Bamberg

Franken trotzen dem Schneechaos in Österreich

Teile Bayerns und Österreichs versinken im Schnee. Einige Wintersportler aus Franken wagen dennoch den Weg in den bergigen Süden. Aber es ist Vorsicht geboten: Vielerorts herrscht eine große Lawinengefahr.
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Foto: Harald Schneider/APA/dpa
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Die Straße ist gesperrt. Erst nachdem ein Schneehang vorsorglich gesprengt ist, können Florian Wahler und seine Freunde ihren Weg fortsetzen. Ihr Hotel in Saalbach-Hinterglemm erreichen Skifans aus dem unterfränkischen Ramsthal am Abend nicht mehr und müssen sich für die Nacht eine andere Bleibe suchen. Tags darauf kommen sie zwar heil an - die Skier aber bleiben trocken. "So etwas haben wir noch nicht erlebt", erzählt Wahler. Wegen des Schneetreibens, der schlechten Sicht und Lawinengefahr werden die vier Franken ihren Urlaub wohl auf dem Hotelzimmer verbringen.

Im österreichischen Schneechaos unterwegs war auch Karl-Heinz Knöffel. Der Chef von Snow & Fun Reisen aus Bad Staffelstein steuerte einen von fünf Bussen mit Skifans aus der Franken. Die Tour führte sie unter anderem nach Ischgl und ins Zillertal. "Extreme Wetterverhältnisse sind wir gewohnt", sagt er. "Dank guter Vorbereitung und l Erfahrung sind wir noch nicht steckengeblieben", so Knöffel. Im Zweifel kehren sie lieber um, planen neu, fahren woanders hin. "Das kommt immer wieder einmal vor."

Die Wetterlage in den österreichischen Alpen hat sich durch neue Schneefälle weiter verschärft. In vielen Regionen des Nachbarlandes herrschte weiterhin die zweithöchste Lawinenwarnstufe. Viele Touristen, deren Orte bisher eingeschneit waren, konnten während einer kurzzeitigen Wetterberuhigung am Dienstag ihre weiße Falle verlassen. Insgesamt sind nach Angaben der Behörden in Österreich rund 100 Straßen wegen Lawinengefahr gesperrt.

"Mit dem Auto geht teilweise nichts mehr, auf den Hängen dagegen meistens schon", sagt Markus Grempel. Der 45-jährige Snowboardlehrer aus Coburg verbringt meist den gesamten Winter im Zillertal. Er kennt eigentlich kein schlechtes Wetter. "Ich bin ein Schneefanatiker", sagt Grempel, den selbst schlechte Sicht und dichter Schneefall nicht abhalten können. Aber auch er merkt die Auswirkungen: "Einige meiner Schüler haben schon Kurse abgesagt, weil sie lieber nicht auf die Pisten wollten."

Zahlreiche Lifte geschlossen

Inzwischen hinterlässt der permanente Flockenwirbel negative Spuren für die Wintersportler. Nach Angaben des Skiportals "Skiresort.de" sind aktuell mehr als 450 Skilifte dicht. Auch in Bayern wurden am Dienstag zahlreiche Lifte und Pisten gesperrt. Der Grund: der viele Schnee. So waren im Gebiet Brauneck bis auf drei kleine Tallifte alle Pisten und Anlagen geschlossen. "Auf den Bäumen liegt mittlerweile extrem viel und schwerer Schnee", sagte eine Sprecherin des Skigebiets. "Wie lange die Anlagen geschlossen bleiben, können wir nicht abschätzen; es soll ja weiterschneien."

Auch in den Skigebieten Spitzingsee und Sudelfeld fahren nur noch vereinzelt kleine Lifte in den unteren Lagen. Neben der Schneelast auf den Bäumen wird der Wind immer mehr zum Problem in den Skigebieten. So hieß es an der Zugspitze am Vormittag wegen des starken Winds: "kein Skibetrieb". In Garmisch hingegen waren am Mittag die meisten Lifte und Abfahrten geöffnet. "Im Moment trifft sich jeden Morgen eine Lawinenkommission, die entscheidet, ob und wo Schnee weggesprengt werden muss", sagte eine Sprecherin des Skigebiets Garmisch-Classic. "Wie es in den kommenden Tagen bei uns weitergeht, müssen wir sehen."

Lawinen sind der Alptraum eines jeden Wintersportlers: Laut grollend bahnen sie sich ihren Weg ins Tal und begraben alles unter sich. Deshalb übt Jörg Wieland regelmäßig, was im Ernstfall zu tun ist. Die aktuelle Wetterlage eignet sich hervorragend fürs Lawinentraining, zu dem der Inhaber des Bamberger Snowboardladens Stoked seine Kollegen regelmäßig einlädt.

Lawinengefahr: Gut zum Üben

"Schnee-Chaos in den Alpen, zahlreiche Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten und wir waren mittendrin", schreibt Wieland auf Facebook. Starker Niederschlag, Nebel, schlechte Sicht - besser könne man nicht für den Ernstfall üben, erzählt der 36-jährige Bamberger. Und doch mussten sie vorsichtig sein, zu hoch war die Lawinengefahr. Die Vorsicht ist nicht unbegründet: Alleine im vergangenen Jahr starben in Österreich 17 Menschen durch eine Lawine. In den vergleichsweise niedrigen deutschen Alpen sind tödliche Lawinen selten: 2017 gab es nach den Daten des Lawinenwarndienstes Bayern zwei Tote, 2016 einen, 2015 keinen einzigen.

Dabei sind Lawinen nicht die einzige Gefahr: "Es hat in den letzten Tagen bereits zwei Todesfälle durch Ersticken im Neuschnee gegeben", sagt Christoph Hummel, Sicherheitsexperte beim Deutschen Alpenverein (DAV). Denn wenn ein Wintersportler in tiefem Neuschnee kopfüber stürzt, kann er unter Umständen sterben, "weil man sich nicht mehr selbst befreien kann und einem irgendwann die Luft ausgeht".

Vorerst ist nach Angaben der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) kein Ende der Wetterlage in Sicht. Von Nordwesten her ströme immer wieder feuchte Luft in Richtung der Alpen, staue sich und bringe große Schneemengen. "Nach einer kurzen Beruhigung am Freitag und Samstag dürfte am Sonntag die nächste Schneefront die Alpennordseite erreichen", hieß es.