Aus dem Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) geht hervor, dass Gorleben nicht mehr auf der Liste der möglichen Endlager in Deutschland steht. Dafür ist ganz Franken und 70 Prozent der Flächen in Bayern ausgewiesen. 

Mit Gorleben in Niedersachsen hätte es bereits einen gut erkundeten Standort für ein sicheres und fast schlüsselfertiges Endlager gegeben, sagte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) dem "Spiegel". Man habe "nur aus politischen Gründen den Schlüssel abgezogen. Dieser Prozess wird über Jahrzehnte in Deutschland für Unruhe sorgen und Milliarden kosten", sagte Glauber. Den Neustart des Verfahrens hatten seiner Zeit Union, SPD und Grüne ausgehandelt und beschlossen.

Update vom 28.09.2020, 12.30 Uhr: Atommüll-Endlager - ganz Franken wäre betroffen

"Deutschland braucht natürlich eine Lösung", startete Bayerns Ministerpräsident Markus Söder in die Pressekonferenz (28. September 2020) um die Thematik möglicher Atommüll-Endlager in Bayern. Die Entscheidung, wo ein solches Endlager entsteht, müsse jedoch auf wissenschaftlicher Basis passieren. Die Anschuldigung, dass Bayern sich aus seiner Verantwortung ziehen würde, sei falsch, so Söder. Aktuell trage Bayern die Hauptlast des Atommülls. 

Die Bevölkerung sei enorm verunsichert. Nicht nur, dass Tschechien nahe Bayern ein Atommüll-Endlager errichten wolle, auf der Karte im Zwischenbericht des BGE seien auch 70 Prozent der Flächen Bayerns für ein entsprechendes Endlager in Deutschland ausgewiesen. "Zwei Drittel von Bayern wären auf der jetzigen Karte betroffen: Darunter ganz Unterfranken, ganz Oberfranken, ganz Mittelfranken", sagte Söder in der Pressekonferenz.

Söder verstehe nicht, warum Gorleben, als meist untersuchter Ort im Hinblick auf ein Endlager, nun fundamental ausgeschlossen wird. Zudem sei es interessant und mutig festzulegen, dass ein Atommüll-Endlager eine Million Jahre halten muss. "Wenn man sagt, dass dieses Lager eine Million Jahre verpflichtend halten muss, dann muss man die geologisch sicherste Variante nehmen", so der Ministerpräsident. In Bayern hätten wir drei denkbare Gesteinsmöglichkeiten: Salz, Ton und Granit.

Der Ton beispielsweise in Schwaben sei allerdings zu dünn, der Granit in Bayern zu zerklüftet. "Die Granitvorkommen in Bayern wurden noch nie untersucht", fügte Umweltminister Thorsten Glauber an. Jetzt 70 Prozent der Flächen von Bayern auszuweisen, obwohl der Granit durch den tektonischen Druck der Alpen auf Bayern zerklüftet ist, stelle nicht die geologische Sicherheit in den Mittelpunkt. Glauber kritisierte außerdem, dass es nicht zielgerichtet sei 54 Prozent Deutschlands als möglichen Standort auszuweisen. "So eine Ausweisung kann auch ein Student im dritten Semester", sagte er.

Söder ergänzte, dass er es für nicht gerade sinnvoll halte, direkt neben den Bayerischen Wald - den größten Nationalpark Deutschlands - ein Atommüll-Endlager zu setzen. Allerdings werde sich Bayern bei der Debatte mit einbringen und seiner Verantwortung nachgehen. Niemand bräuchte aktuell in Sorge sein, da eine Entscheidung erst in elf Jahren fällig wird. Die Inbetriebnahme des Endlagers soll planmäßig in 50 Jahren sein. 

Glauber forderte abschließend, dass es ein zügiges Verfahren vom Bund aus geben müsse. Außerdem, dass eine vernünftige Lösung gefunden wird und bei der Endlagerung des hoch radioaktiven Materials der Schutz der Menschen im Mittelpunkt stehen muss. 

Erstmeldung vom 18.09.2020: Atommüll-Endlager in Bayern - Mit Entscheidung vorgeprescht?

Der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD) kritisierte die Äußerungen aus Bayern. «Unverantwortlich, dass Bayern schon jetzt aus dem Konsens aller Bundesländer ausschert, ergebnisoffen nach einem Atom-Endlager zu suchen», sagte Lies in Hannover. Er forderte den bayerischen Ministerpräsident Markus Söder (CSU) auf, diesen «plumpen Versuch» seines Umweltministers zu unterbinden.

Atom-Endlager in Deutschland: Bayern prescht mit Entscheidung vor

Im «Spiegel» nannte Lies das Verfahren zur Endlagersuche sinnvoll. «Ich habe mich nicht um ein Endlager beworben», sagte er. «Aber auch wir haben die entsprechenden Gesteinsarten in Niedersachsen, das kann ich doch nicht leugnen.» Mithilfe eines Begleitforums wolle er Bürger frühzeitig einbinden.

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung forscht seit 2017 nach einem Endlagerstandort für hoch radioaktiven Abfall und prüft zunächst geologische Gegebenheiten. Die bundesweite Endlagererkundung war angesichts des jahrzehntelangen hartnäckigen Widerstands gegen den Ende der siebziger Jahre bereits ins Auge gefassten Standort Gorleben gestartet worden. Am 28. September sollen in Berlin bundesweit geeignete Teilgebiete für ein Endlager benannt werden. Laut Standortsuchgesetz soll die Suche 2031 mit einer Entscheidung enden.