• Horror-Prognose für Bayern: Das Wetter im Freistaat wird immer extremer, so der aktuelle Klimareport
  • Ohne Klimaschutzmaßnahmen drohen schlimme Folgen aufgrund der Erderwärmung
  • Positive Auswirkungen auf bayerisches Klima bei Einhaltung des Pariser Klimaabkommens
  • Umweltpolitiker fordern schärfere Klimaschutzmaßnahmen

Der Klimawandel ist längst kein Thema der Zukunft mehr, sondern bittere Realität. Auch in Bayern kann man die Folgen schon spüren: höhere Temperaturen, die daraus resultierende Trockenheit und andere extreme Wetterphänomene wie Hagel und Starkregen. Vieles spricht dafür, dass sich die Lage bis 2100 noch verschlimmern dürfte. Ohne wirksame Klimaschutzmaßnahmen droht Bayern bis zum Jahr 2100 ein Anstieg der Durchschnittstemperatur von bis zu 4,8 Grad Celsius. Zu diesem Ergebnis kommt der am Mittwoch in München vorgestellte Klimareport 2021, der die bisherige Prognose aus dem Jahr 2015 um 0.3 Grad nach oben korrigiert. Bisher war ein derart rapider Anstieg des Klimas noch nicht errechnet. Voraussetzung für das Eintreffen dieser Prognose sei, dass keine Klimaschutzmaßnahmen ergriffen werden. Referenzzeitraum in dem 196 Seiten umfassenden Bericht ist die Spanne von 1971 bis 2000.

Klimawandel in Bayern deutlich zu spüren: "Klimapolitisches Totalversagen"

Aber nicht nur die mittlere Temperatur im Freistaat wird sich - in unterschiedlicher regionaler Prägung - in den kommenden 79 Jahren massiv verändern. So könnten pro Jahr bis zu 36 weitere Hitzetage hinzukommen. Hitzetage sind Tage mit einer Temperatur von mindestens 30 Grad Celsius. Zum Vergleich: Zwischen 1971 und 2000 gab es gerade einmal vier Hitzetage pro Jahr. Auch kühle Nächte dürften seltener werden. Der Bericht rechnet damit, dass bis zu 18 Tropennächte mit einer Temperatur über 20 Grad Celsius in Bayern möglich sind.

Doch der Klimawandel kann laut Bericht noch abgemildert werden. Sollte das Pariser Klimaabkommen weltweit erfolgreich umgesetzt werden, würde die Temperatur in Bayern spätestens ab 2050 nicht mehr nennenswert steigen. Im Mittel sagen die Experten dann ein Plus von 1,1 Grad Celsius bis zum Ende dieses Jahrhunderts voraus. Das Erreichen der gesetzten Klimaziele zeigt sich anhand dieser Zahlen als noch wichtiger, als es bisher erwartet wurde.

Ohne Gegenmaßnahmen prophezeit der Bericht ferner, dass sich zwar die Gesamt-Regenmenge in Zukunft kaum ändert, Niederschläge aber nicht mehr so gleichmäßig verteilt über das Jahr fallen. Dadurch drohen - wie in den vergangenen Jahren - längere Trockenperioden sowie häufigere und intensivere Starkregenereignisse mit Hochwasser im ganzen Land. Wegen des Starkregens drohe zudem die Abschwemmung wertvoller Böden. Die Bodenerosion könnte sich gar verdreifachen. Dies wiederum verdeutlicht eine immer größer werdende Herausforderung für die Landwirtschaft, die auf die nährstoffreichen Böden angewiesen ist. 

Politiker rufen zu verschärften Klimaschutzmaßnahmen auf

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) sieht im Report eine Bestätigung für das Ziel, den Freistaat bis spätestens 2050 klimaneutral aufzustellen: "Wir sind herausgefordert, das Thema mit ganzer Kraft anzugehen. Der Klimareport lässt aufhorchen." Die neue Dynamik des Wandels beunruhige ihn. Denn zur Wahrheit gehöre, dass der Lebensstil mit hohen CO2-Emissionen in Deutschland und auch in Bayern ein wichtiger Faktor für den Klimawandel sei.

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Als Reaktion auf die neue Dynamik müssten die Klimaschutz-Ziele in Bayern nochmals "nach oben geschraubt werden", betonte Glauber und kündigte ein Klima-Paket II an. Neue Schwerpunkte seien die Bereiche natürlicher Klimaschutz – wie etwa Schutz der Moore, kommunaler und internationaler Klimaschutz sowie erneuerbare Energien. Bayern werde künftig seine Klimaziele auch analog zum Bund nach oben korrigieren.

