Die Corona-Pandemie ist alles andere als vorbei, die Zahlen erreichen eine dramatische Dynamik, auch und vor allem in Bayern. Das ist nicht zu leugnen, es müssen Maßnahmen getroffen werden. 

Was der bayerischen Staatsregierung gerade in Bezug auf Kinder und Jugendliche eingefallen ist, lässt verwundert und sicher nicht nur mich wütend zurück.  Diejenigen, die seit 20 Monaten stets am heftigsten betroffen waren von allen Maßnahmen und von allen Lockerungen als Letzte profitierten, sollen nun auch wieder mit am stärksten eingeschränkt werden: Kinder und Jugendliche. 

Jugendliche bekommen durch 2G zu viel Verantwortung aufgebürdet

Jugendliche von 12 bis 17 Jahren dürfen sich bis Ende des Jahres noch Aktivitäten wie Sport, Musik und Theatergruppen anschauen, danach endet die Übergangsfrist und 2G (Zutritt nur für Geimpfte und Genesene) gilt auch für sie auch für diese Gelegenheiten. Bereits ab jetzt dürfen sie nicht mehr in Kinos und auf öffentliche Veranstaltungen wie Messen, Konzerte etc. – die Übergangsregel gilt nur für die oben genannten „Eigenaktivitäten“. 

Jetzt ist nichts dagegen einzuwenden, auch die Impfquote bei den 12- bis 17-Jährigen voranzutreiben, aber die Gewichtung der Maßnahmen erscheint doch ziemlich unausgewogen. Jugendliche, die sich gerne impfen lassen wollen, aber zum Beispiel Eltern haben, die sich dagegen aussprechen, haben es jetzt sehr schwer, obwohl sie nichts dafürkönnen. Sie sind eben nicht komplett unabhängig in ihrer Entscheidung. 

Es ist ebenfalls nicht gerecht, von ihnen das gleiche Level an Verantwortung zu verlangen wie von den älteren Ungeimpften, die zum allergrößten Teil freiwillig darauf verzichten, sich und auch andere zu schützen. Natürlich sind die Menschen in Bayern ab 18 ab sofort von allen 2G-Regeln betroffen und können ungeimpft nicht mehr in Clubs, zu Konzerten und ähnlichem. Diese hatten jedoch auch deutlich länger Zeit, sich mit dem Thema zu beschäftigen und sich zu einer Impfung durchzuringen. Für Jugendliche ist eine Impfung weder so lange zugelassen noch empfohlen wie für Ältere. Es ist schlicht unfair, dieser Altersgruppe deutlich weniger Zeit zu lassen, bevor man härtere Maßnahmen veranschlagt als jenen über 18. 

Die erstaunliche Geduld der Jugend

Wie sehr Kinder und Jugendliche vergessen und missachtet werden, zeigt sich nicht nur in dem Fakt, dass sie stets länger und härter betroffen waren von Regelungen als Erwachsene (Gibt es gerade eine Maskenpflicht am Platz in Büros? Eben.), sondern auch in anderen Bereichen: Luftfilter für Schulen, sinnvolle räumliche Konzepte, eine ordentliche, verlässliche Digitalisierung von Unterricht: Immer alles verzögert, unter „ferner liefen“. 

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Mit bewundernswerter Duldsamkeit haben die Kinder und Jugendlichen die Einschränkungen der letzten 20 Monate ertragen und mitgetragen, während wir das alberne Geschrei von Verschwörungstheoretiker*innen ertragen mussten, die angeblich im Supermarkt unter ihrer Maske zu ersticken drohten oder sich vor Impfmücken und Nanochips ängstigten. Zur Belohnung geht die Staatsregierung jetzt vor allem auf die Zielgruppe los, die sich aktuell am wenigsten lautstark wehren kann. 

Es mag eine gemeine Unterstellung sein, aber ein Eindruck drängt sich auf: Maskenverweigernde und Impfskeptiker*innen betrachtet man als potenzielle Wählerschaft für eine rechtskonservative Regierung – Kinder und Jugendliche sind auch hier weniger attraktiv. 

Es droht eine Gesellschaft der Erkrankten

Der Effekt der aktuellen Maßnahmen in Bayern ist: Jugendliche werden von Teilen des kulturellen Lebens ausgeschlossen, weil es schlicht unrealistisch ist, dass sie sich alle in den kommenden zwei Wochen impfen lassen werden. Es ist unerträglich, wie die Politik um das Thema der Impfpflicht herumschleicht, immer wieder zaghafte Vorstöße wagt, die in diese Richtung gehen, aber dann doch zurückzuckt und stattdessen Unfug wie 2G für Jugendliche beschließt. 

Traut euch doch endlich – der alberne Eiertanz mit 3G, 3G-Plus, 2G und neuerdings 2G-Plus ist nur noch lächerlich. Wenn eine Impfpflicht für alle zu groß erscheint, dann doch wenigstens für die relevanten Berufsgruppen. Wer etwa in der Alten- oder Krankenpflege oder in einer Schule arbeitet, sich aber gegen eine Impfung aus freien Stücken entscheidet, hat dort ehrlich gesagt nichts zu suchen. 

Es ist an der Zeit, dass Politik und Gesellschaft endlich die Belastungen der heranwachsenden Generation erkennen. Sonst gibt es irgendwann ein böses Erwachen in einer Gesellschaft, in der extrem viele Menschen psychische und physische Folgen der Corona-Pandemie ertragen müssen. Long Covid und Depressionen – ein Schicksal, das immer mehr Kinder und Jugendliche erwartet, wenn weiter nichts passiert. 

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