten im Angebot

Aber wie entsteht das Blattgold überhaupt, das am Ende nur hauchfeine 0,000125 Millimeter Stärke besitzt? Der Weg des fränkischen Blattgoldes der Firma Eytzinger beginnt im Schmelztiegel von Susanne Wegler. Sie gießt das flüssige Gold zunächst in eine Form, hält diese mit schweren Zangen in kaltes Wasser. Es hat jetzt etwa die Form einer Tafel Schokolade - wiegt aber mehr als 700 Gramm und ist damit weit über 20.000 Euro wert.

Das noch warme Stück Metall schiebt Wegler nun immer wieder zwischen zwei mächtigen Walzen hindurch. Ähnlich wie der Teig bei einer Nudelmaschine wird das Gold dadurch immer dünner.

"Natürlich gibt es ganz verschiedene Mischungen, die dann am Ende den Farbton beeinflussen", erklärt Christian Scheuring. 32 unterschiedliche Gold-Farben hat er im Sortiment, die von der Beimengung von Kupfer, Silber, Platin oder Palladium abhängen.

Früher wurde Gold von Hand geschlagen - heute erledigen das Maschinen

Nach mehreren Arbeitsgängen wird das gewalzte Gold schließlich zwischen Papierschichten in Heften zusammengefasst. "Früher hat man das dann tatsächlich mit dem Hammer bearbeitet", erklärt der groß gewachsene Goldschlägermeister Werner Auer - einer der letzten seines Handwerks. Er zeigt, wie es geht. Vor dem Hintergrund des rhythmischen Klangs lässt sich erahnen, welche Grundmelodie das Handwerk zu den Hoch-Zeiten der Blattgoldschlägerei in den Gassen von Schwabach entfaltet haben muss.

Tatsächlich schlägt heute niemand mehr Gold von Hand - dafür gibt es Maschinen, die den Hammerschlag im Prinzip nachahmen. "Eine recht simple aber effektive Mechanik", sagt Scheuring, der das Dröhnen und Rattern der Schlaganlage gewohnt ist. Das ganze Gebäude steht unter dem Rhythmus dieses Arbeitsgangs, an dessen Ende die fertigen Blattgoldbögen stehen. Um die Höhe von einem Millimeter zu erhalten, müssen 8.000 dieser Bögen übereinandergelegt werden. Ein güldener Hauch von nichts.

Ein Goldblatt kostet 1,50 Euro: Kann auch in der Kosmetik verwendet werden

Das Standardmaß sind Quadrate mit einer Kantenlänge von acht Zentimetern. In einem hellen Raum sitzt ein Dutzend Frauen mit Haarnetzen, die Gold, Silber oder Platin mit feinen Zangen aus Ebenholz greifen, diese Quadrate feinsäuberlich aus den geschlagenen Bögen schneiden und passgenau in Papierhefte mit 20 Seiten einlegen. Kostenpunkt: etwa 1,50 Euro pro Goldblatt. In dieser Form gelangen das Gold in den Handel.

"Aber auch als Flocken, Fäden oder Pulver", sagt Christian Scheuring jetzt und präsentiert Produkte aus der Kosmetik-Linie "Gold Cosmetica". Er überreicht ein Prospekt, auf dessen Titelseite eine Frau zu sehen ist, deren Gesicht teilweise mit Blattgoldbögen vergoldet ist.

Handwerkstradition am Aussterben: Scheuring glaubt an Zauber des Materials

Ärgerlich wird Scheuring, wenn er darüber nachdenkt, wie in Deutschland aus seiner Sicht die alten Handwerkstraditionen des Vergoldens und Blattgoldschlagens praktisch dem Aussterben ausgeliefert würden: "Als man die Staatsoper unter den Linden in Berlin saniert hat, haben sie Goldimitat verwendet." Eine Mischung aus 85 Prozent Kupfer und 15 Prozent Zinn sei das gewesen.

Kurzsichtig nennt Scheuring das, auch vor dem Hintergrund, dass echtes Gold um ein Vielfaches länger haltbar sei. Der handwerkliche Nachwuchs der Vergolder fände keine Beschäftigung.

Und doch: Wenn Christian Scheuring nicht eben eine goldene Zukunft für die Blattgoldschlägerei voraussagt, so glaubt er doch fest an den Zauber des Materials. Es werde die Menschen auch in Zukunft berühren - oder aufregen. Wie beim Fall Ribéry, der aus Sicht von Scheuring eigentlich nichts falsch gemacht habe, außer zu viel für das Steak zu bezahlen. Denn das Gold, das für so viel Aufsehen gesorgt hat, wog letztendlich höchstens zwei Hundertstel Gramm.

Auch das ist sehr viel wert: Fast 7 Milliarden Euro - Bayern zahlt mehr als die Hälfte des Länderfinanzausgleichs

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