• Ab sofort 2G plus in Bayerns Fitnessstudios - Kabinett verschärft Corona-Maßnahmen erneut
  • Nur Geimpfte und Genesene haben Zutritt - sie brauchen zusätzlich einen negativen Schnelltest
  • Zutrittsverbot für ungeimpfte Mitglieder - INJOY, McFIT, clever fit und Mrs.Sporty reagieren unterschiedlich

In den bayerischen Fitnessstudios gilt seit Mittwoch (24. November 2021) überraschend die 2G-plus-Regel. Das heißt: Wer in sein Studio will, muss geimpft oder genesen sein und benötigt zusätzlich einen tagesaktuellen negativen Corona-Schnelltest. Ursprünglich war für Fitnessstudios lediglich die 2G-Regel vorgesehen. Laut dem Bericht aus der jüngsten Kabinettssitzung vom Dienstag geht nun allerdings hervor, dass die entsprechenden Corona-Maßnahmen abermals verschärft wurden. Ungeimpften ist das Training im Studio grundsätzlich verboten. inFranken.de hat bei den großen Fitnessstudio-Ketten INOY, McFIT, clever fit und Mrs.Sporty nachgefragt, was sie vom Ausschluss ihrer ungeimpften Mitglieder halten. 

INJOY: Kündigungen und Ruhezeiten für ungeimpfte Mitglieder

Unter der Marke INJOY werden bundesweit mehr als hundert Fitnessstudios betrieben. Ein Sprecher der Kette äußerte sich gegenüber inFranken.de am 18. November pragmatisch, was die bis dato geltende 2G-Regelung anbelangte. "In der momentanen Situation ist dies wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, dass wir geöffnet bleiben", erklärte Thorsten Kielmann. Als Consulting Manager der ACISO Fitness & Health GmbH ist er für die INJOY-Studios zuständig.

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Aufgrund der hohen Inzidenzzahlen hält Kielmann die neue Maßnahme für "gerechtfertigt". Er betonte zugleich: "Leider wird aber das gesundheitsorientierte Muskeltraining immer noch als Freizeitbeschäftigung gesehen und nicht als sehr wichtige gesundheitliche Vorsorge."

Reaktionen von ungeimpften Kunden, die nun keinen Zutritt mehr in ihr INJOY-Fitnessstudio haben, hat es laut dem Sprecher bereits gegeben. "Die sind natürlich nicht glücklich und fühlen sich zumindest teilweise benachteiligt.“ Mit Blick auf die nicht geimpften Mitglieder der Studiokette berichtete Kielmann von "Kündigungen und Ruhezeiten für diese Personengruppe“. Sein Standpunkt diesbezüglich: "Das macht den wirtschaftlichen Betrieb eines Fitnessclubs nicht leichter."

Um ungeimpfte Kunden nicht zu verlieren, biete INJOY diesen in erster Linie Ruhezeiten an. Insgesamt haben die bisherigen Corona-Maßnahmen Kielmanns Schilderung zufolge die Studios der Kette schwer getroffen. "Bisher haben unsere Partner 15 bis 20 Prozent ihrer Mitglieder verloren", konstatierte der INJOY-Sprecher. In den vergangenen fünf Monaten habe sich die Situation indessen wieder etwas gebessert.

Nun folgten allerdings abermals verschärfte Maßnahmen. "Durch die Einschränkungen wird ein weiterer Mitgliederaufbau natürlich erschwert, so dass auch Umsatzverlust weiterhin die Lage ernst macht", hielt Kielmann fest. Sein Wunsch: "Wir hoffen inständig, dass wir geöffnet bleiben dürfen, da der Winter und die kommenden Monate die wichtigsten für eine Fitnessanlage sind. Außerdem ist es extrem wichtig für die Menschen zu trainieren und damit ihr Immunsystem zu stärken."

McFIT: Ungeimpfte Mitglieder können Vertrag pausieren - Online-Lösung in Planung

Für McFIT, Europas Marktführer in Sachen Fitnessstudios, steht laut eigener Aussage das Wohlergehen seiner Kunden und Angestellten im Vordergrund. "Die Gesundheit unserer Mitglieder und des Studiopersonals hat bei McFIT höchste Priorität", teilte Unternehmenssprecher Pierre Geisensetter inFranken.de am 18. November mit. Er reagierte auf die verschärften Corona-Maßnahmen pragmatisch. "Wie es die Länderverordnung vorsieht, gehört die 2G-Regelung jetzt zu unserem Schutz- und Hygienekonzept in den Studios."

Ungeimpfte McFIT-Mitglieder, die infolge der neuen Regel momentan nicht vor Ort trainieren können, haben die Möglichkeit ihren Vertrag zu pausieren. "Zudem arbeiten wir derzeit an einer Online-Lösung, um auf unkomplizierte Weise ein Workout unter digitaler Anleitung in den eigenen vier Wänden anzubieten", kündigte Geisensetter an. Geplant ist demnach ein kostenloses Online-Angebot für die Kundinnen und Kunden der Fitnessstudio-Kette. 

