Warnstreiks bei der Post - auch in Bayern: Mit Blick auf die nächste Verhandlungsrunde mit der Deutschen Post hat die Gewerkschaft Verdi am Mittwochmorgen zu Warnstreiks aufgerufen. Zum Auftakt legten Postbeschäftigte nach Gewerkschaftsangaben am Morgen an mehreren Standorten in NRW sowie am Münchner Briefzentrum ihre Arbeit nieder.

Weitere Warnstreiks sollen in den nächsten Tagen folgen. Allein in Bayern soll an rund 80 Standorten mit mehreren Tausenden Beteiligten die Arbeit ruhen. Bisher stufte die Post die Auswirkungen des Streiks als überschaubar ein.

Streiks bei der Deutschen Post: Beschäftige an rund 80 Standorten in Bayern sollen Arbeit niederlegen

Ein Sprecher gab gegenüber der Deutschen Presse-Agentur an, dass bisher keine größeren Folgen für die Kunden zu erwarten seien. In Regionen, die stärker betroffen sind, werden die Sendungen am Folgetag zugestellt. Verdi Bayern bezeichnet die bisherige Beteiligung an der Streiks als "enorm" ein. "Insbesondere die Paketzusteller*innen, die seit Monaten am Limit sind, folgen unserem Streikaufruf", so David Merck, Leiter des Fachbereichs Postdienste in Bayern.  

Die folgenden Standorte in Franken wurde laut Verdi Bayern zum Streik aufgerufen:

  • Niederlassung Würzburg: Briefzentrum Bamberg, Zustellstützpunkt Hassfurt, Zustellstützpunkt Kitzingen 7, Zustellstützpunkt Coburg, Zustellstützpunkt Dettelbach, Zustellstützpunkt Bad Königshofen, Zustellstützpunkt Eisingen
  • Niederlassung Zwickau/Bereich Bayern (zuständig für Hof)
  • Niederlassung Nürnberg (zuständig für Nürnberg, Feucht, Schwabach, Forchheim, Roßtal, Schwarzenbruck und Dinkelsbühl)

Grund für die Streiks ist der Konflikt in den Tarifverhandlungen. Man interpretiere das zuletzt unterbreitete Angebot als "Provokation und das werden sich unsere Mitglieder, die Tag für Tag zum Unternehmenserfolg beitragen, nicht einfach so bieten lassen", sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende und Verhandlungsführerin Andrea Kocsis am Mittwoch. Der Post-Konzern habe sein Ergebnis in der Corona-Pandemie deutlich steigern können.

Nach Angaben der Gewerkschaft wollte die Deutsche Post ihren rund 140 000 Beschäftigten zuletzt 1,5 Prozent mehr Geld für zwölf Monate anbieten. Dagegen hält Verdi an einer Einkommenserhöhung von 5,5 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten fest. Zudem sollen Azubis und Dual-Studierende eine monatliche Erhöhung von 90 Euro erhalten. Die nächste Verhandlungsrunde findet am 21./22. September statt.

Die Deutsche Post DHL hatte Anfang August gute Geschäftszahlen für das vergangene Quartal gemeldet. Insgesamt legte der Umsatz des Logistikriesen zwischen April und Juni um rund drei Prozent auf knapp 16 Milliarden Euro zu. Der auf die Aktionäre entfallende Gewinn erhöhte sich sogar um 14,6 Prozent auf 525 Millionen Euro. Wachstumstreiber war insbesondere der E-Commerce-Boom in der Corona-Krise, der das Paketgeschäft anheizte.