Bamberg
Abitur 2019

Lehrer macht Mathe-Prüfung - er braucht mehr als einen halben Tag: Abitur zu schwer?

Die Diskussion über das diesjährige Mathe-Abitur hält weiter an. Jetzt ist ein Mathematik-Lehrer das Abitur durchgegangen. Und brauchte dreimal so viel Zeit, wie den Abiturienten zur Verfügung steht.
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Welche Noten stehen bei den diesjährigen Abiturienten im Abschlusszeugnis? Diese Antwort ist deutlich schwerer geworden, klagen doch selbst gute Schüler über das viel zu hohe Niveau der Prüfungen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Welche Noten stehen bei den diesjährigen Abiturienten im Abschlusszeugnis? Diese Antwort ist deutlich schwerer geworden, klagen doch selbst gute Schüler über das viel zu hohe Niveau der Prüfungen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Update vom 09.05.2019, 10.30 Uhr: Mathe-Abitur war "unterrichtsfremd"

Fast eine Woche nachdem bayerische Abiturienten das Mathe-Abitur geschrieben haben, hievt ein ausgebildeter Mathematik-Lehrer die Diskussion auf ein neues Niveau. Hartmut Stäker, Präsident des Brandenburgerischen Pädagogenverbands, ist die Prüfung selbst durchgegangen. Das vermeldet die Berliner Morgenpost mit Verweis auf die Deutsche Presseagentur. "Das Abitur war zu umfangreich, zu unterrichtsfremd und an manchen Stellen bei Fragestellungen ungeschickt formuliert", wird Stäker zitiert.

Er habe die Prüfung selbst durchgeführt und habe 15 Stunden gebraucht, um das Abitur komplett zu bearbeiten. Zur Erklärung: Die Abitur-Prüfungen sind auf fünf Stunden begrenzt. Zwar waren die Prüfungen mit den des bayerischen Abiturs nicht identisch, aber es zeigt das ungefähre Niveau der diesjährigen Abschlussprüfungen. Das ist in zwei Teile aufgeteilt. Teil A enthält Aufgaben aus einem bundesweiten Pool, den die Lehrer am Morgen der Prüfung per Bote bekommen. Teil B hingegen kann im Vorfeld von den Lehrern beeinflusst werden und kann demzufolge variieren.

Update vom 07.05.2019: Bayerisches Kultusministerium will diese Woche Ergebnisse liefern

Gegenüber inFranken.de hat sich das Kultusministerium zum Zeitplan der Überprüfung geäußert: "Voraussichtlich können wir nächste Woche die Ergebnisse veröffentlichen" sagte Günther Schuster, Pressesprecher des Ministeriums. Zudem wurden unserer Redaktion die Aufgaben des Matheabiturs zur Verfügung gestellt.

Update vom 06.05.2019, 18.20 Uhr: Kritik aus zweitem Bundesland

Während in München hinter verschlossenen Türen über die Aufgaben des Mathe-Abiturs vom vergangenen Freitag diskutiert wird, wird auch in Sachsen Kritik an den diesjährigen Prüfungsaufgaben laut. Bayern ist eines von sieben Bundesländern, die sich aus einem gemeinsamen Aufgabenpool bedienten. Zeitgleich und mit ähnlichen Aufgaben wurde das Mathe-Abi in Sachsen, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein geschrieben, wie die Deutsche Presse Agentur berichtet.

Update vom 06.05.2019, 14.40 Uhr: Mathe-Abi-Aufgaben bei Twitter gepostet

Via Twitter wurden Aufgaben der bayerischen Mathe-Abi-Klausuren veröffentlicht. Diese sind insbesondere aus dem Stochastik-Teil.

Update vom 06.05.2019, 07:11 Uhr: Deutscher Lehrerverband sieht keine Anzeichen für zu schweres Mathe-Abitur

Trotz der Schülerproteste gegen die Abiturprüfung in Mathematik sieht der Präsident des Deutschen Lehrerverbands bisher keine Anzeichen dafür, dass die Aufgaben zu schwierig waren. "Im Internet lässt sich Erregung sehr schnell mobilisieren. Deshalb sollten wir abwarten", sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger der "Rhein-Neckar-Zeitung".

In mehreren Bundesländern haben sich Schüler über den Schwierigkeitsgrad der Aufgaben beschwert und mit Online-Petitionen an ihre Kultusministerien gewandt, so in Bayern, Niedersachsen, Bremen, Hamburg und dem Saarland, in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Bis zum Sonntagnachmittag wurden diese von mehr als 60.000 Mitstreitern unterstützt. In Bayern und Niedersachsen kündigten die Kultusministerien an, die Abituraufgaben zu überprüfen.

