Welche Corona-Regeln gelten künftig an bayerischen Schulen?  Vor Beginn des neuen Schuljahres hat sich Ministerpräsident Markus Söder mit Vertretern von Eltern-, Schüler- und Lehrerverbänden getroffen, um darüber zu diskutieren, wie trotz Pandemie regulärer Unterricht stattfinden kann. So sieht der Plan für Bayerns Schulen aus.

Update vom 01.09.2020: Maskenpflicht, gestaffelter Unterricht und mehr Lehrer: Das ist der Plan für Bayerns Schulen

Schulbetrieb in Bayern: Welche Maßnahmen gelten während der Corona-Pandemie zum Schulstart? Zu entsprechenden Hygieneauflagen für das neue Schuljahr hat sich bereits am Dienstag (01.09.2020) das bayerische Kabinett beraten. Der Diskussion ging allerdings ein Treffen des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) mit Lehrern, Schülern und Eltern am Montag (31.08.2020) in München voraus, um über zentrale Fragen zum Unterricht während der Pandemie zu sprechen. 

Das Ergebnis verkündeten anschließend Söder und Kultusminister Michael Piazolo gemeinsam bei einer Pressekonferenz. Als Vertreter der Schulfamilie waren bei dem Termin außerdem Joshua Grasmüller vom Landesschülerrat, Walburga Krefting vom Berufsverband der Lehrer und Pädagogen und Andreas Fischer vom Bayerischen Schulleitungsverband dabei.

Corona-Plan für bayerische Schulen: Das ändert sich im neuen Schuljahr

Der Konsens bei allen Beteiligten war, den regulären Präsenzunterricht so weit wie möglich aufrechtzuerhalten. Die Gesundheit der Schüler und Lehrkräfte stehe außerdem an oberster Stelle. Um diese beiden Ziele umzusetzen wurden folgenden Maßnahmen besprochen:

  • Befristete Maskenpflicht im Unterricht: In den ersten zwei Wochen nach Schulbeginn, also insgesamt neun Schultage lang, müssen die Schüler auch im Unterricht einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Ausgenommen davon sind Grundschüler. Damit soll eine Art "Sicherheitspuffer" geschaffen werden. Danach gilt die Maskenpflicht nur noch im Schulgebäude und überall, wo der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Die Maskenpflicht gilt darüber hinaus an Schulen in Regionen, wo das Infektionsgeschehen bei über 35 Fällen pro 100.000 Einwohnern liegt, sowie Schulen, die freiwillig beschließen, die Pflicht beizubehalten.

  • Gestaffelter Unterricht und Schulschließungen: Steigt in einer Region die Zahl der Corona-Fälle pro 100.000 Einwohner über 50, werden die Jahrgänge wieder gestaffelt unterrichtet. Die Schüler wechseln also zwischen Unterricht in der Schule und Unterricht von Daheim. Für den Präsenzunterricht gilt dann die generelle Maskenpflicht - auch in der Grundschule. Die komplette Schließung einzelner Schulen sei nur der letztmögliche Weg, es soll individuell und in Absprache mit dem Gesundheitsamt darüber entschieden werden. Liegt ein konkreter Infektionsfall vor, kann es jedoch vorkommen, dass eine komplette Klasse unter Quarantäne gestellt wird.

  • Distanzunterricht: Für den Unterricht von zu Hause wurden bayernweite Standards festgelegt. Der Distanzunterricht wurde außerdem als Unterrichtsform in die Bayerische Schulordnung aufgenommen, um zum Beispiel auch Leistungsnachweise im Unterricht zu Hause möglich zu machen. Zudem soll die Digitalisierung an Schulen weiter vorangetrieben werden: Für das neue Schuljahr werden mehr Laptops und Notebooks für Lehrer und Schüler zur Verfügung gestellt. 

  • Reihentestung: Eine Reihentestung der Lehrkräfte und Verwaltungsmitarbeiter vor Schulbeginn läuft bereits. Die Teilnahme an den Tests ist freiwillig, laut Piazolo wird das Angebot bisher jedoch gut angenommen. Bereits über 50 Prozent der bayerischen Lehrkräfte haben sich zu einem Test bereiterklärt.

  • Zusätzliche Lehrkräfte: Es wurden etwa 800 sogenannte "Team-Lehrer" eingestellt. Diese unterstützen zum Beispiel Lehrer, die zur Risikogruppe gehören und keinen Präsenzunterricht abhalten können.

  • Weitere Maßnahmen: Die Klassenzimmer sollen regelmäßig gelüftet werden. Begegnungen unter den Schülern in den Pausen und auf dem Weg zur Schule sollen minimiert werden. Dazu werden beispielsweise die Pausenzeiten gestaffelt und die Kommunen sollen mehr Schulbusse zur Verfügung stellen. Der Freistaat übernimmt die finanzielle Förderung für diese sogenannten "Verstärkerbusse".

