Am 17. Juni hat das Oberlandesgericht Dresden entschieden, dass die Sparkasse Zwickau Kunden mit langfristigen Sparverträgen Zinsen nachzahlen muss, berichtet Biallo. Der Beschluss ist noch nicht rechtskräftig. Das Gericht hat die Revision zum Bundesgerichtshof zugelassen.

Aus dem Beschluss des Oberlandesgerichts geht hervor, dass die über die Vertragslaufzeit nicht korrekt gezahlten Zinsen monatlich angepasst werden müssen, da die Klauseln in den betroffenen Prämiensparverträgen unwirksam sind. Die Ansprüche der Kunden sind noch nicht verjährt. "Wir freuen uns, dass das OLG mit dem heutigen Urteil unserer Rechtsauffassung erneut im Wesentlichen gefolgt ist", sagt Andreas Eichhorst, Vorstand der Verbraucherzentrale Sachsen.

Sparkasse lockt mit "Extra-Prämie" für freiwillige Kündigung

Ein Prämiensparvertrag ist eine besondere Form des Sparbuchs, bei der neben dem Sparzins aufgrund einer Prämienauslosung auch eine Sparprämie gezahlt wird.

Mit "Extra-Prämien" lockte Ende 2019 die Sparkasse Bodensee Verbraucher, freiwillig den Sparvertrag zu kündigen. Verbraucherschützer kritisierten daran, dass Kunden nicht darüber aufgeklärt worden seien, wie hoch die Prämie ausfallen würde, wenn der Vertrag einfach weiterlaufe. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg fordert, dass getäuschte Kunden die Vertragsauflösung anfechten können.

Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale erklärt: "Wir fordern die Sparkasse auf, jetzt alle von der Vertragsauflösung betroffenen Kunden nachträglich darüber aufzuklären, welche Prämiensumme ihnen entgangen ist und ihnen anzubieten, die Vertragsauflösung rückgängig zu machen". Denn es geht um eine Summe von mehreren Tausend Euro, die Kunden an Zinsen verlieren, wenn sie das Angebot annehmen. Einem konkreten Kunden könnten sogar mehr als 20.000 Euro entgehen.

70 Sparkassen kündigen Verträge: Bayern mit höchstem Wert

Im Jahr 2019 haben 70 Sparkassen Prämienkunden eine Kündigung geschickt - davon sind 34 aus Bayern. Im Jahr 2020 hat sich die Zahl in Bayern sogar auf 50 erhöht. Niedersachsen folgt mit 19, Nordrheinwestfalen mit 17 Sparkassen, insgesamt seien über 320.000 Verträge gekündigt worden. Allerdings ist die Dunkelziffer deutlich höher, da viele Sparkassen ihre Zahl der Kündigung nicht offenlegen wollte.

Noch mehr sparen ab Juli 2020.

Die Bankfilialen begründen die Kündigungen meist damit, dass solche Altverträge in der aktuellen Zinslandschaft wirtschaftlich nicht mehr tragfähig seien