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Lehrermangel in Bayern verschärft sich: "Darunter leiden die Kinder"

Zum Ende des ersten Halbjahres verschärft sich der Lehrermangel in Bayern. Doch das Kultusministerium wiegelt ab.
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Eine Schülerin der fünften Klasse am Friedrich-Dessauer-Gymnasium (FDG) in Aschaffenburg hebt im Unterricht den Finger. Zum Ende des ersten Halbjahres verschärft sich der Lehrermangel in Bayern.  Foto: Daniel Karmann/dpa
Eine Schülerin der fünften Klasse am Friedrich-Dessauer-Gymnasium (FDG) in Aschaffenburg hebt im Unterricht den Finger. Zum Ende des ersten Halbjahres verschärft sich der Lehrermangel in Bayern. Foto: Daniel Karmann/dpa

Zum Ende des ersten Schulhalbjahres warnen der Bayerische Elternverband und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) vor einer weiteren Verschärfung des Lehrermangels im Freistaat.

"Die Grund-, Mittel- und Förderschulen leiden nach wie vor unter einem massiven Lehrkräftemangel", sagte Ruth Brenner, Sprecherin der GEW-Landesfachgruppe Grund- und Mittelschulen in Bayern, am Donnerstag. Demnach gehen am Freitag 450 Lehrer an den Grund- und Mittelschulen in den Ruhestand. Die Gewerkschaft bezweifelt, dass alle Stellen neu besetzt werden können. "Jetzt kommen die Pensionierungen und die Krankheitswelle hinzu. Wie das Kultusministerium diese Lücken schließen will, erschließt sich uns nicht."


Permanente Notlösungen


Auch der Elternverband ist in Sorge. "Eltern berichteten uns, dass eben erst gefundene Lösungen für Grundschulklassen mit notdürftig geteilter Klassenleitung nun zum Halbjahr wieder zerstört werden müssen. Darunter leiden die Kinder", sagte Landesvorsitzender Martin Löwe. "Diese permanenten Notlösungen dürfen nicht zur Dauerlösung werden." Es sei höchste Zeit, dass Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) über Notfallmaßnahmen hinaus nun die langfristige Versorgung mit Lehrkräften für die Grund- und Mittelschulen anpacke.

 


Das Ministerium wies die Vorwürfe der GEW zurück. Wie ein Sprecher am Donnerstag mitteilte, werden zum Schulhalbjahr 2017/2018 alle ausscheidenden Lehrkräfte an den Grund- und Mittelschulen ersetzt. "Die GEW sorgt damit völlig unnötig für Verunsicherung", hieß es. Eine angespannte Situation auf dem Markt von Lehrkräften für Grund- und Mittelschulen zeige sich derzeit bundesweit. Dennoch könne Bayern - anders als viele andere Bundesländer - alle Stellen mit ausgebildeten Lehrern besetzen.

 

 


Pensionisten schließen Lücke


Um die Lücken zu schließen, seien freie Bewerber für das Lehramt an Grund- beziehungsweise Mittelschule eingesetzt worden. Zudem habe das Ministerium Realschul- und Gymnasiallehrer, die in ihrer Schulart keine Beschäftigung gefunden haben, angeboten, sich für die Grund- oder Mittelschule zusätzlich zu qualifizieren. Hinzu kämen Lehrer, die aus der Beurlaubung zurückkehren, aber auch Pensionisten, die in einem begrenzten Umfang freiwillig arbeiten.

Viele Schüler in Bayern haben derweil ganz andere Sorgen: Am Freitag gibt es Zwischenzeugnisse. Der Elternverband warnt vor unnötiger Panik. Ein schlechtes Zeugnis sei kein Grund, einem Kind Vorwürfe zu machen, teilte der Verband mit. Gemeinsam mit dem Kind und der Lehrkraft eine Lösung zu finden, sei viel sinnvoller. Landesvorsitzender Löwe rät, zunächst die Anstrengung der Kinder, die sie in jedem Fall erbracht hätten, anzuerkennen. Die Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten sollte später erfolgen.