Die Unterarme von Jörg Schnepper vibrieren. An einem eisernen Lenkrad steuert er den Hobel an der Fasswand entlang. Das Holzfass rotiert dabei um die eigene Achse. Jörg Schnepper ist Schäffler, so heißen die Fassbauer in München. Einer der letzten, die es in München noch gibt. "Bei der vorletzten Schäfflerei habe ich gelernt, jetzt arbeite ich in der letzen", sagt er und grinst. Dann schaut er wieder den Stahlarm entlang, an dem der Hobel hängt. Die Klinge zerrt und zieht, Jörg Schnepper steuert dagegen.

Zwischen sechs und sieben Stunden dauert es, bis eines der hölzernen 200-Liter-Bierfässer gebaut ist. Leer getrunken ist es auf dem Oktoberfest später in nicht einmal 20 Minuten.

Hirsch, sagt Jörg Schnepper zum 200-Liter-Fass. Hirsch, weil König Ludwig I seiner Jagdgesellschaft immer ein Fass Bier spendierte. "Und das größte transportable Bierfass war halt das 200-Liter Fass", erzählt der Schäffler. Dann verschlucken die Hammerschläge seine Erzählung. Die Kollegen treiben Eisenreifen über die Fasswände - wieder von Hand. Es gibt dafür keine Maschine. Natürlich sei der Fassbau ein großer Aufwand, sagt Jörg Schnepper.



Gerade hat die Fassfabrik Schmid 200 Hirschen für die Wiesn geliefert und der Schäffler weiß, woher die Nachfrage kommt. "Das Bier aus dem Holzfass ist einfach süffiger und schmeckt besser."

Eine Fotoreportage aus der letzten Fassfabrik Münchens lesen Sie am Samstag im Fränkischen Sonntag.