"Nichtsdestotrotz wird es gerade nicht einfacher für die Fitness-Industrie", konstatierte der McFIT-Sprecher. Die Corona-Pandemie habe die gesamte Branche schwer getroffen. "Für alle, die es aus der Krise schaffen, wird es lange ein Kraftakt bleiben, wieder auf wirtschaftlich stabilen Füßen zu stehen."

Clever fit: Kündigungen wegen Corona-Regeln rechtlich nicht wirksam

Clever fit betreibt an zahlreichen Standorten in Franken Fitnessstudios. Das Unternehmen reagierte am 16. November auf die zu diesem Zeitpunkt geltende 2G-Regel pragmatisch. Corona-Maßnahmen würden von clever fit generell nicht bewertet, teilte PR- und Pressemanagerin Christiane Enzelberger inFranken.de mit. "Es handelt sich dabei um behördliche Anordnungen, deren Einhaltung wir unseren FranchisenehmerInnen dringend ans Herz legen." Die clever-fit-Studios werden von den Inhabern eigenständig geführt. "Letztlich haften sie als eigenständige UnternehmerInnen für Verstöße", erklärte Enzelberger.

Mit Blick auf die verschärften Corona-Maßnahmen hielt sie fest: "Wir müssen jetzt versuchen, Schadensbegrenzung zu betreiben." Die Pressemanagerin sprach von verschiedensten Interessen, "die alle irgendwie berücksichtigt werden müssen". Dies gehe in der Realität gleichwohl "mit starken Reibungsverlusten" einher. Auch wenn für Ungeimpfte aufgrund der 2G-Regel aktuell ein Zutrittsverbot fürs Fitnessstudio gilt, können die Mitglieder der clever-fit-Sprecherin ihre Mitgliedschaft allein deshalb nicht von jetzt auf gleich kündigen. "Kündigungen, die sich auf diese Regelungen beziehen, sind rechtlich nicht wirksam", erklärte Enzelberger.

Mitglieder könnten nur unter Einhaltung der vertraglich vereinbarten Fristen kündigen. Die Begründung: "Wir sind nicht diejenigen, die über die Zugangsvoraussetzungen entscheiden, es ist eine Vorgabe von höherer Instanz, die wir genauso wie unsere Mitglieder einzuhalten haben." Laut der Pressemanagerin empfiehlt clever fit seinen Studiobetreibern allerdings, die Mitgliedschaften auf Wunsch des Mitglieds aus Kulanz ruhen zu lassen, wenn ein Zutritt aufgrund der aktuell geltenden Regelungen nicht möglich ist. "Die Umsetzung liegt dabei ebenso im Verantwortungsbereich der FranchisenehmerInnen", so Enzelberger. 

Mrs.Sporty bietet Telefongespräche und Online-Training an

Auch die Frauen-Fitnessstudio-Kette Mrs.Sporty hat laut eigener Aussage angesichts der hohen Inzidenz in Bayern prinzipiell Verständnis für die Maßnahmen. Diese würden in den Clubs auch entsprechend umgesetzt. "Allerdings bitten wir auch immer in Erwägung zu ziehen, dass wir als Fitnessstudio-Betreiber mit unserem Trainingsangebot einen präventiven Beitrag leisten, um häufige Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Rückenleiden zu mindern oder zu vermeiden", betonte Kerstin Kolata, Fitnessexpertin und Head of Product Development bei Mrs.Sporty, am 17. November.

"Schon nach dem ersten Lockdown haben einige Mitglieder berichtet, dass sie wieder verstärkt unter Rückenschmerzen leiden." Zwar gebe es bei Mrs.Sporty ein Online-Trainingsangebot, viele Mitglieder brauchten gleichwohl die Atmosphäre und Motivation durch die Trainerinnen und Trainer im Studio. "Wir haben seit Beginn der Pandemie Sicherheitskonzepte und Hygienemaßnahmen implementiert, die sich in den kleinen Boutique-Clubs von Mrs.Sporty hervorragend umsetzen und überprüfen lassen", gab Kolata zu bedenken. "Daher plädieren wir im Hinblick auf die Relevanz von regelmäßigem Training an der Stelle noch einmal verstärkt für eine differenzierte Risikobewertung."

Negativen Reaktionen von ungeimpften Kundinnen auf die 2G-Regelung indes gebe es bislang keine. Auch Mrs.Sporty setzt gegenwärtig auf alternative Angebote: "Damit Mitglieder, die aktuell nicht im Club trainieren dürfen, trotzdem am Ball bleiben, unterstützen wir sie mit telefonischen Trainergesprächen und dem Training über die Online-Plattform Mrs.Sporty@Home." Bei der Frauen-Fitnessstudio-Kette geht man davon aus, dass sich nach der Pandemie hybride Trainingskonzepte durchsetzen werden, bei denen Mitglieder flexibel entscheiden können, ob sie zu Hause oder im Club trainieren wollen. 

In den fränkischen Krankenhäusern ist die Corona-Situation unterdessen angespannter denn je. Die Kliniken in Nürnberg, Fürth, Erlangen, Forchheim und Bamberg befinden sich am Limit.

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