Es scheint, als sei das Schlimmste schon vorbei. Die Zahl der Corona-Infizierten steigt nicht mehr so schnell wie zu Beginn der Epidemie, die Zahl der Genesenen ist inzwischen deutlich höher. Das Leben in Deutschland und Bayern wird wieder hochgefahren. Geschäfte öffnen, ab Montag darf auch die Gastronomie in Bayern wieder etwas aufatmen. Schüler kehren schrittweise in die Schulen zurück. Alles in bester Ordnung also? Leider nicht, mahnt Bayerns Ministerpräsident in einer Video-Botschaft an die Bevölkerung. 

"Wir haben großes Glück gehabt", sagt der Ministerpräsident zu Beginn seines Statements. Bayern sei gut durch die Corona-Krise gekommen. Mit Blick auf die Anfangszeit von Corona zieht Söder eine positive Zwischenbilanz. Man habe Bayern gut geschützt. Vor allem dank des richtigen und schnellen Vorgehens der Politik, aber auch dank dem Mitgehen, dem Anpacken und dem Verständnis der Bevölkerung. Söder stellt selbst die Frage, die viele Menschen derzeit beschäftigt, nämlich: "War das alles [gemeint sind die strengen Corona-Maßnahmen in Bayern, also Ausgangsbeschränkungen, Shutdown, Maskenpflicht...] notwendig?". Der 53-Jährige meint dazu: "Natürlich", und verweist auf die teils extremen Folgen in den Nachbarländern, beispielsweise Italien oder Frankreich, aber auch weiter weg, etwa in den USA.

Söder mahnt: Corona-Krise ist noch nicht vorbei - Sorge vor zweiter Welle

Söder stimmt die Menschen in seiner Botschaft auf weitere schwere Zeiten ein. Die Corona-Krise sei leider noch nicht vorbei. "Wir hören in den Nachrichten, dass es Rückfälle gibt, auch in Ländern, die scheinbar schon durch die Krise gekommen sind." Söder nennt zwar keine konkreten Beispiele, gemeint sein könnten aber beispielsweise Länder wie Südkorea oder China. In Südkorea schien die Lage weitgehend im Griff zu sein - es gab bereits weitreichende Lockerungen. Dann besuchte ein Mann fünf Nachtclubs in Seoul - und die Infektionszahlen stiegen erneut. Auch in China gibt es Rückschläge im Kampf gegen das Coronavirus. Zuletzt wurde die Millionenstadt Jilin nach einem Ausbruch teilweise abgeschottet. Szenarien, die Söder offenbar unbedingt vermeiden will.

So lange es weiter keinen Impfstoff und keine Medikamente gegen das Virus gebe, so lange müsse man aufmerksam und wachsam bleiben, mahnte Bayerns Ministerpräsident: "Ein Rückfall ist meistens schlimmer als der erste Ansturm einer solchen Welle."

Auch die Verschwörungstheoretiker spricht Söder in dem Video direkt an. Söder nennt Fake News und kritisiert "krasse Aussagen" sowie Angriffe auf Menschen, Mediziner und Virologen. Man wolle Bayern weiter gut durch die Krise steuern. Damit das gelinge, sollen die Menschen sich nicht verunsichern lassen und nicht auf Verschwörungstheoretiker hören. Einer Einführung einer Impfpflicht erteilt Söder in seinem Statement nochmals eine klare Absage - wie auch Kanzleramtschef Helge Braun bereits am Samstag (siehe Update vom 16.05., 10.30 Uhr) - auch, weil es noch gar keinen Impfstoff gebe. Und selbst wenn das der Fall sein sollte, würde es keine Impfpflicht geben. 

Zeit für vorsichtigen Optimismus ist gekommen, aber...

Söder zeigt sich davon überzeugt, dass die wirtschaftlichen Corona-Folgen hierzulande zu meistern sein werden. "Ich bin fest davon überzeugt, wir kommen viel besser durch diese Krise, als die meisten anderen Regionen der Welt".  Es ist nun wieder die Zeit für mehr Optimismus in Bayern - aber man solle wachsam bleiben, um den "Vorsprung, den wir haben, nicht zu verspielen und die Fehler machen, die andere vor uns schon gemacht haben", sagt Söder zum Abschluss. 

Hier können Sie sich die komplette Videobotschaft von Markus Söder noch einmal in voller Länge ansehen: