Mit einem 10-Punkte-Plan preschte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder am Sonntag vor - im Kampf gegen die Corona-Pandemie sollen schärfere Maßnahmen endlich den erhofften Erfolg bringen und zu einem Sinken der Infektionszahlen führen. Am Dienstag nun soll der Landtag die Maßnahmen absegnen. Doch nicht alle CSU-Politiker sind einverstanden.

Der Münchner Stadtrat und Arzt Hans Theiss machte nun seinen Ärger auf Facebook Luft.  "Ich habe bisher aus parteiinterner Loyalität geschwiegen, aber was zu viel ist, ist zu viel", so der Kardiologe auf seiner Facebook-Seite. Verharmlosen will er das Virus dabei aber keineswegs:  Covid-19 sei eine ernstzunehmende Krankheit und jeder Tote "einer zu viel". Aber: "im Kampf gegen Corona brauchen wir weniger Herrenchiemsee und mehr Ehrlichkeit bzw. politische Treffsicherheit."

Direkte Kritik und deutliche Worte in Richtung Markus Söder 

Theiss macht seine Kritik an fünf Punkten fest. So seien erstens Infektionswellen in Altenheimen "Haupttreiber der Covid-Mortalität". Trotzdem, kritisiert Theiss, gäbe es bis jetzt keine schlüssigen Sicherheitskonzepte für Pflegeeinrichtungen. Zudem sei zweitens zu wenig getan worden, um die Zahl der(Intensiv-)Pflegekräfte zu erhöhen. Es reiche eben nicht, einfach mehr Beatmungsgeräte zu kaufen. "Hier müsste viel mehr investiert werden", so Theiss.

Kritisch sieht der Arzt auch die Corona-Warnapp. Es könne nicht sein, drittens, dass 75 Prozent der Infektionsketten nicht nachvollzogen werden könnten. Auch die Gesundheitsämter hätten hier besser unterstützt werden müssen. 

Stattdessen würden die jetzigen Maßnahmen zu weiteren Problemen führen: Menschen ausgerechnet zur Weihnachtszeit weiter zu isolieren, sei "herz- und einfallslos", so Theiss, der Söder hier direkt angreift: "Hier schießt Du weit über das Ziel hinaus".

Er habe, so Theiss weiter, außerdem "nach wie vor den Eindruck, dass mehr Menschen durch als an Corona sterben." So würden notwendige Behandlungen verschoben, weil die Menschen Angst hätten, zum Arzt oder in die Apotheke zu gehen.  "Angst(macherei) vor Corona führt leider auch dazu, dass viele ärztliche Behandlungen zu spät kommen", so der Mediziner aus München.

"Wir müssen in der Coronapolitik besser, differenzierter und einfallsreicher werden - AHA alleine reicht nicht", schließt der Stadtrat. 

 

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