Garmisch-Partenkirchen
Zahnarzt

Bayerische Zahnärztin nennt Praxis "Fotznspanglerei" - Wirbel um Namen

Der Name einer bayerischen Zahnarztpraxis sorgt für Diskussionen. "Fotznspanglerei" heißt die Praxis von Petra Volz. Feministen kritisieren sie dafür. Sprachexperten feiern sie. Auch der fränkische Dialekt bietet viel Potenzial für Streitpunkte.
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Petra Volz betreibt eine Zahnarztpraxis in Garmisch-Partenkirchen mit dem Namen "Fotznspanglerei". Screenshot: Instagram/fotznspanglerei_zahnarzt
Petra Volz betreibt eine Zahnarztpraxis in Garmisch-Partenkirchen mit dem Namen "Fotznspanglerei". Screenshot: Instagram/fotznspanglerei_zahnarzt
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  • Bayerische Zahnarztpraxis heißt "Fotznspanglerei"
  • "Bund Bairische Sprache" mit Lob
  • Zahnärztin will Besuch in Praxis auflockern
  • Patienten teilweise empört

Um Zahnärztin Petra Volz aus dem bayerischen Garmisch-Partenkirchen (Oberbayern) gibt es aktuell Wirbel: Sie hat ihre Praxis "Fotznspanglerei" genannt - ein Name, der zunächst etwas derb erscheint. Auch Volz selbst nennt sich "Fotznspanglerin", statt Zahnärztin. Anfang 2019 übernahm sie die Praxis in der Chamonixstraße. Sie habe als Kind selbst Angst vor dem Zahnarztbesuch gehabt, deswegen habe sie sich gemeinsam mit ihrem Mann überlegt, wie man die Außenwirkung verändern könne, so Volz im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk.

 

Zahnarztpraxis "Fotznspanglerei" beweist Mut

"Wir haben natürlich gewusst, dass die Idee ein bisschen provozieren könnte, aber dass das solche Wellen schlägt, hätten wir uns nicht erträumt", erklärt Ehemann Alexander Volz dem BR. Damit spielt er auf Reaktionen an, die die "Fotznspanglerei" via Facebook erreicht haben. In den sozialen Netzwerken wechselt sich allgemeine Belustigung über den Praxisnamen mit Aufmunterungsversuchen, den Mut nicht zu verlieren, ab.

Hintergrund sind einige Patienten, die den Namen der Praxis zum Anlass genommen haben, den Zahnarzt zu wechseln. Das berichtet der Münchner Merkur. Eine Patientin soll sich besonders echauffiert haben: Sie prangerte demnach an, dass das "F-Wort" "negative Assoziationen" wecke und "herabwürdigend" sei. Das Wort "Fotzn" ist zentraler Bestandteil der Empörung - in der Praxis und auf Facebook. Feminismus-Vertreter regten sich über die Vulgarität des Begriffs "Fotze" auf, der eine abfällig Bezeichnung für das primäre weibliche Geschlechtsorgan darstellt. "Fotzn" ist allerdings ein bayerischer Begriff, der verschiedene Bedeutungen hat: Ohrfeige, Gesicht, Maul oder Mund beispielsweise.

 

 

In die Debatte um den sprachlichen Gebrauch des Wortes "Fotzn" mischt sich nun der "Bund Bairische Sprache" ein. Der Verein hat sich der "Förderung und der Erhaltung der bairischen Hochsprache und ihrer Dialekte als Kulturgut" verschrieben. Via Facebook veröffentliche der Bund ein Statement: "Respekt verdient eine junge Zahnärztin, die in Garmisch-Partenkirchen eine Praxis eröffnet hat, welche sich offiziell 'Fotznspanglerei' nennt. Die ironische Bezeichnung verweist auf eine ernst gemeinte Ausrichtung der Praxis am Regionalitätsdenken, betont die Verbundenheit mit der bairischen Sprache und unterstreicht den Aspekt des Handwerklichen in der Zahnmedizin."

 

Experte begeistert: Lob für kreative Namensgebung

Sepp Obermeier ist Mitglied im "Bund Bairischer Sprache" und Sprachforscher zu gleich. Er findet im Gespräch mit dem BR nur lobende Worte für Petra Volz: "Im Gegensatz zu pseudobairischen Wortgebilden, die die Welt nicht braucht, wie zum Beispiel den "Hendlfriedhof", die "Wampe", ist die Benennung einer Zahnarztpraxis als "Fotznspanglerei" ein mutiges Bekenntnis zu zahnheilkundlicher Bandbreite und handwerklichem Können, da man mit akademischem Fachjargon allein den "Wehdam" (Zahnschmerz) nicht lindern kann!"

Die "Fotznspanglerei" selbst meldet sich auf der eigenen Homepage zur Debatte zu Wort und erklärt den Begriff: "Dialekte unterscheiden sich von der Hochsprache nicht nur durch andere Aussprache oder Betonung der selben Wörter sondern oftmals durch ganz unterschiedliche Wörter einen gleichen Begriff. Für die hochdeutsche Bezeichnung "Zahnarzt" gibt es in den Dialekten verschiedene andere Namen. Der Begriff Fotznspangler bezeichnet den Zahnarzt im Bairischen. Manchmal ist auch der Kieferorthopäde damit gemeint. In der Berliner Region kennt man den Zahnklemptner. Das Plattdeutsche kennt den Kusendoktor als Bezeichnung für den Zahnarzt. Der öffentliche kaum bekannte Begriff Nepferizupfer beschreibt den Zahnarzt in der jenischen Sprache, die in Schillingsfürst noch gepflegt wird." Im weiteren Verlauf bittet die Praxis sogar darum, weitere Dialektsynonyme für "Zahnarzt" per Mail an die Praxis zu schicken.

Werbespot der "Fotznspanglerei": Zahnarztpraxis geht offen mit Debatte um

 

Auch in Franken gibt es zahlreiche Unterschiede beim Dialekt. In unserer Facebook-Rubrik "Fränkisch zum Teilen" herrscht oft eine Diskussion darüber, dass bestimmte Dialektbegriffe nur in bestimmten Regionen verwendet werden. Das Endstück von Brot ist ein Beispiel dafür: "Köpperla", "Grüstla", "Kanten", "Deggele" - und noch viele weitere Vorschläge sind in den Kommentaren zu finden.

 

 

Themen rund um Essen weisen regionale Unterschiede auf - ein weiteres Beispiel: Kartoffelsalat. In diesem Fall ging es in der Diskussion auf Facebook um die Schreibweise. Einige Beispiele dafür sind "Kaddofflsalood", "Erpfelsalod" oder "Bodaggnsalod".

 

Redewendungen sind ebenfalls beliebt. Die Schreibweise von "des is ghubbfd wie gschbrunga" veranschaulicht deutlich, wie weit die regionalen Unterschiede auseinander klaffen.

 

Im Video: So schimpft man auf fränkisch

 

Zuletzt hat es in einem Kindergarten einen Eklat gegeben: Hat eine Erzieherin einem Mädchen verboten Dialekt zu verwenden?

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