Im Alter leben die meisten Menschen in Deutschland im eigenen Zuhause und immer mehr von ihnen sind alleine. Rund 5,9 Millionen Menschen ab 65 Jahren lebten im Jahr 2020 alleine. Das entspricht etwa jeder dritten Person (34 Prozent) in dieser Altersgruppe. Noch vor 20 Jahren waren es 5,1 Millionen Menschen. Das teilte das Statistische Bundesamt mit.

Der Hauptgrund für das Alleinsein bei älteren Menschen ist der Tod des Partners oder der Partnerin. In der Altersgruppe der über 85-Jährigen lebten deutlich mehr als die Hälfte im letzten Jahr alleine. Nur noch gut ein Drittel der Menschen in diesem Alter haben einen Partner oder eine Partnerin an ihrer Seite.

Sozialminister fordern Einsamkeitsgipfel

Bei der Arbeits- und Sozialministerkonferenz Anfang Dezember haben sich die Teilnehmer*innen für einen Einsamkeitsgipfel von Bund und Ländern ausgesprochen. Anja Stahmann, die Sozialsenatorin von Bremen, thematisierte die zunehmende Vereinsamung verschiedener Bevölkerungsgruppen in der Pandemie: "Altersarmut, körperliche und geistige Behinderungen oder schwierige soziale Lebenslagen münden oftmals darin, dass Menschen ihr soziales Leben einschränken oder weitgehend aufgeben". 

Personen, die bereits vor der Pandemie alleine waren, drohen nun, noch mehr zu vereinsamen. Das Ausmaß der Vereinsamung und seine Folgen sollen künftig erfasst und im politischen Handeln berücksichtigt werden - denn "Einsamkeit macht krank", so Anja Stahmann. 

Viele Menschen wollen in ihren eigenen vier Wänden bleiben

Dass Ältere mit Jüngeren zusammenleben, kommt eher selten vor. Das zeigt auch das untenstehende Diagramm. 2020 lebten nur in 6 Prozent aller Haushalte über 65-Jährige gemeinsam mit Jüngeren unter einem Dach. In einem Viertel (25 Prozent) der Haushalte lebten ausschließlich Menschen ab 65 Jahren. Aufgrund der Alterung der Bevölkerung ist diese Zahl deutlich gegenüber dem Jahr 2000 gestiegen. Laut Statistischem Bundesamt betrug diese Steigerung innerhalb der letzten 20 Jahre ganze 29 Prozent. Derzeit gibt es etwa zehn Millionen 65plus-Haushalte in Deutschland.

Die meisten Menschen im hohen Alter ziehen es vor, in ihren eigenen vier Wänden zu bleiben. So lebten letztes Jahr nur vier Prozent der über 65-Jährigen in einer Pflegeeinrichtung, einem Altersheim oder ähnlichen Gemeinschaftsunterkünften. Bei den Hochbetagten ab 85 Jahren ist der Anteil in diesen Einrichtungen zwar schon höher, liegt aber trotzdem nur bei 18 Prozent.

Dennoch wächst die Zahl der Betroffenen, die auf Unterstützung im Alltag angewiesen sind. Vor allem ab dem 80. Lebensjahr trifft das auf immer mehr Personen zu. Unter den 80 bis 84-Jährigen waren zum Jahresende 2019 insgesamt 26 Prozent auf Pflege angewiesen. Bei den über 90-jährigen Menschen lag diese Quote bereits bei 76 Prozent. Innerhalb weniger Jahre steigt die Pflegedürftigkeit also deutlich an. Trotzdem können die meisten in ihrem eigenen Zuhause versorgt werden und müssen dafür nicht in eine spezielle Einrichtung ziehen. Zum Großteil übernehmen die Angehörigen die Pflege der Betroffenen. 

Immer mehr Einpersonenhaushalte in Bayern

In Bayern kann man einen anhaltenden Trend beobachten: Einpersonenhaushalte gewinnen an Bedeutung. Das stellte die Bayerische Staatsregierung fest. Insgesamt wurden die bayerischen Haushalte innerhalb der letzten Jahrzehnte kleiner. 1970 lag die Haushaltsgröße bei 2,83 Personen. Im Jahr 2017 hat sich der Wert auf 2,03 reduziert.

Der Anteil der Einpersonenhaushalte ist damit im Zeitraum von 1970 bis 2017 von 25 Prozent auf 42 Prozent gestiegen. Wie groß die Haushalte in Bayern sind, veranschaulicht die Grafik unten.

Im Jahr 2017 bestanden 42 Prozent aller bayerischen Haushalte aus einer Person. Danach folgten die 2-Personen-Haushalte mit 32 Prozent. Einen deutlich geringeren Anteil machten die 3-Personen-Haushalte aus (12 Prozent). Insgesamt 10 Prozent der Haushalte in Bayern bestanden aus 4 Personen und nur 4 Prozent aus fünf Personen oder mehr.

Viele Einpersonenhaushalte in Großstädten

Besonders in bayerischen Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohner*innen ist der Anteil der Einpersonenhaushalte sehr hoch. 53 Prozent und damit jeder zweite der Großstädter lebten 2017 alleine. In Gemeinden mit weniger als 5.000 Bewohner*innen ist dieser Anteil mit 33 Prozent deutlich niedriger. Auch in den bayerischen Haushalten leben tendenziell eher ältere Menschen alleine. 28 Prozent der Alleinlebenden waren 2017 jünger als 35 Jahre. Ganze 39 Prozent hatten das 60. Lebensjahr bereits vollendet.

Für viele Menschen ist die Weihnachtszeit die schlimmste Zeit, alleine zu sein. Vor allem Senioren und Seniorinnen - welche die letzten Jahrzehnte Weihnachten mit der Familie verbracht haben und dies nun aus verschiedenen Gründen nicht mehr können - fühlen sich an Weihnachten einsam. Wer unter dem Alleinsein leidet und das Bedürfnis nach Kontakt hat, kann zum Beispiel auf telefonische Angebote zurückgreifen. Zur Verfügung steht hierbei beispielsweise das Silbernetz oder auch die Telefonseelsorge.