Laden...
Amberg
Dialekt im Kindergarten

Eklat ums "Wurschtbrot": Wurde einem Mädchen in der Kita der Dialekt verboten?

Der Bund Bairische Sprache setzt sich für den Erhalt der deutschen Sprachvariationen ein. Durch eine Situation in einem Oberpfälzer Kindergarten thematisiert er nun das Sprechen von Dialekt im Kindesalter. Gerade im jungen Alter sei es wichtig, die Zweisprachigkeit zu fördern.
Artikel drucken Artikel einbetten
Aufgrund eines Vorfalls in einem oberpfälzer Kindergarten hat sich der Bund Bairische Sprache über das Sprechen von Dialekt im Kindergarten geäußert. Symbolfoto: Barbara Herbst
Aufgrund eines Vorfalls in einem oberpfälzer Kindergarten hat sich der Bund Bairische Sprache über das Sprechen von Dialekt im Kindergarten geäußert. Symbolfoto: Barbara Herbst

Nach einem Vorfall in einer Kindertagesstätte in der Oberpfalz hat sich der Bund Bairische Sprache zum Thema Dialekt im Kindergarten geäußert.

Eine Erzieherin soll ein Mädchen, welches das Wort "Wurschtbrot" im oberpfälzischen Dialekt ausgesprochen hatte, darauf hingewiesen haben, dass die Aussprache im Hochdeutschen "Wurstbrot" lautet. Zahlreiche Berichte sind seitdem erschienen, laut denen die Erzieherin dem Mädchen verboten hätte, Dialekt zu sprechen.

Was wir über den Vorfall in der Oberpfälzer Kita wissen:

- Es gibt keine offizielle Bestätigung oder detaillierte Informationen über den Vorfall in dem Oberpfälzer Kindergarten, bisher hat lediglich der Bund Bairische Sprache berichtet.

- Auf Anfrage des BR habe die Leiterin des Kindergartens erklärt, nichts von dem Vorfall zu wissen - und betont, die Kinder dürften in der Einrichtung gerne Dialekt sprechen.

Dialekt soll erhalten bleiben

Der Verein "Bund Bairische Sprache" hat laut dem Bayerischen Rundfunk durch eine Facebooknachricht davon erfahren und sich in einem Facebook-Post negativ in Bezug auf die vermeintlichen Erziehungsversuche des Kindergartens geäußert. Ziel des Vereins ist der Erhalt der Dialekte, die als altes Kulturgut wertvoll seien.

Oberpfalz und Niederbayern als Dialektgebiete

Im Jahr 2009 hat die UNESCO im Weltatlas der bedrohten Sprachen erstmals Bairisch aufgeführt. Niederbayern und die Oberpfalz seien jedoch noch dialektale Beharrungsgebiete, in denen der Dialekt erhalten bleiben könnte - im Gegensatz zum Mittelbairischen, das als gänzlich verloren gilt.

Erlernen des Dialekts am besten in früher Entwicklungsphase

Gerade im Kindesalter sei es laut des Vereins wichtig, den Dialekt nicht zu verbieten, sondern im Gegenteil zu fördern - auch im Kindergarten und der Schule. Bis zum zehnten Lebensjahr sei es Kindern möglich, den Ortsdialekt spielerisch und akzentfrei zu erlernen.

Sprachliches Konzept für Kindergarten: Bewusstsein für Muttersprache

Seit 2006 müssen die Bayerns Kindergärten in Bayern einen Bildungs- und Erziehungsplan (BEP) erstellen und darin auch Leitlinien für die Sprachförderung festlegen.

In einem sprachlichen Konzept, das vom Bund Bairischer Sprache für einen Kindergarten in Rattenberg ausgearbeitet wurde, heißt es: "Kinder sollen in ihrer angestammten Sprache bestärkt und ihnen spielerisch ein muttersprachliches Selbstbewusstsein vermittelt werden. Dabei kann immer wieder auf standarddeutsche Entsprechungen hingewiesen werden, ohne die dialektale Muttersprache abzuwerten und ihr die Salonfähigkeit abzusprechen."

Spielerisches Erlernen der Muttersprache und Standardsprache

Folglich ist es laut den Ausführungen des Bunds Bairischer Sprache durchaus sinnvoll, die hochdeutschen und dialektalen Wörter gegenüberzustellen und zu verknüpfen. Die Kinder lernten so spielerisch die Muttersprache und gleichzeitig die standarddeutschen Entsprechungen. Im Dialekt Gesprochenes als falsch zu bezeichnen und "austreiben" zu wollen, sei eine veraltete Ansicht: In den 70er-Jahren bestand der Mythos, Dialektsprecher hätten schlechtere Noten im Fach Deutsch, was durch Studien inzwischen widerlegt worden sei.

Dialekt bringt sogar Vorteile im Erlernen der Standardsprache

Im Gegenteil hätten Dialektsprecher sogar einige Vorteile gegenüber den hochdeutschen Sprechern: Da sie im Grunde wie zweisprachig aufwachsen, lernten sie auch Fremdsprachen wesentlich leichter.

Der Vereinsvorsitzende Sepp Obermeier sieht noch weitere positive Aspekte: "Kinder, die einen bairischen Basisdialekt sprechen, beherrschen bereits eine Varietät des Deutschen mit regelhaften grammatischen Strukturen und verfügen in Teilbereichen sogar über einen erheblich größeren Wortschatz."

Lesen Sie auch: Lichtenfelserin berichtet: Dialekt wurde in der Schule abgewöhnt