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Franken
Rassismus-Debatte

Heilige Drei Könige: Rassistischer Melchior aus Krippe verbannt - Diskussion auch in Franken

Die Heiligen Drei Könige wird es als solche in der Weihnachtskrippe in Ulm nicht mehr geben. Die Darstellung des Melchior sei zu rassistisch. Jetzt wird auch in Franken darüber diskutiert.
 
Die Heiligen Drei Könige
Die Heiligen Drei Könige Foto: Myriams-Fotos / pixabay.com

An einer Krippenfigur hat sich in Ulm eine Debatte um den Umgang mit rassistischen Abbildungen entfacht. Die evangelische Münstergemeinde wird die Heiligen Drei Könige, darunter der Melchior mit schwarzer Hautfarbe, in diesem Jahr aus der Weihnachtskrippe entfernen, sagte Dekan Ernst-Wilhelm Gohl. Die Gemeinde reagiere damit auch auf die andauernde Rassismus-Debatte in Deutschland.

"Die Holzfigur des Melchior ist etwa mit seinen dicken Lippen und der unförmigen Statur aus heutiger Sicht eindeutig als rassistisch anzusehen", so Gohl. Dies könne und wolle die Gemeinde so nicht stehen lassen. Mitglieder der Gemeinde hatten die Figur laut Gohl als "widerlich und rassistisch" bezeichnet. "Sie haben uns gesagt: "Diese Darstellung würdigt mich als schwarzen Christen herab", so Gohl.

Melchior mit "dicken Lippen" eindeutig rassistisch

Mit der Entscheidung möchte die Gemeinde auch einer möglichen Debatte während der Feiertage vorgreifen. Das diesjährige Weihnachten solle nicht von einer Diskussion um die Krippenfiguren bestimmt werden. Eine endgültige Entscheidung zum Umgang mit der Figur des Melchior wolle die Gemeinde "in aller Ruhe" im neuen Jahr treffen.

Einen solchen Umgang befürwortet auch der württembergische Landesbischof Frank Otfried July. "Der Weg, den man jetzt in Ulm versucht zu gehen, ist richtig", sagte er der dpa. "Es ist wichtig, eine Entscheidung gut zu beraten und auf dem Weg dorthin die dafür nötige Ruhe in der Gemeinde zu gewinnen." July sprach sich dafür aus, die Figuren mit einem erklärenden Kommentar zu versehen. "So etwas abzuhängen oder wegzustellen oder in einem Museum zu verstecken, halte ich für den schlechteren Weg."

Ein Sprecher der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland begrüßte das Vorgehen der Ulmer Gemeinde. "Es zeigt, dass es inzwischen einen konsequenteren Umgang mit Rassismus gibt", sagte Tahir Della von der Initiative.

Diskussion auch in Franken: Melchior steht für Toleranz, nicht für Rassismus

Auch in Bayern gibt es eine Diskussion um die Heiligen Drei Könige in der Weihnachtskrippe. "Die Thematik wird auch bei uns im Erzbistum diskutiert, konkrete Maßnahmen sind uns aber nicht bekannt", sagte eine Sprecherin des Erzbistums München und Freising am Mittwoch (07. Oktober 2020) auf Anfrage.

Im Erzbistum Bamberg ist dagegen "von solchen Debatten nichts bekannt". "Bekanntermaßen stehen die Heiligen Drei Könige stellvertretend für die drei zur Zeit Jesu bekannten Kontinente", sagte ein Sprecher. "Dass einer von ihnen also schwarze Hautfarbe hat, ist ein Zeichen dafür, dass der christliche Glaube weltumfassend ist und dass Gott alle Menschen, egal welche Herkunft oder Hautfarbe sie haben, einlädt. Der schwarze König steht deshalb eher für Toleranz und nicht für Rassismus."