Die Corona-Infektionszahlen sind am langen Wochenende in Bayern auf ein bisher unerreichtes Niveau gestiegen. Das heizt die Diskussion über mehr Auffrischungsimpfungen vor dem Winter an. Vor allem in Südbayern stecken sich derzeit viele Menschen mit dem Virus an. Die Zahl der Geimpften steigt allerdings nur noch langsam. Auf den Intensivstationen in Bayern kämpfen nach Worten von Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) vor allem Ungeimpfte um ihr Leben.

Die Sieben-Tage-Inzidenz lag am Montag (1. November 2021) bayernweit nach Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) bei 248,1 - ein Rekord für den Freistaat. Die bundesweit höchste Inzidenz hatte der Landkreis Mühldorf am Inn mit 654,2. Am Sonntag (31. Oktober 2021) war der vom RKI ermittelte Wert in der Region mit 662,8 so hoch wie noch nie zuvor in einem bayerischen Landkreis.

Corona-Inzidenz in Bayern erreicht Rekordhöhe: Nur noch zwei Städte in Oberfranken unter 100

Der bisherige Höchstwert in einer bayerischen Stadt oder einem Landkreis lag nach einer Auswertung der RKI-Daten durch die Deutsche Presse-Agentur bei 651,1. Er war am 17. Dezember 2020 im Landkreis Regen festgestellt worden.

Die Inzidenz misst die Zahl der erfassten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche. Bayernweit haben nur noch die Städte Bayreuth und Hof eine Inzidenz von unter 100. In sechs Landkreisen liegt der Wert bei mehr als 500.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) forderte angesichts der bundesweit ebenfalls gestiegenen Corona-Zahlen ein Treffen, um vor dem bevorstehenden Regierungswechsel die Corona-Politik von Bund und Ländern genauer abzustimmen. "Wir müssen uns auch über die Drittimpfungen unterhalten, über Kontrollen reden und Maßnahmen gegen das Fälschen von Impfausweisen planen", sagte er der "Bild am Sonntag".

Söder und Holetschek wollen Booster-Impfung für alle

Auch Gesundheitsminister Holetschek warb erneut für die Auffrischungsimpfungen - auch über die "verwundbaren Gruppen" hinaus. "Ich glaube schon, dass wir prüfen müssen, ob nicht jeder eine Auffrischungsimpfung, auch im Sinne einer gesundheitlichen Vorsorge kriegen sollte. Ich würde mir wünschen, dass wir sehr schnell jetzt da noch einmal drauf schauen", sagte er dem Bayerischen Rundfunk. Söder ergänzte: "Die Booster-Impfungen brauchen wir nicht nur für die über 70-Jährigen, sondern für alle."

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums gibt es bei den Infektionszahlen einen gewaltigen Unterschied zwischen Geimpften und Ungeimpften. "Die Sieben-Tage-Inzidenz der Geimpften beträgt in Bayern aktuell 50,9. Bei den Ungeimpften ist der Wert mit 451,5 neunmal so hoch", sagte Holetschek am Sonntag.

Innerhalb von sieben Tagen seien im Freistaat mehr als 480 Menschen mit einer Corona-Infektion neu in Krankenhäuser aufgenommen worden, bei den Hospitalisierungen liege die Inzidenz damit bei rund 3,7. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist wegen des Impffortschritts - mehr als 64 Prozent der Menschen in Bayern sind vollständig geimpft - nicht mehr die entscheidende Größe zur Bemessung des Infektionsgeschehens. Entscheidender ist inzwischen die Hospitalisierungsrate, dargestellt mit der sogenannten Krankenhaus-Ampel. Sie zeigt weiter Grün.

Kabinett soll noch diese Woche über neue Corona-Maßnahmen diskutieren

"Wir werden für Corona-Hotspots, in denen sich die Lage in den Krankenhäusern zuspitzt, am Mittwoch im Kabinett weitere Maßnahmen diskutieren", kündigte Holetschek an. "Wir werden auch über eine bayernweite Maskenpflicht im Unterricht sprechen." Bayerns Lehrerverbände stehen hinter der geplanten Verschärfung. Im Freistaat steigen die Infektionszahlen besonders bei den Schulkindern.

In besonders betroffenen Gegenden in Südbayern gelten seit Montag verschärfte Pandemie-Auflagen. In den Landkreisen Mühldorf am Inn, Altötting, Traunstein, Berchtesgadener Land und Miesbach sowie in Stadt und Landkreis Rosenheim gibt es etwa neue Bestimmungen zur Maskenpflicht und zur Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen.

Die Stadt Nürnberg kommt wegen eines sprunghaften Anstiegs der Infektionszahlen derzeit nicht mit der Bearbeitung hinterher. Es gebe noch Hunderte Sars-CoV-2-Erstfälle sowie Änderungsmeldungen von Samstag und Sonntag, die unbearbeitet seien, teilte die Stadt am Sonntag mit. Es komme daher zu Verzögerungen bei der Kontaktaufnahme mit den Betroffenen.