Noch immer gebe es Menschen, die den Klimawandel leugnen, so Glauber. Hier würden die Fakten aber eine klare Sprache sprechen. Jedes Jahr, in dem nicht gegengesteuert werde, verschärfe die Herausforderung für kommende Generationen. Wie in der Corona-Krise müsse in der Klimapolitik der Gesundheitsschutz Priorität haben. Die Corona-Pandemie und der Klimawandel sind insofern zu vergleichen, da beide eine unsichtbare Bedrohung für die Gesundheit der deutschen Bürger darstellen.

Politiker priorisieren Naturschutz und erneuerbare Energien

Das im vergangenen Jahr von CSU und Freien Wählern durch den Landtag gebrachte bayerische Klimaschutzgesetz verzichtet auf klar definierte Verbote zur Reduzierung der Emissionen des Klimakillers Kohlendioxid (CO2). Zur Erreichung des Ziels, Klimaneutralität bis 2050, setzt es auf die freiwillige Umsetzung eines 96 Punkte umfassenden Maßnahmenkatalogs, der etwa eine massive Aufforstung oder den Schutz von Mooren umfasst. Kritiker sehen das Gesetz daher als nutzlos an.

 

Die Opposition im Landtag reagierte alarmiert auf die neuen Klimaprognosen. SPD-Umweltpolitiker Florian von Brunn sprach von einer "Horror-Prognose", die das "klimapolitische Totalversagen" der Staatsregierung offenlege. Seit 2005 sei nicht die geringste Reduzierung von Treibhausgasen erreicht worden.

Auch Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann warf der Regierung Versagen vor. CSU und Freie Wähler würden ihre Vorbildfunktion nicht annehmen. "Es werden weiter Wälder im staatlichen Besitz für Gewerbegebiete gerodet, Moore werden trockengelegt, auf den Schuldächern und anderen öffentlichen Gebäuden haben wir weiter keine Photovoltaikanlagen – dieser Versäumnisbericht ließe sich endlos fortsetzen."

Etablieren der Windkraft soll der Klimakrise entgegenwirken: Politiker fordern schwächere Auflagen

Der klimapolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Christoph Skutella, forderte finanzielle Hilfen für die Kommunen, damit diese sich auf die Klimaveränderungen vorbereiten könnten. Zugleich müsse Bayern sich auch international mehr für den Schutz engagieren.

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"Herzkammer der Klimaneutralität ist die dezentrale Versorgung mit erneuerbaren Energien", sagte Glauber. Dafür sei die Ausstattung staatlicher Gebäude mit Photovoltaik-Anlagen ab 2022 unverzichtbar. Auch auf gewerblichen und privaten Dachflächen müssten für die Zukunft deutlich mehr Anlagen gebaut werden.

Zugleich betonte Glauber, dass die Energiewende ohne mehr Windkraft in Bayern nicht erfolgreich zu meistern sei. Die von der CSU 2018 verankerte 10-H-Regel zu Mindestabständen beim Bau von Windrädern zu Wohnhäusern halte er für falsch, da sie den Ausbau auf null bremse - er sei aber an den Koalitionsvertrag gebunden. In Zukunft werde es wegen der immer dramatischeren Folgen des Klimawandels keine Kritik an Windrädern aus optischen Gründen mehr geben.

Deutscher Wetterdienst sagt Extremereignisse für Bayern voraus

Tobias Fuchs, Leiter des Geschäftsbereichs Klima und Umwelt des Deutschen Wetterdienstes betonte, dass die vergangenen drei Jahre deutlich zu trocken gewesen seien, zugleich wurden Hitzerekorde registriert. "Für die Zukunft sind die Niederschlagsmengen mit ihren Auswirkungen entscheidend." In der Folge sei mit einer Zunahme von Extremereignissen wie die Sturzflut in Simbach am Inn 2016 oder wie die Dauerschneefälle 2019 zu rechnen. Klar sei aber auch, dass im Winter Skifahren nur noch in Höhenlagen möglich sein werde.

Der Klimareport 2021 enthält alle relevanten Zahlen und Fakten rund um den Klimawandel in Bayern. Er schreibt den Report aus dem Jahr 2015 fort, dieser ging für Bayern im Jahr 2100 noch von einer Maximaltemperatur von bis zu 4,5 Grad Celsius aus.

 

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