München
Flugausfälle

Flughafen München: Junger Mann legt Airport lahm - 140 Flugausfälle, 14.000 Betroffene

Ein junger Mann aus Spanien hat am Münchner Flughafen Chaos ausgelöst. 200 Starts und Landungen wurden am zweitgrößten Airports Deutschland am Dienstag abgesagt. Zudem gab es erhebliche Verspätungen. Was ist passiert?
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Zahlreiche Fluggäste warten am Flughafen am Terminal 2 auf ihre Flüge. Foto: Matthias Balk/dpa
Zahlreiche Fluggäste warten am Flughafen am Terminal 2 auf ihre Flüge. Foto: Matthias Balk/dpa

Weil er beim Umsteigen unkontrolliert in einen Sicherheitsbereich am Münchner Flughafen gelangt ist, hat ein Reisender Chaos am zweitgrößten Airport Deutschlands ausgelöst.

Die Polizei räumte am Dienstagmorgen das Terminal 2 und die Bereiche B und C des Terminals 1. Erst fast vier Stunden später konnte die Passagierabfertigung wieder aufgenommen werden. 200 Starts und Landungen wurden abgesagt. Zudem gab es erhebliche Verspätungen, wie der Flughafen mitteilte. "Passagiere müssen über den ganzen Tag mit Beeinträchtigungen im Luftverkehr rechnen." Für Mittwoch seien noch keine Annullierungen angekündigt, sagte ein Sprecher am Abend.

Über Notausgangstür in verbotenen Bereich gelangt

Der Spanier ist nach Angaben der Bundespolizei zwischen 20 und 25 Jahre alt und war aus der thailändischen Hauptstadt Bangkok nach München gekommen und wollte nach Madrid weiterreisen. Vor der Einreisekontrolle sei er über eine Notausgangstür in einen Bereich gelangt, in den nur kontrollierte Passagiere dürfen. Die Polizei leitete "gefahrenabwehrende Maßnahmen" gemäß EU-Gesetzesvorgaben ein. Die Beamten machten den Mann schließlich ausfindig und befragten ihn.

Er habe keine böse Absicht gehegt, sagte eine Sprecherin. Von Seiten der Bundespolizei drohten keine Konsequenzen. Der Flughafen selbst und die Lufthansa als hauptsächlich betroffene Airline mit mehr als 140 ausgefallenen Flügen und insgesamt 14.000 Reisenden prüfen noch, ob sie Ansprüche geltend machen können und wollen.

Alle Passagiere mussten erneut kontrolliert werden

Gegen 11.15 Uhr starteten die Flughafenmitarbeiter wieder mit der Abfertigung von Passagieren. Bis 12.45 Uhr konnten neu eintreffende Fluggäste das Terminal 2 nicht betreten, um zu verhindern, dass das Gebäude überfüllt wird, wie der Flughafen erklärte. Alle Menschen aus den geräumten Terminalbereichen mussten noch einmal kontrolliert werden. Der Flughafen verteilte Wasser und informierte die Passagiere über Lautsprecheransagen sowie via Twitter über die Situation. Ähnliche Vorfälle an Flughäfen gibt es immer mal wieder.

Der Flughafensprecher sagte, insgesamt seien am Dienstag etwa 1200 Starts und Landungen geplant gewesen. Im Schnitt seien an einem solchen Tag dort rund 120.000 Passagiere unterwegs, von den annullierten Flügen seien etwa 25.000 betroffen gewesen. Rund 1000 Fluggäste der Lufthansa könnten erst am Mittwoch weiterfliegen, die Airline wolle sie über Nacht in Hotels unterbringen.

Nach dem Chaos ist der Betrieb am Mittwochmorgen wieder normal gestartet. "Wir haben aktuell keine Annullierungen - seit 5.00 Uhr läuft alles wieder wie geplant", sagte ein Sprecher des Airports am Morgen. Auch Verspätungen wegen des Vorfalls gebe es nicht. Durch die hohe Zahl von abgesagten Starts und Landungen am Dienstag sei man nun automatisch wieder im Normalbetrieb. Rund 1000 Passagiere der Lufthansa waren über Nacht in Hotels einquartiert worden. Betroffen waren den Angaben zufolge insgesamt 14 000 Reisende.

Vorfall erinnert an vergangenes Jahr

Das aktuelle Geschehen erinnert an das Münchner Flughafenchaos zu Beginn der Sommerferien 2018: Damals hatte die Bundespolizei das Terminal 2 und das dazugehörige Satelliten-Terminal geräumt, weil eine Frau unkontrolliert durch eine Sicherheitsschleuse gelangt war. 330 Flüge wurden abgesagt, mehr als 31.000 Passagiere waren das ganze Wochenende über betroffen. Der Schaden ging in die Millionen. Der Flughafen verteilte anschließend freiwillig knapp 6000 50-Euro-Gutscheine. Das Amtsgericht Erding entschied allerdings, dass Fluggesellschaften nicht zu einer Ausgleichszahlung verpflichtet sind, wenn Passagiere aufgrund einer Anti-Terror-Maßnahme nicht fliegen können (Az.: 4 C 3819/18).

Vier Kläger aus München hatten eine Entschädigung von je 400 Euro wegen Flugbeförderungsverweigerung gefordert. Die beklagte Fluggesellschaft war hingegen der Ansicht, dass sie die Beförderung nicht verweigert habe, weil die Kläger nicht rechtzeitig am Abfluggate erschienen seien und sie für die Anti-Terror-Maßnahme der Bundespolizei nicht verantwortlich sei. Das sah auch das Amtsgericht so. Das Urteil ist rechtskräftig.

Ebenfalls alles andere als geplant verlief ein Urlaubsflug am Airport Nürnberg. Zwei Tage saßen die Passagiere am Flughafen fest, dann ging es endlich los. Doch die Freude währte nur kurz: Statt in Hurghada (Ägypten) musste der Flieger in Athen (Griechenland) landen.