Wer heute nicht ganz sicher ist, wie man ein Wort oder einen ganzen Satz schreibt, der schaut im Duden nach. Was viele aber nicht wissen: Die deutsche Grammatik kommt ursprünglich aus Franken. Denn noch vor Konrad Duden vereinheitlichte der evangelische Religionslehrer und Pfarrer Friedrich Bauer aus dem mittelfränkischen Neuendettelsau die deutsche Schulgrammatik. Am 14. Juni 1812 wurde der gebürtige Nürnberger geboren.

Nach der Revolution 1848/49 konzentrierte sich die Einheitsbewegung auf eine gemeinsame, neuhochdeutsche Sprache. Während der Dialekt der jeweiligen Region die "Muttersprache" war, sollte Hochdeutsch eine "veredelte Muttersprache" werden. Als evangelischer Religionslehrer hatte Bauer keine Ausbildung für den Unterricht der deutschen Sprache und Grammatik und tat sich reichlich schwer - wegen Personalmangels an der Nürnberger Landwirtschafts- und Gewerbeschule musste Bauer nämlich genau dieses Fach unterrichten.

In seinem Tagebuch notierte er unter anderem: "In der Schule Kampf das ganze Semester hindurch und Ärger mit dem heillosen zweiten Kurs in dem der Teufel nicht heimlich sondern offenbar regierte. Auch der Deutsche Sprachunterricht hat mir mein Leben sehr verbittert."


Aus der Not geboren



Wohl aus der Not heraus und auf den Rat seines Schuldirektors hin, verfasste Bauer kurz später die "Grundzüge der neuhochdeutschen Grammatik für höhere Bildungsanstalten", die 1850 erstmals erscheinen. Auf rund 160 Seiten gibt der Theologe auf ganz pragmatische Art und Weise einen Einblick in Wortbildung und Wortlehre, Satzlehre und Rechtschreibung. Durch Zufall entdeckte ein damals renommierter Schulbuchverlag das Werk Bauers, wodurch es schnell Verbreitung fand - zunächst in Österreich, später auch in Bayern und Preußen.

Zusammen mit dem Nürnberger Germanisten und Sprachforscher Georg Frommann hielt Bauer die Grammatik bis zu seinem Tod immer auf dem neusten Stand. Damit wird Bauer zu einem der großen Sprachreformer der Mitte des 19. Jahrhunderts noch jungen hochdeutschen Sprache. Später wurde Konrad Duden vom Verlag mit der weiteren Betreuung des Schulbuches beauftragt. 1935 wurde die Grammatik Bauers sogar in die Reihe "Der große Duden" aufgenommen und findet in großen Teilen bis heute noch Anwendung.


Von Duden übernommen und verdrängt



Durch die Übernahme und die weitere Verbreitung seiner Werke durch den Rechtschreibreformer Duden ist der Name Friedrich Bauer etwas ins Hintertreffen geraten. Gerade deshalb will seine Heimatgemeinde Neuendettelsau seinen 200. Geburtstag ganz besonders feiern: Neben Gedenkfeiern und einer Broschüre über das Leben Bauers wird in Neuendettelsau demnächst auch ein Denkmal an den Pfarrer erinnern.

Zusätzlich erinnert eine Sonderausstellung des "Löhe Zeit Museums" an den Theologen. Neben seiner Vorreiterrolle der deutschen Sprache war Friedrich Bauer auch in der Missionsarbeit stark engagiert und gründete 1846 in Neuendettelsau die "Missionsvorbereitungsanstalt", um Pfarrer für die fränkischen Auswanderer in Nordamerika auszubilden.