Meidinger leitet ein Gymnasium im bayerischen Deggendorf und sagte: "Ohne dem endgültigen Bewertungsergebnis vorwegzugreifen: Die Tendenz zeigt für Bayern, die Notenresultate bewegen sich im durchschnittlichen Bereich der Abi-Prüfungen in Mathematik." Wenn es Anzeichen für eine erschwerte Prüfung gebe, müsse man über eine Neubewertung nachdenken. "Aber derzeit gibt es dafür keine Anzeichen."

Ursprüngliche Meldung: Proteste gegen Mathe-Abi in Bayern

War das Mathe-Abi in in Bayern in diesem Jahr zu schwer? So empfinden es zumindest Tausende Schüler: Sie haben online eine Petition gestartet, um das bayerische Kultusministerium zu einer Überprüfung der Aufgaben und eine Anpassung der Benotung zu bewegen. Dies scheint nun erfolgreich zu sein: Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hat eine Überprüfung der Aufgaben angekündigt. "Wir nehmen das natürlich ernst und werden das sorgfältig prüfen", sagte der Minister am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Dies werde auch "zeitnah" geschehen. Bereits an diesem Montag wolle er sich mit den Experten in seinem Ministerium besprechen.

Auch die SPD-Fraktion im bayerischen Landtag solidarisierte sich mit den Schülern und sprach sich dafür aus, die Aufgaben noch einmal gewissenhaft zu prüfen.

Unterstützung kam auch von Seiten der Lehrer: Die Abiturienten im Freistaat hatten nach Ansicht des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) zu wenig Zeit bei der Bewältigung der Prüfungen in Mathematik. Diesen Eindruck hätten mehrere Lehrer gehabt, sagte Verbandspräsidentin Simone Fleischmann am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur in München. Es habe in einem Teil der Prüfung sehr viel, teils auch unnötigen, Text gegeben. "Eklatant viele" Schüler seien deswegen nicht rechtzeitig fertig geworden.

Auf der Seite change.org hatten sich am Samstag, 20.30 Uhr, bereits 29.302 Schüler eingetragen, am Sonntag waren es gegen 14 Uhr fast 42.000. Ihr Vorwurf: Die Aufgaben des Mathematik-Abiturs 2019 seien deutlich schwerer als in den vergangenen Jahren. Zur Begründung heißt es dort:

"In den vergangenen Jahren sank das Leistungsniveau der Abiturprüfungen in Mathematik. 2016 war es anspruchsvoll, 2017 war es machbar, 2018 war es nahezu leicht und 2019 enthielt plötzlich Aufgabenstellungen, die vorher kaum einer gesehen hatte. Vor allem der Geometrie B Teil und der Stochastik B Teil waren so schwer, wie in keiner der vergangenen Abitur Prüfungen.

Wir Abiturienten bitte darum, den Notenschlüssel des Mathematik Abiturs in Bayern 2019 zu senken und dem Schwierigkeitsgrad anzupassen. 2016 gab es diesen Fall in Niedersachsen ebenfalls und der Notenschlüssel wurde angepasst."

Auch in anderen Bundesländern regt sich Protest

Ob die Schüler in Bayern 2019 ebenfalls erfolgreich sein werden, bleibt abzuwarten. Jedoch stehen sie nicht alleine: Auch im angesprochenen Niedersachsen wurde laut NDR heuer wieder eine Petition gestartet. Immerhin: Das Kultusministerium sicherte auch im nördlichen Bundesland eine Überprüfung zu.

Soweit ist man in Bayern noch nicht: Hier sehen sich Schüler sowieso schon häufig benachteiligt. Neben dem Hick-Hack zwischen G9 und G8 unterstellen einige Schüler auch eine systematische Benachteiligung der Bayern: "Während andere Bundesländer ein um einiges simpleres Mathe Abitur bekommen, müssen Schüler in Bayern immer das doppelte und dreifache Leisten! Am Ende werden die Abiture jedoch als gleichwertig gewertet! Das hat mit Chancengleichheit nichts mehr zu tun!!!!!!", begründet ein aufgebrachter Schüler seien Unterschrift auf der Seite der Petition. Und ein anderer merkt an: "Die Schwankungen der Schwierigkeit im Abitur sind nicht gerecht fertigt. Es sollte keine Glückssache sein, welche Note man bekommt - abhängig vom dem Jahr in dem man schreibt."