Königsmoos
Tierleid

Extreme Tierquälerei in Bayern: Warum machen Menschen so etwas?

Quälerei: Ein Hundehalter lässt seine Tiere bis aufs Gerippe abmagern, Jugendliche missbrauchen einen Vogel als Fußball, eine Schlange wird geköpft: In Bayern gibt es immer wieder Fälle von extremer Tierquälerei. Warum machen Menschen so etwas?
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Auch im Tierheim Schwebheim (Lkr. Schweinfurt) sind Hunde aus Obermaxfeld untergekommen. Foto: Christina Herrmann
Auch im Tierheim Schwebheim (Lkr. Schweinfurt) sind Hunde aus Obermaxfeld untergekommen. Foto: Christina Herrmann

Geschwüre am ganzen Körper, abgemagert bis auf die Knochen, schwach, winselnd, hilflos und kaum mehr in der Lage, zu laufen: Es war ein grauenvoller, herzzerreißender Anblick, der sich Polizisten vor zwei Wochen bot. 34 Hunde in erbarmungswürdigem Zustand wurden bei diesem ersten Termin aus einem Anwesen im Königsmooser Ortsteil Obermaxfeld (Lkr. Neuburg-Schrobenhausen) geholt und ins Tierheim gebracht. 100 weitere Hunde hausten damals noch dort. Inzwischen sind sie alle weggeholt von dort und auf Tierheime in ganz Bayern verteilt. Einige kamen auch nach Schwebheim (Lkr. Schweinfurt) und nach Zell am Ebersberg, ein Ortsteil von Knetzgau.

Der Fall schockiert Tierfreunde in ganz Bayern. Und er reiht sich ein in eine Folge von brutalen Fällen von Tierquälerei, die sich in den vergangenen Wochen und Monaten im Freistaat ereignet haben.

Giftköder im Bayerischen Wald

Die Liste ist lang: Im niederbayerischen Velden missbraucht ein Mann ein Schaf und misshandelt es so heftig, dass es notgeschlachtet werden muss. In Osterhofen im Landkreis Deggendorf sticht jemand wahllos auf mehrere Schafe ein, die auf einer Wiese weiden. Fünf Tiere sterben, drei weitere werden schwer verletzt. Im Bayerischen Wald präparieren Tierhasser einen Köder mit dem verbotenen Gift Carbofuran. Ein geschützter Greifvogel erstickt. In Erding missbrauchen Jugendliche eine Babykrähe als Fußball und treten sie tot. Und in München steckt jemand einen sechs Wochen alten Hundewelpen in eine Plastiktüte und entsorgt ihn vor einem Müllcontainer. Dass das Tierkind nicht erstickt, verhungert oder verdurstet, ist einer Schülerin zu verdanken, die auf das Winseln des verzweifelten Hundes aufmerksam wird, das Tier befreit und zur Polizei bringt.

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Und dann ist da noch die Geschichte mit der Schlange. In der oberfränkischen Gemeinde Ahorn entdecken Kinder beim Spielen an einem heißen Sommertag den Körper eines vier Meter langen Python - ohne Kopf. Wenn man Stefan Probst heute, etwa drei Monate später, auf diesen Fall anspricht, muss er erst einmal durchschnaufen. Dann sagt der Sprecher der Polizei in Coburg: "Oh ja. Die Riesenschlange. So etwas ist mir in meiner bisherigen Karriere noch nicht untergekommen. Und ich kenne auch niemanden, der so etwas schon mal erlebt hat." An jenem Tag hatte das Tierheim bei der Polizei angerufen und den Beamten erzählt, dass Kinder eine kopflose Schlange entdeckt haben. "Wir haben uns auf die Suche nach dem Rest des Tieres gemacht und sind dann auf den Kopf gestoßen. Und auch auf eine Axt", sagt Probst. "Da fragt man sich schon: Warum macht jemand so etwas?"

Psychologin spricht von der "Lust am Quälen"

Auf diese Frage gibt es viele Antworten: Rache am Besitzer, Wut über das Tier, der Drang, sich als Jugendlicher in einer Gruppe zu beweisen, oder auch eine sadistische Befriedigung beim Quälen von Tieren - das alles seien mögliche Motive, sagt Andrea Beetz. Die Psychologin aus Erlangen beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Beziehung zwischen Mensch und Tier. Das Thema Tierquälerei spiele auch eine Rolle für zwischenmenschliche Kontakte, sagt die Expertin: "Es gibt Studien, die einen Zusammenhang von Gewalt gegenüber Tieren und Gewalt gegenüber Menschen dokumentieren." Eine Lust am Quälen sei eher bei einem psychisch auffälligen Täter, der potenziell auch gefährlich für seine Mitmenschen ist, zu finden. In einem Fall ausgeprägter Quälerei an verschiedenen Tierarten von demselben Täter wäre deswegen ihrer Ansicht nach "eine psychiatrische Begutachtung angezeigt".

Wie häufig im Freistaat gegen das Tierschutzgesetz verstoßen wird, dazu hat das Landeskriminalamt Zahlen parat: In der polizeilichen Kriminalstatistik 2017 sind 850 Fälle erfasst. Davon wurden 534 aufgeklärt. Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich die Zahl der Delikte in Bayern nicht groß verändert. 2013 waren es 852, 2014 dann 843 und ein Jahr später 857. Einzig das Jahr 2016 fällt mit 916 Verstößen ein wenig aus der Reihe. Zu den Zahlen aus dem aktuellen Jahr macht das Landeskriminalamt noch keine Angaben. Sie werden erst im Frühling veröffentlicht.

Mit den Tierschützern kam die Polizei

Das ganze Ausmaß des Dramas von Obermaxfeld wird derzeit aufgearbeitet. Dass die Geschichte ans Tageslicht kam, ist der Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" zu verdanken. Die wurde durch eine Werbeanzeige auf den Halter der Tiere aufmerksam. Der Mann wollte mehrere Hunde ins Ausland verkaufen. Die Tierschützer täuschten Interesse vor, eine angebliche Kaufinteressentin spielte den Lockvogel. Nachdem der Scheinkauf von 24 Hunden abgewickelt und festgestellt worden war, in welch schlechtem Zustand sich einige Tiere befanden, griff auch die eingeschaltete Kriminalpolizei zu. Erst danach zeigte sich dann das ganze Ausmaß des Hundedramas.

Die verwahrlosten Hunde konnten so gerettet werden. Nicht alle haben das Drama aber überlebt, drei sind bisher gestorben. Das Gros der 134 ausgewachsenen Hunde - inzwischen sind noch 16 Welpen dazugekommen - nahm das Tierheim in Neuburg auf. Für die Kosten muss erst einmal der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen aufkommen. Er rechnet inklusive der notwendigen medizinischen Untersuchungen in einem Jahr mit über 800 000 Euro Kosten.

Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft nicht nur gegen den Hundehalter - zwei Hunde durfte der Jäger behalten - wegen eines Vergehens gegen das Tierschutzgesetz. Auch einen Tierarzt aus Ingolstadt hat sie im Visier. Ihm wird vorgeworfen, dass er den Verkauf der 24 Hunde durch gefälschte Impfpässe unterstützen wollte.

Autorin: Stephanie Sartor

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