München
Umfragetief

Landtagswahl Bayern: Die CSU scheitert an sich selbst - ein Kommentar

In Bayern scheint eine Ära zu Ende zu gehen: Die Alleinherrschaft der CSU wackelt und wird die Landtagswahl am 14. Oktober wohl nicht überleben. Woran die CSU scheitert - ein Kommentar.
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In Bayern scheint eine Ära zu Ende zu gehen: Die Alleinherrschaft der CSU wackelt und wird die Landtagswahl am 14. Oktober wohl nicht überleben. Woran die CSU scheitert - ein Kommentar.  Foto: Peter Kneffel/dpa
In Bayern scheint eine Ära zu Ende zu gehen: Die Alleinherrschaft der CSU wackelt und wird die Landtagswahl am 14. Oktober wohl nicht überleben. Woran die CSU scheitert - ein Kommentar. Foto: Peter Kneffel/dpa

Man kann ja fast Mitleid haben mit der CSU: Jahrzehntelang konnte sie buchstäblich machen, was sie wollte - am Ende machte eine Mehrheit der Bayern ihr Kreuz bei den Landtagswahlenbei den Christsozialen. Ob Amigo-Affäre oder persönliche Verfehlungen wie außereheliche Kinder oder Unfälle unter Alkoholeinfluss: Was anderswo Parteien in Krisen stürzt, ließ die bayerischen Wähler nie an der CSU zweifeln. Das "Mia san mia"-Gefühl war einfach zu tief eingegraben in die bajuwarische DNA - vor allem der wirtschaftliche Erfolg schien der CSU recht zu geben.

Ein Hauch von Normalität?

Das ist nun alles anders: In Bayern kommt beinahe das Gefühl eines "normalen" Wahlkampfes auf, um nicht zu sagen, dass es fast schon spannend ist, Umfragen zur bayerischen Landtagswahl zu lesen.

Zwar immer noch nicht wie in anderen Bundesländern, in denen die Frage nach der stärksten Partei gestellt wird, aber die Frage nach der Koalition hat in Bayern ja schon den Ruch einer Revolution.

Bayern ohne Alleinregierung - was ist passiert?

Was der CSU wohl vor allem die absolute Mehrheit kostet, ist ihr Umgang mit dem erstarkenden Rechtspopulismus, dem allgemeinen Rechtsruck in der Gesellschaft. Die CSU hat versucht, auf die Parolen von AfD und Pegida zu reagieren, indem sie deren Forderungen teilweise wörtlich kopiert hat. Doch es zeigt sich, was vielen klar ist, bei den Wahlkampfstrategen der CSU aber wohl nicht angekommen ist: Wähler bevorzugen das Original.

In den Augen liberalerer Wähler macht sich die CSU durch rechtes Gepolter unmöglich und erscheint vielleicht sogar etwas unappetitlich. Das dürfte das Erstarken der Grünen erklären, während die SPD weiter am Boden liegt. Für Wähler rechts der CSU, denen sie ja gerne eine Heimat bieten würde, macht sich die Partei unglaubwürdig, vor allem durch ihre Zusammenarbeit mit der Nemesis der besorgten Bürger - Angela Merkel.

Warum also setzt die CSU weiter auf Gepolter und Populismus? Beim Spiel darum, sich gegenseitig in markigen Sprüchen und beim Dehnen der Tabugrenzen zu überbieten, werden AfD & Co. immer gewinnen. Ist es schlicht Verzweiflung? Ist es wirklich zu glauben, dass die CSU nicht mehr drauf hat an Ideen als bierseliges Stammtischgepolter über "kriminelle Banden", die "unser" Kindergeld einsacken?

Vielleicht dient ja der Tag derLandtagswahl am 14. Oktoberder CSU als Weckruf, damit auch der letzte Wahlkämpfer und kalte Krieger begreift, dass gegen den erstarkenden Rechtsradikalismus nur Fakten helfen. Dass es an der Zeit ist, selbst Themen zu setzen, anstatt sich diese von rechts diktieren zu lassen. Kurzfristig mag es verlockend erscheinen, die "Sorgen und Ängste" zu bedienen, anstatt komplexere, jedoch drängendere Themen anzupacken. Langfristig aber profitieren nur Feinde von Demokratie und Menschlichkeit davon, wenn die Angst regiert und nicht die Vernunft.