Die Justiz in Brescia in Norditalien will einen der beiden bayerischen Verdächtigen im Fall des tödlichen Bootsunglücks auf dem Gardasee mit einem europäischen Haftbefehl zurückholen. Italienische Medien hatten am Samstag darüber berichtet, dass die Staatsanwaltschaft die Gefahr sieht, dass der Münchner vor einer Verurteilung fliehen könnte. Der Ermittlungsrichter gab demzufolge schon grünes Licht dafür. Es soll sich laut Deutscher Presseagentur (dpa) um den 52 Jahre alten Münchner handeln, der das Boot gesteuert hatte.

Das Motorboot mit den Bayern war Ermittlungen zufolge in der Nacht von Samstag (19. Juni 2021) auf Sonntag mit einem Kahn kollidiert, in dem ein italienisches Pärchen aus der Region um Salò, am Westufer des Gardasees, saß. Am Tag darauf hatte ein Mann dann das kleine Boot mit dem toten 37-Jährigen darin entdeckt. Stunden später bargen Taucher auch die 25 Jahre alte Frau tot aus dem Gardasee. Nach ersten Erkenntnissen der Rechtsmediziner war sie nach dem Crash ertrunken. 

Münchner rammt am Gardasee Boot - Pärchen stirbt: War er betrunken?

Das Video einer Überwachungskamera, mutmaßlich aus der Tatnacht, hatte für heftige Empörung gesorgt. Darauf soll laut dpa zu sehen gewesen sein, wie einer der beiden Münchner beim Anlegen in einem Hafen ins Wasser fiel. Sein Anwalt gab an, der Mann sei durch ein "abruptes Manöver" ausgerutscht.

Einige Medien mutmaßten hingegen, dass er betrunken war. Er soll auch derjenige gewesen sein, der einen Alkoholtest nach dem Crash verweigert hatte. Die beiden Münchner hatten später angegeben, den Zusammenprall nicht bemerkt zu haben, wie es aus dem Büro ihres Anwalts hieß. Einer der beiden machte einen Alkoholtest, der negativ ausfiel.

Den Medienberichten zufolge müssen nun Gerichte in München prüfen, wie sie weiter damit verfahren. Nach dem Horror-Crash vor rund zwei Wochen durften die beiden 52-Jährigen nach München zurückkehren. Dies sei auch rechtens gewesen, hatte damals ihr Anwalt in Italien erklärt.

Nach Horror-Crash am Gardasee: Münchner sollen einfach weitergefahren sein 

Die Staatsanwaltschaft in Italien ermittelt gegen die Bayern wegen Totschlags und unterlassener Hilfeleistung. Sie sollen nach dem Zusammenstoß einfach weitergefahren sein, ohne dem Pärchen zu helfen. Die Familien der Opfer forderten Maßnahmen gegen sie, wie unter Berufung auf die Anwältinnen der Familien berichtet wurde.

Juristinnen begrüßten den Erlass des europäischen Haftbefehls und sagten der Nachrichtenagentur Ansa, er sei eine "wirksame Antwort auf das verantwortungslose Verhalten" der beiden Bayern am Gardasee.