Bad Windsheim
Frankenwürfel

Franken hat drei neue Gewürfelte

Seit 1985 wird alljährlich der Frankenwürfel verliehen. An fränkische Charaktere, die sich wendig, witzig, auch widersprüchlich geben. Die diesjährigen Preisträger: Wolfgang Reichmann, Fredi Breunig, Fitzgerald Kusz.
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Drei Porzellan-Frankenwürfel zeigen die Seiten der Auszeichnung mit den Wappen der Regierungsbezirke von Mittelfranken (o), Oberfranken (l) und Unterfranken . Foto: Daniel Karmann/dpa
Drei Porzellan-Frankenwürfel zeigen die Seiten der Auszeichnung mit den Wappen der Regierungsbezirke von Mittelfranken (o), Oberfranken (l) und Unterfranken . Foto: Daniel Karmann/dpa
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Kann man das glauben? Wenn ein Herr Teufel aus Bayreuth anruft und mitteilt, die Regierung wolle einem den Frankenwürfel verleihen? Wolfgang Reichmann, bekannt als Sportreporter des Bayerischen Rundfunks und überzeugter Franke, glaubte zunächst auch eher an den Ulk-Anruf eines Radiosenders. Dem war aber nicht so. Als der "Regierungsteufel" mit immer mehr auch privaten Details zur Person Reichmann aufzuwarten wusste, wurde dem Bamberger klar, dass der Anruf durchaus ernst gemeint war. Auf die anfängliche Skepsis folgte große Freude über die unerwartete Ehrung.

Neben Reichmann, er ist oberfränkischer Preisträger, erhielt den Frankenwürfel in diesem Jahr für Unterfranken der Kabarettist Fredi Breunig aus der Rhön, sowie für Mittelfranken der Kultautor Fitzgerald Kusz. Gerade bei Letzterem hätte man angenommen, dass er längst dem illustren Kreis der gewürfelten Franken angehört. Von wegen. Bei den diesjährigen Preisträgern bewiesen die drei Regierungspräsidenten allerdings ein glückliches Händchen. Keine politischen Verlegenheitslösungen wurden da gewürfelt, sondern typische Franken auf den Schild gehoben. Jeder auf seine Art unerreicht, jeder der Geehrten Repräsentant eines Frankentums auf höchstem Niveau. Wendig sind sie alle drei, witzig und widersprüchlich, ganz so, wie Hans Max von Aufseß dereinst den typischen Franken beschrieben hat.

Verleihung in Bad Windsheim

Die Verleihung des Frankenwürfels, sie fand diesmal im mittelfränkischen Bad Windsheim statt. Wie immer im Kreis der in den letzten 28 Jahren schon einmal mit dem Frankenwürfel Ausgezeichneten. Ein Umstand, der die Runde naturgemäß jährlich vergrößert. Weshalb man heuer in die rund 300 Jahre alte Betzmannsdorfer Scheune im Freilandmuseum auswich. Das Ambiente passte - einige Ausstellungsobjekte zum Thema "Saus und Braus im Bauernhaus" passten gut zur aufgeräumten Stimmung im Saal.

Wozu die Laudationes der drei fränkischen Regierungspräsidenten nicht unwesentlich beitrugen. So zum Beispiel die des oberfränkischen Regierungspräsidenten Wilhelm Wenning. Er stellte seinen Gewürfelten Wolfgang Reichmann als fränkische Stimme des Sports im Bayerischen Rundfunk und zugleich dienstältesten aktiven Rundfunksportreporter Deutschlands vor. Das geht bei dem 66-Jährigen deshalb, weil der längst pensionierte frühere Hauptschullehrer seiner Sportreporterleidenschaft als freier Mitarbeiter frönt.

Der Geehrte selbst erinnerte bei seiner Dankesrede an seine Anfänge als Sportreporter. Sein erster Einsatz: ein Bayernligaspiel zwischen Bayreuth und Weiden, bei dem er Akzente setzte und die Zuhörer mit einem falschen Spielergebnis konfrontierte, das er in der Schlusskonferenz nur mit viel Mühe wieder geradebiegen konnte. Es sollte nicht das Ende bedeuten - im Gegenteil: Bis heute hat er über 500 Bundesligaspiele für die Kultsendung "Heute im Stadion" übertragen. Allein mit der Rolle des Sportreporters wird man Reichmann allerdings nicht gerecht.

Sportler und Kabarettist

Der Bamberger spielte auch Basketball. Und das nicht schlecht. Stieg in den 70er Jahren mit dem 1. FC Bamberg in die Bundesliga auf, avancierte zum ersten oberfränkischen Basketball-Nationalspieler. Heute ist "Wolfi", so nennen ihn seine Freunde, auch als Moderator und Kabarettist unterwegs. Den Stoff für seine Auftritte findet er auf den Straßen und Plätzen seiner Heimatstadt Bamberg. Weil das echte Leben einfach die besten Geschichten schreibt. So ähnlich packt auch der gewürfelte Unterfranke 2013, der Kabarettist Fredi Breunig aus Salz bei Bad Neustadt seine Themen an.

Er hinterfragt gerne. Sich, sein Publikum, seine Heimat. Damit unterhält er inzwischen ganz Franken, so der Würzburger Regierungspräsident Paul Beinhofer in seiner Laudatio. Frech und hintergründig beweise er viel Bodenhaftung im Frankenland, legte eine steile Karriere hin. Auch in Funk und Fernsehen.Immer mit dem Schalk des Rhön-Grabfelder im Nacken, der längst in der Rolle des Fastenpredigers Elisäus vom Kloster Kreuzberg zum eigenen unterfränkischen und stets ausverkauften Starkbieranstich lädt.

Eine fränkische Institution

Bliebe der dritte Preisträger: der Mittelfranke Fitzgerald Kusz. Ein Wunder nur, dass die Ehrung erst jetzt erfolgte. Was reden über einen Mann, einen Sprachvirtuosen, Dramatiker, Lyriker und Kultautor wie ihn. Als fränkische Institution spätestes seit seinem ersten Theaterstück "Schweig Bub", eine im gesamten deutschen Sprachraum und darüber hinaus bekannte Künstlerpersönlichkeit. Das Lob des Ansbacher Regierungspräsidenten Thomas Bauer konnte sich hören lassen.