Der Arbeitgeberverband Pflege schlägt Alarm: In Bayern fehlen bereits heute rund 4000 Pflegefachkräfte. Bis zum Jahr 2020 werde sich die Lücke auf mindestens 10.000 vergrößern, sagte Verbandspräsident Thomas Greiner am Dienstag in München. Aufgrund der hohen Lebenshaltungskosten sei es in München am schwierigsten, geeignetes Personal zu finden.
"Fehlende Fachkräfte führen zu Mängeln in der Qualität", warnte Greiner. Unter der Annahme einer Fluktuation von zwei Prozent würden 2020 sogar 19.000 Pflegefachkräfte fehlen. Der Verbandspräsident appellierte deshalb an die bayerische Staatsregierung, das Schuldgeld für die dreijährige Ausbildung abzuschaffen. "Das ist absolut kontraproduktiv", kritisierte er. Für einen Automechaniker sei es unvorstellbar, für die Ausbildung zu bezahlen. Zudem fordert der Arbeitgeberverband die Anerkennung von Abschlüssen aus anderen EU-Ländern, wo dem Examen meist eine vierjährige Ausbildung vorausgehe, sowie eine schnellere und unbürokratischere Weiterqualifizierung zur Fachkraft für Pflegehilfskräfte. Hilfskräfte, die seit mehreren Jahren im Beruf arbeiten, sollten binnen eines Jahres zur Fachkraft aufsteigen können.
Der Arbeitgeberverband Pflege vertritt seit 2009 die acht größten privaten Pflegeunternehmen in Deutschland und den Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa). 2009 - jüngere Daten liegen nicht vor - gab es in Bayern 1633 stationäre Pflegeheime mit 125.000 Plätzen. Ein Drittel davon wird von privaten Anbietern betrieben.
Auch an ihrem Image müsse die Branche arbeiten, forderte Greiner. Auf Nachrichten über Mängel in Pflegeeinrichtung mit immer mehr Kontrollen zu antworten, sei jedoch der falsche Weg. Der medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) und die Heimaufsicht sollten sich vielmehr zusammentun und gemeinsam transparente und für alle verständliche Berichte verfassen. Der Arbeitgeberverband Pflege hatte seine Mitglieder aufgerufen, gegen die getrennte Begutachtung zu klagen.

Der Bayerische Verwaltungsgerichtshofs (VGH) gab jüngst der Trägerin von zwei stationären Pflegeheimen statt. Behörden dürfen Prüfberichte über Alten- und Behindertenpflegeeinrichtungen demnach nicht veröffentlichen. Zunächst müsse dafür eine gesetzliche Grundlage geschaffen werden (Az.12 CE 11.2685 und 12 CE 11.2700). dpa