Grundsätzlich sollen die Maßnahmen individuell an das Infektionsgeschehen und an die jeweiligen Möglichkeiten der einzelnen Schulen angepasst werden. Zudem soll es den Schulen möglich sein, flexibel auf die Veränderungen der lokalen Infektionszahlen zu reagieren und die Maßnahmen dementsprechend anzupassen.

Das bayerische Kabinett hat am 1. September die Vorlage des Bildungsgipfels angenommen und offiziell beschlossen. 

Update vom 31.08.2020, 13.00 Uhr: Corona-Maßnahmen für das neue Schuljahr: Die Pressekonferenz mit Söder und Piazolo zum Nachlesen

++ 14.10 Uhr: Die Pressekonferenz wurde beendet.

++ 14.05 Uhr: Krefting und Fischer weisen darauf hin, dass bei der Modernisierung oder beim Umbau von Schulen bessere Belüftungskonzepte und Hygienemaßnahmen wie Waschbecken in den Klassenzimmern miteinbezogen werden sollen.

++ 14.03 Uhr: Die Schwellenwerte von 35 oder 50 zur Anpassung der Maßnahmen gelten laut Piazolo zur Orientierung. Bei der Maskenpflicht sei es durchaus denkbar, sich nach dem tagesaktuellen Infektionswerten zu richten. Beim gestaffelten Unterricht jedoch nicht. Steigt der Infektionswert an einem Tag über 50 und der Unterricht wird gestaffelt, kann er am nächsten Tag nicht wieder normal weiterlaufen, auch wenn der Wert wieder unter 50 liegt. Hier müsse längerfristig geplant werden.

++ 14.02 Uhr: Söder bezeichnet das neue Hygiene-Konzept als "Gemeinschaftsverantwortung". Die Regierung wolle keine Verantwortung delegieren oder Dinge fordern, die nicht umgesetzt werden können. Aber da in jeder Schule andere Bedingungen herrschen muss den Schulen Flexibilität gegeben werden. "Jeder gibt das Beste, was er kann", um die Maßnahmen bestmöglich umzusetzen.

++ 13.52 Uhr: Auf Nachfrage betont Piazolo, dass die Schulschließung nur die "ultima ratio" sei.  Wenn das Infektionsgeschehen in einem Landkreis steigt, soll die Situation an den Schulen vor Ort in Absprache mit dem Gesundheitsamt geprüft werden. Tritt ein konkreter Infektionsfall in einer Klasse auftreten gelte dennoch "safety first" und die Klasse müsse in Quarantäne und getestet werden.

++ 13.45 Uhr: Andreas Fischer, Vorsitzender des Bayerischen Schulleitungsverbandes bezeichnet den Corona-Bildungsgipfel als "sehr starkes Signal" für die Schulleiter, da diese in der Pandemie große Verantwortung tragen und die Umsetzung der Maßnahmen vertreten müssen. Fischer wünscht sich mehr Unterstützung durch externe Kräfte in der Corona-Zeit.

++ 13.43 Uhr: Plexiglasscheiben, Einzeltische, automatische Desinfektionsspender und eventuell auch neue Belüftungsanlagen seien laut Krefting wichtige Maßnahmen, bei denen in den Schulen aufgestockt werden sollte. Ebenso bei der technischen Ausstattung der Schulen sei noch großer Verbesserungsbedarf für den Fall, dass es wieder zum Distanzunterricht kommt.

++ 13.42 Uhr: Die Präsidentin des Berufsverbandes für Lehrkräfte und Pädagogen Walburga Krefting, betont wie ihre Vorredner, wie wichtig der Präsenzunterricht ist. Sie spricht sich außerdem für die Ausnahme der Grundschüler bei der Maskenpflicht aus. Die Mimik und Gestik sei für die pädagogische Arbeit wichtig.

++ 13.30 Uhr: Die Gesundheit der Schüler und Lehrkräfte soll an erster Stelle stehen, daher darf auch mit den Corona-Maßnahmen nicht nachlässig umgegangen werden. "Ein zweiter Lockdown wäre auch für uns Schüler der 'worst case'", so Grasmüller.

++ 13.27 Uhr: Koordinator des Landesschülerrats Joshua Grasmüller äußert sich. Eine Gewährleistung des Schulbetriebs trotz Pandemie sei wichtig um die Bildungsungerechtigkeit soweit wie möglich einzudämmen. Es sei wichtig sich dabei an den schwächsten Schülerinnen und Schülern zu orientieren, die im Distanzunterricht am meisten negativ beeinflusst wurden.

