Hochwasser haben auch in Bayern zu immensen Schäden geführt - und die Lage ist weiter kritisch. Am Wochenende trafen die Wassermassen vor allem die Urlaubsregion um den Königssee im Berchtesgadener Land. Dort galt am Sonntag der Katastrophenfall. Zwei Menschen starben. In Niederbayern stiegen derweil in Passau die Pegelstände von Donau und Inn. Hier wurde mit der höchsten Hochwasserwarnstufe gerechnet. Uferpromenade und Parkplätze wurden überflutet.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sicherte den vom Hochwasser betroffenen Menschen Hilfe und Unterstützung zu. «Wir lassen da niemanden allein, ganz sicher nicht», sagte er bei einem Besuch mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) in Schönau am Königssee. Unabhängig von in Aussicht gestellten Hilfen des Bundes werde man auch in Bayern überlegen, wie man helfen könne.

Hochwasser in Bayern: Zwei Menschen kamen ums Leben 

Sintflutartige Regenfälle hatten am Samstagabend im Süden des Landkreises Berchtesgadener Land den Fluss Ache über die Ufer treten und Hänge abrutschen lassen. Zwei Menschen kamen ums Leben. Ein Opfer starb nach Angaben von Landrat Bernhard Kern (CSU) an einer natürlichen Ursache. Ein Zusammenhang mit dem Unwetter sei aber nicht ausgeschlossen.

Die Einsatzkräfte mussten zahlreiche Menschen aus ihren Häusern holen. In Schönau am Königssee drohte ein Hangabrutsch. Dort wurden schon von Samstag auf Sonntag rund 135 Menschen in Sicherheit gebracht. Weitere Evakuierungen gab es am Sonntag. Die Schulen sollten am Montag geschlossen bleiben. Der Bahnverkehr zwischen Bad Reichenhall und Berchtesgaden wurde komplett eingestellt. Die bekannte Bob- und Rodelbahn am Königssee wurde durch das schwere Unwetter zerstört.

Rund 900 Hilfskräfte waren in Berchtesgaden, Bischofswiesen, Schönau am Königssee, Marktschellenberg und Ramsau im Einsatz. Hunderte Male mussten sie bisher ausrücken.

DWD warnt bis in den Montag hinein 

Mehrere Bahnstrecken wurden auch in anderen Teilen von Oberbayern gesperrt, Straßen sind blockiert. Der Schaden lässt sich nach Angaben von Kern noch nicht abschätzen. Dieser gehe aber in die Millionen, sagte er.

Die Hochwasserlage im Süden und Osten Bayerns bleibt bis in den Montag hinein angespannt. Zwar sollten sich die Niederschläge vielerorts bis in die frühen Abendstunden abschwächen, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Sonntagnachmittag mitteilte. In den betroffenen Regionen sei aber lokal noch mit weiterem Starkregen zu rechnen. Extreme Sturzfluten seien nicht ausgeschlossen.

Besonders in Passau sollten die Wasserstände dem DWD zufolge weiter steigen. Die maximalen Werte würden für die Nacht erwartet. Es könne knapp die höchste Meldestufe vier erreicht werden, derzeit bestehe Stufe drei. Es könnte damit größere Überschwemmungen in bebauten Gebieten geben.

Auch an der Isar drohen Überschwemmungen

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) machte sich am Sonntag ein Bild von der Lage in Neuhaus am Inn und Passau. Mit Blick auf die Schäden in ganz Deutschland forderte er nach einer Mitteilung seines Ministeriums einen nationalen Wiederaufbaufonds in Milliardenhöhe.

Meldestufe drei erreichten auch Flüsse in anderen Regionen wie in Oberbayern die Salzach im Raum Burghausen (Landkreis Altötting) und die Loisach bei Eschenlohe im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Es drohten auch in München an der Isar und im Landkreis Altötting Überschwemmungen. In Passau schleppte die Polizei Autos ab, die die Besitzer trotz Hochwasserwarnungen nicht umgeparkt hatten. Anwohner brachten Hochwassersperren an ihren Grundstücken an. Straßen wurden gesperrt. Die Donau sollte hier die Marke von acht Metern übersteigen.

Auch in Österreich blieb die Hochwasserlage am Sonntag angespannt. Wassermassen hatten am Samstagabend Teile der Altstadt von Hallein nahe Salzburg an der bayerischen Grenze überflutet. Dutzende Bewohnerinnen und Bewohner mussten am Sonntag vorsorglich ihre Wohnungen verlassen. Auch in Kufstein in Tirol standen Teile der Stadt unter Wasser.

Unfall mit Rettern in Berchtesgaden

Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) sind beim Einsatz im Flutgebiet von Berchtesgaden mit ihrem Lastwagen verunglückt. Vier Menschen wurden zum Teil schwer verletzt, wie das Bayerische Rote Kreuz am Sonntag mitteilte. Der Wagen sei mit Sandsäcken beladen gewesen und auf der Salzbergstraße (B319) bergab auf die Gegenfahrbahn geraten und mit einem Auto zusammengestoßen. Dabei überschlug sich der Laster.

Den Ermittlungen der Polizei zufolge war der 42-jährige THW-Fahrer zusammen mit seinem 25-jährigen Beifahrer unterwegs. In dem anderen Unfallauto saß ein Urlauber-Ehepaar aus der Oberpfalz. Die Polizei vermutete, dass möglicherweise die Bremsen des Lasters heiß gelaufen waren. Die beiden THW-Helfer wurden schwer bis mittelschwer verletzt, das Ehepaar nur leicht.

Zudem musste die Wasserwacht mehrere gestrandete Wanderer retten, die wegen des Hochwasser nicht mehr weiterkamen, da die Fähren auf dem Königssee nicht mehr fuhren.