Töpfermärkte? Edith Memmel schüttelt den Kopf. "Schwierig", sagt die 61-Jährige. "Es gibt nur noch wenig gute." Mit "gut" meint die Töpfermeisterin aus dem kleinen Ort Burgstall am Rande des Frankenwalds (Gemeinde Mitwitz/Landkreis Kronach) solche, wo noch Umsatz zu machen sei, wo die Kunden das Handwerk noch zu schätzen wüssten.
Wer heute vom Töpfern leben will, muss eine Nische finden, "eine eigene Marke schaffen", sagt Edith Memmel. 1978 hat sie ihre Ausbildung als Keramikerin abgeschlossen, seit 1980 ist sie selbstständig - als Meisterin. "Ich war anfangs sehr blauäugig", erzählt sie. Es funktionierte dennoch. "Sie müssen Ihren Lebensstandard anpassen, auf Urlaub verzichten, das Geld immer zuerst in den Betrieb stecken." Im Fall von Edith Memmel ein Familienbetrieb. Ihr Mann arbeitet bei ihr als Geselle und Organisator. Dazu beschäftigt sie heute zwei weitere Mitarbeiterinnen, unter anderem eine Keramikmalerin.
Die beiden erwachsenen Töchter aber sind längst aus dem Haus. Am Töpferhandwerk haben sie kein Interesse. "Die sahen die Mühen des Handwerks", sagt Memmel und lächelt.
Mühen hat die gebürtige Unterfränkin nie gescheut, war stets engagiert, auch politisch. Sie war eine der ersten 15 Abgeordneten der Grünen, die 1986 den Einzug in den Landtag schafften. Dort saß sie für eine Periode.
Wirtschaftspolitisch ist sie noch heute aktiv - und das seit nunmehr 20 Jahren. Als langjährige Innungsobermeisterin der Töpfer- und Keramiker in Bayern kennt sie die Branche genau. "In unserem Job findet man in der Regel Einzelkämpfer", berichtet sie. Drei Viertel davon seien Frauen. Von den 420 Keramiker-Betrieben, die bei bayerischen Handwerkskammern in die Handwerksrolle eingetragen sind, arbeiten mehr als die Hälfte in Ober- und Niederbayern. In Oberfranken sind 50 verzeichnet, in Unterfranken 30 und in Mittelfranken 20. Einen Meisterzwang im Töpferhandwerk gibt es seit 2004 nicht mehr. Es gebe demnach viele Betriebe, die ohne Qualifikation als zulassungsfreies Gewerk eingetragen wurden, berichtet Memmel. Wie sich die Branche entwickelt hat, zeigen am deutlichsten die Zahlen der Innung. Als Memmel ihr Ehrenamt antrat, gab es rund 120 Mitgliedsbetriebe. Vor zehn Jahren waren es 100. Heute sind es noch 60.


"Wirklich reich wird man nicht davon" , sagt Memmels Mann. Man könne aber mit guter Vermarktung viel bewirken. Memmel verkauft nicht nur in Burgstall, sie ist seit 1998 auch auf der Insel Rügen aktiv. Dort oben besitzt sie nicht nur einen Verkaufsladen, sondern auch eine Werkstatt. In Kürze geht es wieder los. Im 14-tägigen Wechsel mit einer Kollegin aus Nürnberg ist sie dort vor Ort, verlässt dann das fränkische Burgstall und führt jeweils für zwei Wochen ein Inselleben - 160 bis 180 Tage im Jahr. Wenn keine Kunden auftauchen, dann arbeitet sie auf Rügen an neuen Produkten. "Es hat sich gerechnet", erzählt sie. Vor allem Touristen aus Bayern und Baden-Württemberg sind treue Kunden. Den Großteil ihres Umsatzes macht Memmel inzwischen an ihrem zweiten Standort auf Rügen.

Das Wichtigste sei, Qualität zu bieten. Billige Sachen brächten gar nichts. "Die guten, teuren Sachen sind immer als erstes weg", berichtet Memmel, die zu 70 Prozent Geschirr produziert. Daneben sei es entscheidend, die Kunden zu inspirieren: "Dekorationsvorschläge, das Anrichten zelebrieren, alles heimelig und schmackhaft machen." Für den Erfolg brauche ein Töpfer auch den nötigen Geschäftssinn, müsse kalkulieren können. "Auch wenn ich für eine Eineinhalb-Liter-Teekanne eigentlich wegen des Aufwands 75 Euro verlangen müsste, muss ich sie im Laden etwas billiger anbieten", erklärt Memmel. Das gleiche man dann mit dem Preis für Tassen wieder aus, die einfacher zu fertigen seien. "Eine Mischkalkulation", sagt Memmel und nickt zufrieden. 33 Lehrlinge hat die Töpfermeisterin in ihrem Arbeitsleben bisher ausgebildet. Viele haben nach der Ausbildung die Branche gewechselt. Aber vom Potenzial ihres Berufes ist sie nach wie vor überzeugt. "Keramik ist ein Stoff der Zukunft, gefragt auch in der Industrie", sagt sie.


Tag der offenen Töpferei - 21 Mal in Franken

Die Keramiker laden an diesem Wochenende überall in Franken dazu ein, ihre geöffneten Ton-Werkstätten, Studios und Ateliers zu besuchen (am Samstag und am Sonntag, jeweils von 10 bis 18 Uhr):

Unterfranken Töpferei Reiss, Erlenweg 1, 97688 Bad Kissingen-Winkels; Töpferei Gertrud Schneider, Am Wereth 1, 97488 Stadtlauringen; Keramikwerkstatt Christl Kranz, Peter-Haupt-Straße 37, 97080 Würzburg; Keramikwerkstatt Bösl, Dr.-Heim-Straße 11, 97232 Giebelstadt-Essfeld; Keramik Heidrun Traupe, Rathausgasse 1, 97286 Sommerhausen; Töpferei Seebeck, Haus-Nr.92, 97348 Hüttenheim

Mittelfranken Töpferei Clemens Schleifer, Unterlaimbach 46, 91443 Scheinfeld; Töpferei Gabi Rittmaier, Sterpersdorf 26, 91315 Höchstadt/Aisch; Keramische Werkstätte Kamphans, Chausseehaus 1, 91628 Steinsfeld; Töpferei Seiler, Bahnhofstraße 18, 91578 Leutershausen

Oberfranken Töpferei Ingrid Schacht, Weidenloh 5, 91278 Pottenstein; Töpferei Burgstall, Burgstall 15, 96268 Mitwitz; Töpferei Georg Krosch, Marktplatz 12, 96224 Burgkunstadt; Töpferei Drehwurm, Motschenbach 12, 95336 Mainleus; Töpferei Knapp, Lindauerstraße 8, 95367 Trebgast, Töpferei Trommler, Peesten 19, 95359 Kasendorf; Töpferei am Museum Roger le Dieu, Kirchplatz 9a, 95349 Thurnau; Töpferei Renner, Eckersdorfer Weg 1, 95349 Thurnau; Töpferei Schnauder-Sanke, Am Damm 2, 95349 Thurnau; Keramik im blauen Haus, Eiergasse 13, 96142 Hollfeld; Töpferei Tonart, Schulö straße 6, 96169 Lauter