Laden...
Rosenheim
Hilfeschrei

Einzelhändler wollte Laden trotz Lockdown öffnen: Rückzieher wegen rechter Szene

Der Einzelhändler Udo Siebzehnrübl wollte ursprünglich am Montag seinen Laden trotz Lockdown öffnen. Er ist verzweifelt aufgrund der immensen Umsatzeinbußen. Nun macht er einen Rückzieher. Schuld sei die rechte Szene.
 
Symbolbild: Geschlossen
Udo Siebzehnrübl hat sich dagegen entschiedenen, seinen Laden trotz Lockdown zu öffnen. Symbolbild: Geschlossen Foto: Masaaki Komori / unsplash.com

Eigentlich wollte der bayerische Sportartikelhändler Udo Siebzehnrübl seine Läden am nächsten Montag (11. Januar 2021) trotz Lockdowns öffnen. Und so auf die Notlage vieler Händler aufmerksam machen - jetzt macht der Betreiber von Intersport-Läden allerdings einen Rückzieher. Auch Intersport distanzierte sich von dem Händler.

Die rechte Szene habe die Aktion für ihre Zwecke ausgenutzt, sagte Siebzehnrübl am Dienstag (05. Januar 2021) dem Bayerischen Rundfunk. "In dieses Fahrwasser soll Intersport nicht gezogen werden, da ist eine Grenze für mich erreicht." Er trete von seiner Ankündigung wieder zurück.

Einzelhändler wollte trotz Lockdown öffnen - jetzt macht er einen Rückzieher

"Ich bin kein Corona-Leugner und kein Querdenker", hatte Siebzehnrübl zuvor der Deutschen Presse-Agentur gesagt. Aber sein Familienunternehmen mit 100 Mitarbeitern mache Millionenverluste, habe das Lager voller Winterware und habe vom Staat seit März gerade einmal 15 000 Euro Hilfe bekommen. Weil sein Umsatzeinbruch unter 40 Prozent lag, habe er auch keinerlei Aussicht auf Überbrückungshilfe.

Nun hat sich auch Intersport von dem Sportartikelhändler Siebzehnrübl distanziert. "Hier geht es um gesellschaftliche Verantwortung und die haben wir alle zu tragen", sagte Vorstandschef Alexander von Preen. Zwar würden auch der Verbund und seine Geschäfte vor große wirtschaftliche Herausforderungen gestellt, hieß es in der Mitteilung vom Mittwoch. Die Beschlüsse von Bund und Ländern trage man aber mit, um eine weitere Verbreitung des Coronavirus zu verhindern.

Der Handelsverband Bayern sprach von einem "Hilfeschrei", der die Wut und Verzweiflung unzähliger Einzelhändler zeige, die um ihre Existenz kämpften. Während das Gastgewerbe Umsatzausfälle durch die Novemberhilfe zu 75 Prozent ersetzt bekomme, lasse die Politik den Handel "am ausgestreckten Arm verhungern", sagte Geschäftsführer Bernd Ohlmann: "Bis jetzt ist nur heiße Luft gekommen." Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) habe im September versichert, man werde "keinen Einzelhandel mehr schließen. Das wird nicht noch mal passieren." Im Vertrauen darauf hätten Textil-, Schuh- und Sporthändler Winterware für hunderte Millionen Euro bestellt, sagte Ohlmann. Viele Händler äußerten jetzt Verständnis und Respekt für Siebzehnrübls Aktion: "Viele schimpfen über die Politik."

Spahn versprach "keinen Lockdown mehr": Einzelhändler bestellten Winterware

Siebzehnrübl sagte, der Fachhandel müsse schließen, während Aldi und Lidl Jacken und Sportartikel verkauften. Er sei CSU-Mitglied, aber die Politik handle einäugig und ignoriere die langfristigen Zerstörungen.

Er wollte ursprünglich am Montag zumindest seine Läden in Rosenheim und Altötting öffnen. Aus der Bevölkerung habe er viel Zuspruch bekommen. Händlerkollegen aus anderen Städten hätten sich aus Solidarität für Montag zum Einkaufen bei ihm angekündigt. Bei einer Ladenöffnung im Lockdown droht dem Händler ein Bußgeld von 5000 Euro, im Wiederholungsfall mehr.