In der CSU ist ein Kampf um die Deutungshoheit entbrannt, wie es vor fünf Jahren zum Rücktritt des langjährigen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Edmund Stoiber kam. Erwin Huber und Günther Beckstein, die Stoiber im Jahr 2007 als Parteichef beziehungsweise Minister beerbten, setzten sich am Freitag gegen die Darstellung des heutigen CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer zur Wehr, der Sturz Stoibers sei ein Fehler gewesen. "Die Wörter Fehler und Putsch treffen die Vorgänge absolut nicht", sagte Huber der "Süddeutschen Zeitung". Es schmerze ihn, "wenn hier völlig unzutreffend von Putsch geredet wird", betonte er. Beckstein nannte Seehofers Einschätzung "überflüssig", wie er der "Passauer Neuen Presse" (Samstag) sagte.

Stoiber selbst sagte der "SZ" rückblickend: "Wenn man so lange und eng mit der Partei verbunden ist und spürt, dass manche auf Biegen und Brechen eine Veränderung wollen, dann tat das weh." Zudem betonte er: "Die CSU stand bei meinem Abschied noch hervorragend da." Seehofer selbst hat den Sturz Stoibers schon mehrfach als Fehler kritisiert.

Huber dagegen betonte nun: "Kreuth 2007 hat uns vor der Oppositionsbank gerettet." Wenn es die Fraktionsklausur damals nicht gegeben hätte, "dann wäre wahrscheinlich noch im selben Jahr oder spätestens 2008 die CSU in der Opposition gelandet". Die Opposition habe damals angekündigt, ein Volksbegehren zur Auflösung des Landtags in die Wege zu leiten. "In der CSU war man der Auffassung, das schaffen die", berichtete Huber. Es wäre dann zur Auflösung des Landesparlaments und zu Neuwahlen noch im Jahr 2007 gekommen.

"Es gäbe heute, 2012, keinen Ministerpräsidenten der CSU, keinen Minister der CSU, wenn nicht die Fraktion in einer Ansammlung des gesamten Mutes, in einer Konzentration des Selbsterhaltungstriebes, beschlossen hätte, dem übermächtigen Stoiber ins Antlitz zu sagen, es geht nicht mehr so weiter", betonte Huber in der "SZ" rückblickend.

Sein damaliger Verbündeter Beckstein sprang Huber bei: Die Art und Weise des Wechsels sei "eindeutig von Edmund Stoiber selbst vorgenommen" worden, sagte er der "Passauer Neuen Presse". "Und natürlich sage ich heute, dass die neun Monate Wartezeit für uns nicht ideal waren." Auch die Darstellung Hubers, dass sie beide "in der Loyalität zu Stoiber gestanden" hätten, sei "absolut richtig".

Beckstein riet der CSU gleichzeitig, das Thema nicht weiter zu vertiefen. "Die Vergangenheit sollte man den Historikern überlassen. Politiker sind für die Zukunft zuständig." Stoiber selbst hatte in den vergangenen Monaten den Eindruck erweckt, dass er inzwischen seinen Frieden mit der Partei gemacht hat. Zu seinem 70. Geburtstag wurde er im vergangenen Jahr auch in der CSU-Landtagsfraktion groß gefeiert. dpa