Am Mittwochabend (10.06.2020) entdeckte ein Bundespolizist auf dem Weg zur Arbeit eine Frau ohne den vorgeschriebenen Mund-Nasen-Schutz in der S-Bahn in München. Der Beamte sprach die 21-Jährige darauf an und sie zeigt ihm ein ärztliches Attest, das sie angeblich von der Maskenpflicht befreit - eine Fälschung, wie die Bundespolizeiinspektion München nun berichtet.

Die Frau aus dem oberfränkischen Rehau, Landkreis Hof, hatte das Attest erhalten ohne persönlich beim Arzt zu erscheinen. Allein dadurch ist das Attest bereits ungültig und der Arzt macht sich sogar damit strafbar: Nach der Berufsordnung der Ärzte sollen jeglich Gutachten und Gesundheitszeugnis mit der notwendigen Sorgfalt und nach besten Wissen und Gewissen des Arztes ausgestellt werden - dazu gehört eben auch eine Untersuchung.

Oberfränkin mit falschem Attest erwischt: Münchner Polizei warnt vor Blanko-Attesten aus dem Netz

Auch strafrechtlich können solche Atteste Ärzten zum Verhängnis werden. Werden falsche ausgestellte Gesundheitszeugnisse bei Behörden, dem Gericht oder einer Versicherung eingereicht, machen sich sowohl der Arzt, als auch der Patient nach § 278 des Strafgesetzbuches strafbar.

Weitere Recherchen der Polizei ergaben sogar, dass es sich beim Attest der 21-Jährigen um ein Blanko-Attest handelte, dass sie aus dem Internet heruntergeladen hatte. Ein Urologe aus Kassel hatte da Formular online zur Verfügung gestellt, sie musste nur noch ihren Namen und ihre Adresse eintragen.

Die Polizei München weist nach diesem Vorfall deutlich daraufhin, dass solche Atteste nicht gültig sind und nicht vom Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in den öffentlichen Verkehrsmitteln befreien.

Online-Attest befreit nicht von Mund-Nasen-Schutz-Pflicht - es ist sogar strafbar

Die Frau aus Rehau erwartet nun einen Anzeige wegen Verstoß gegen das Infektionsschutzgesetz. Ebenso wird eine Ermittlung gegen sie eingeleitet, da sie gegen § 278 des Strafgesetzbuches verstoßen hat, dem unrechtmäßigen Gebrauch von Gesundheitszeugnissen. Ob auch der Arzt aus Kassel, der das Attest zur Verfügung stellte, gerichtlich belangt wird, ist nicht bekannt.