++ 13.27 Uhr: "Schule ist nicht nur Unterricht", so Piazolo. Sicherheit der Schüler und Lehrer stehe an erster Stelle. Daher sei die Maskenpflicht eine gute Maßnahme, um Schutz und weiterhin Präsenzunterricht zu bieten.

++ 13.22 Uhr: Reihentestungen für Lehrkräfte laufen bereits. Die Quoten dafür seien bisher "relativ gut". Lehrkräfte, die zur Risikogruppe gehören, werden von "Team-Lehrern" unterstützt. Für Distanzunterricht wurden bayernweite Standards festgelegt.

++ 13.19 Uhr: Unterricht in festen Gruppen, regelmäßig Lüften und gestaffelte Unterricht zählen zu den Maßnahmen. Die Begegnungen unter den Schüler auf den Gängen in den Pausen sollen durch die Staffelung minimiert werden. Auch die Aufstockung der Schulbusse trägt dazu bei.

++ 13.16 Uhr: Erst ab einem Infektionsgeschehen von 50 soll der Unterricht wieder in Stufen stattfinden, wie bereits vor den Sommerferien. Eingeschränkte Unterrichtsausfälle, wie die "Schließung" einzelner Klassen oder Stufen sind möglich. Komplette Schulschließungen seien nicht auszuschließen, aber nur wenn wirklich nötig.

++ 13.14 Uhr: Kultusminister Michael Piazolo übernimmt das Wort: "Die Pandemie nimmt keine Rücksicht auf die Planung der bayerischen Schulen."

++ 13.12 Uhr: Mehr Schulbusse sollen bereitgestellt werden. Die Finanzierung dafür übernimmt der Freistaat.

++ 13.11 Uhr: Digitalisierung an Schulen soll vorangetrieben werden. Technische Mittel wie Laptops und Notebooks werden aufgestockt und an Schüler und Lehrer ausgeliehen.

++ 13.10 Uhr: Weitere Maßnahmen an den Schulen sollen lokal an das Infektionsgeschehen angepasst werden.

++ 13.06 Uhr: Für die ersten neun Schultage ab Schulbeginn gilt eine generelle Maskenpflicht an den Schulen - ausgenommen Grundschulen. Danach gilt sie nur noch in Gebieten mit einem Infektionsgeschehen von über 35 oder wenn die Schule die Maskenpflicht freiwillig beibehalten möchte.

++ 13.04 Uhr: "Die Maske ist besser als Schulausfall": Mögliche Maskenpflicht im Unterricht wurde viel diskutiert. Lüften und Masken seien während des Unterrichts die einzigen möglichen Maßnahmen. 

++13.03 Uhr: Umfangreiche Testungen sollen auch an Schulen durchgeführt werden, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Dabei sollen unter anderem die mobilen Teststationen zum Einsatz kommen.

++ 13.01 Uhr: Vollunterricht stehe vor Distanzunterricht. Nur bei einem sprunghaften Anstieg der Infektionen soll es zum Unterrichtsausfall oder Unterricht von zu Hause kommen.

++ 13.00 Uhr: "Wir wollen keinen zweiten Lockdown", so Söder. Präsenzunterricht und Regelbetrieb sind Priorität.

++ 12.57 Uhr: Der Start ins Schuljahr soll angesichts der steigenden Infektionszahlen mit "großer Umsicht und Vorsicht" angegangen werden.

++ 12.55 Uhr: Ministerpräsident Markus Söder eröffnet die Pressekonferenz.

Ursprüngliche Meldung vom 31.08.2020, 11.10 Uhr: Corona-Regeln an bayerischen Schulen: Söder berät mit Schülern und Lehrern

Beim Corona-Bildungsgipfel soll diskutiert werden, welche Hygieneauflagen notwendig sind, um den Regelbetrieb mit Präsenzunterricht sicherzustellen. In Hinblick darauf wird es wahrscheinlich auch um eine mögliche Maskenpflicht im Unterricht gehen. In Nordrhein-Westfalen wurde eine derartige Regelung für Schüler ab der vierten Klasse bereits kurzzeitig eingeführt. Söder hatte die Maßnahme als einen interessanten Ansatz bezeichnet.

Auch der Umgang mit den erneut steigenden Infektionszahlen muss für den Schulbetrieb in Bayern geklärt werden: Wann sind Schulschließungen notwendig? Wie wird der Unterricht von zu Hause künftig gehandhabt?

Wie bereits Anfang August vom bayerischen Kabinett beschlossen wurde, sind Schulen auch in der neuen Teststrategie des Freistaates inbegriffen. Laut Beschluss soll das Ende der Ferien für die Reihentestung von Schulpersonal genutzt werden. Das neue Schuljahr in Bayern beginnt am 8. September.