Studie

Elektroauto bedroht Arbeitsplätze in Franken

Die Umstellung auf Elektroautos bedroht einer Studie zufolge tausende Arbeitsplätze in der Region Nürnberg. "Selbst diejenigen, die einschätzen, dass sie zu den Gewinnern dieser Entwicklung gehören, rechnen nicht damit, dass da ein Beschäftigungszuwachs entsteht", sagte Heinz Pfäfflin vom Nürnberger IMU Institut im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.
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Ein Mitarbeiter des Automobilzulieferers und Industriekonzerns Bosch fertigt Dieseleinspritzpumpen. Foto: dpa
Im besten Fall könnte die Mitarbeiterzahl gehalten werden. Bei den anderen Firmen sei der Verlust von Arbeitsplätzen zu befürchten.
So würden von den zwölf befragten Firmen allein fünf Unternehmen mit 9000 Mitarbeitern ausschließlich Produkte für den klassischen Antriebsstrang herstellen. Sie hätten derzeit keine Alternativprodukte im Angebot, betonte Pfäfflin. "Auch das Downsizing - also kleinere Motoren mit höherer Leistung - wird bei den klassischen Zulieferern dazu führen, dass die Beschäftigung zurückgeht, weil die Zahl der Teile zurückgeht." Hinzu kämen geforderte Produktivitätssteigerungen, die bei den geringen Umsatzzuwächsen nur über den Abbau von Stellen zu erreichen seien.

Die meisten Betriebe arbeiteten schon an Elementen für das Elektroauto, doch die Unsicherheit sei groß. "Im Augenblick eine Entscheidung zu treffen für völlig andere Produkte ist schwer, weil die Signale, die wir bekommen, so unklar sind, dass es Harakiri wäre da jetzt reinzugehen", schilderte der Branchenkenner die Haltung der Zulieferer. "Die Abnehmer rücken eigentlich nicht heraus beziehungsweise wissen auch noch nicht genau, wo sie eigentlich hinwollen." Schließlich gebe es zahlreiche Varianten, wie ein Elektromotor im Detail konstruiert sein könne.
Die mangelnde Information der Autobauer wird in der Region durch einen weiteren Umstand verstärkt, erläuterte Pfäfflin. "Die Schwierigkeit liegt darin, dass alle Teile für ein Kfz hergestellt werden, aber kein Endlieferer da ist. Da ist keiner, der vor Ort sitzt und eine Diskussion führt, welche Entwicklung ansteht." Das erschwere die Einschätzung, in welche Richtung die Betriebe sich neu aufstellen müssten. "Wir warten, bis uns jemand sagt, was wir machen sollen", schilderte Pfäfflin den derzeitige Standpunkt der Befragten.
Besonders große Sorgen machen sich die Mitarbeiter großer Unternehmen. "Die haben die Befürchtung, dass der Konzern vielleicht eine andere Firma aufkauft, aber wenig Interesse hat, einen vorhandenen Standort völlig umzuswitchen." Für die Studie hatte das IMU Institut in Kooperation mit den Gewerkschaften IG Metall und der IG BCE Betriebsräte und Manager von 12 ausgewählten Zulieferbetrieben mit 24 000 Mitarbeitern zum Thema E-Mobility befragt.