Für lärmgeplagte Anwohner ist er ein Segen: der sogenannte Flüsterasphalt. Doch nicht überall kann der geräuschschluckende Straßenbelag genutzt werden. Zudem hält er nicht so lange wie herkömmlicher Asphalt - und kostet mehr. Die Städte in Bayern setzen den leisen Asphalt daher in ganz unterschiedlichem Ausmaß ein, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab.

Flüsterasphalt in fränksichen Städten


In Bamberg wurden bislang zwei Straßen mit Flüsterasphalt ausgebaut. Weitere Maßnahmen sind nach Angaben des Baureferats aber nicht geplant. In Aschaffenburg kommt der lärmarme Asphalt seit zwei Jahren zum Einsatz, inzwischen sind es mehr als 26 000 Quadratmeter. "Generell rechnen wir mit einem erhöhten Aufwand beim Winterdienst und bei Ölunfällen, da der Asphalt grobporig ist und sich ähnlich wie ein Schwamm bei Nässe mit Wasser vollsaugt", erläuterte Stefan Umscheid vom Tiefbauamt.

Würzburg hat Flüsterasphalt bislang lediglich an zwei Stellen verwendet - beides vielbefahrene Straßen in bewohntem Stadtgebiet. "Der Flüsterasphalt ist etwas teurer als der übliche Asphalt - in der Regel um etwa fünf Euro pro Quadratmeter", sagte eine Stadtsprecherin. Doch er bringe nachweislich eine Lärmreduzierung von drei bis vier Dezibel.

Der Baureferent der Stadt Schweinfurt ist skeptisch. "Die Hauptlärmminderung wird dadurch erreicht, dass überhaupt ein neuer, glatter Belag eingebracht wird", sagte Jochen Müller. Dennoch hat die Stadt 2010 drei Straßen in der Innenstadt mit dem lärmmindernden Belag versehen. "Je höhere Geschwindigkeiten gefahren werden, desto effektiver ist der Belag", sagte Müller. In der Stadt sei der Effekt daher geringer, zudem reduziere der leisere Asphalt nur die Rollgeräusche der Fahrzeuge. "Die Motorgeräusche dämpft das nicht."

Die Stadt Nürnberg will zwei verschiedene Arten des Flüsterasphalts auf zwei innenstädtischen Durchgangsstraßen testen. Wie Marco Daume vom städtischen Service Öffentlicher Raum berichtete, gibt es neben der kürzeren Haltbarkeit ein weiteres Problem: Für viele Straßen, etwa solche mit Straßenbahnschienen oder vielen Einbiegungen, sei der Flüsterasphalt nicht geeignet.

Mehrere Jahre Erfahrung in Augsburg


Augsburg sammelt seit neun Jahren Erfahrungen mit Flüsterasphalt. Auf der Umgehungsstraße B17 seien mehrere Abschnitte umgerüstet worden, sagte der Leiter des Tiefbauamtes, Josef Weber. Dadurch sei die Geräuschbelastung um bis zu sieben Dezibel reduziert worden. "Ein Nachteil ist eindeutig die Lebensdauer." Der Asphalt halte nur etwa acht bis zehn Jahre, ein Abschnitt habe bereits erneuert werden müssen.

Außerdem sei er wasserdurchlässig, was den Bau von Entwässerungsleitungen aufwendiger mache. Die Durchlässigkeit habe aber gleichzeitig den Vorteil, dass es weniger Aquaplaning gebe. Der Flüsterasphalt auf der B17 sei sehr frostempfindlich, so dass im Winter mehr Salz gestreut werden müsse. Seit mehreren Jahren gibt es Flüsterasphalt einer anderen Sorte auch im Augsburger Stadtgebiet. Weitere Straßen sollen folgen.

In Kempten im Allgäu wird Flüsterasphalt seit zwei Jahren auf zwei stark frequentierten innerstädtischen Straßen getestet. "Wir haben bisher sehr gute Erfahrungen mit diesem Belag gemacht und wollen das Ziel Lärmminderung weiter verfolgen", sagte Markus Wiedemann, Leiter des Verkehrsamts. Selbst die beiden vergangenen Winter mit reichlich Schnee und Frost habe der offenporige Asphalt gut überstanden. Im nächsten Jahr soll er daher auf einem weiteren Straßenabschnitt im Stadtgebiet verbaut werden.

Kosten 10 bis 30 Prozent höher


In Ingolstadt sind bereits fast 25 Kilometer Hauptverkehrsstraße mit den leiseren Belägen versehen. Die Oberbayern nutzen zwei Varianten: sogenannte offenporige Fahrbahnbeläge, die Lärm regelrecht "schlucken", und solche, die den Geräuschpegel verringern. In München gibt es bislang zehn Kilometer "Flüsterstraße". Eine Sprecherin des Baureferats berichtete: "Die Kosten für solche Beläge sind etwa 10 bis 30 Prozent höher als bei herkömmlichen Belägen."

2010 wurde der Flüsterasphalt auch im niederbayerischen Landshut auf drei innerstädtischen Straßen verbaut - wie in vielen anderen Städten dank des Konjunkturpakets II. Die Lärmbelästigung sei dabei um etwa vier Dezibel zurückgegangen, die Reaktionen der Anwohner durchweg positiv, berichtete der Leiter des Tiefbauamtes, Gerhard Anger. "Ein Fußgänger hat den Eindruck, dass nur noch die Hälfte der Fahrzeuge auf der Straße unterwegs sind."

Schwierigkeiten bei landwirtschaflichem Verkehr


In der Oberpfalz hingegen wird der Flüsterasphalt zumindest auf Staats- und Bundesstraßen nicht eingesetzt. "Da dort auch landwirtschaftlicher Verkehr unterwegs ist, könnte der großporige Belag durch Verschmutzung verschlossen werden. Dadurch hätte der spezielle Asphalt keine lärmdämmende Wirkung mehr", sagte Joseph Karl, Sprecher der Regierung Oberpfalz. Es würden aber andere lärmdämmende Asphaltbeläge bei der Sanierung von Straßen eingesetzt. dpa