Die bayerische Staatsregierung will künftig von der Sieben-Tage-Inzidenz als alleinigem Maßstab in der Corona-Politik abrücken. "Aufgrund der hohen Impfquote ist die Methodik der ersten drei Wellen, also sich nur auf die Inzidenz zu konzentrieren, nicht mehr passend", sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) der "Mediengruppe Münchner Merkur tz" am Samstag (21. August 2021).

Söder kündigte an, dass sich Bayern an das baden-württembergische Modell anlehnen werde. "Das heißt: 3G - getestet, geimpft und genesen - gilt künftig unabhängig von der Inzidenz." Am Freitag verkündete Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU), was sich am Montag (23. August 2021 in Bayern ändern wird.

Krankenhaus-Ampel für Corona-Einschränkungen in Bayern

In Baden-Württemberg genießen Geimpfte und Genesene seit dem 16. August unabhängig von lokalen oder regionalen Corona-Inzidenzen in vielen Bereichen wieder größere Freiheiten. Hingegen müssen Ungeimpfte und Nicht-Genesene wesentlich häufiger als bisher negative Antigen-Schnelltests vorweisen, die jeweils nicht älter als 24 Stunden sein dürfen. 

Für mögliche Einschränkungen will Bayern nach Söders Angaben eine Krankenhaus-Ampel einführen, mit der die Lage auf den Intensivstationen ersichtlich werden soll. "Da wir uns bei der Ministerpräsidentenkonferenz nicht einigen konnten, entwickeln wir das in Bayern selbst", sagte Söder weiter. Einen weiteren Lockdown soll es nicht geben: Das könne man vor Geimpften und Genesenen nicht rechtfertigen. "Ich hoffe sehr, dass wir wegen des Impffortschritts überhaupt nicht in die Situation kommen", sagte Söder.

Auf die Frage, ob es im Extremfall Freiheiten nur für Geimpfte und Genesene geben werde, sagte Söder: "Der Freistaat plant das nicht. Sie werden aber erleben, dass einzelne Veranstalter, Vereine und private Anbieter auf 2G gehen."

Neue Corona-Ampel für Bayern: Freie Wähler begrüßen Idee

Die Neuausrichtung der bayerischen Corona-Politik wird vonseiten der Freien Wähler begrüßt. "Die Auseinandersetzung darüber, ob in Bayern 2G oder 3G gelten soll und die alleinige Fokussierung aller Corona-Maßnahmen auf den Inzidenzwert, sind in den letzten Wochen zum Zankapfel unserer Bayernkoalition geworden. Mit seinem Bekenntnis zur Gleichstellung von Geimpften, Getesteten und Genesenen und der Ankündigung, vom Inzidenzwert als alleinseligmachender Corona-Kennziffer abzurücken, hat der Ministerpräsident beide Streitpunkte nach den Vorstellungen von uns Freien Wählern aufgelöst", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Freien Wähler, Fabian Mehring. 

Die neue Bestimmung ohne Inzidenz als Entscheidungsträger und mit 3G-Regel als Standard könnte flächendeckend die Corona-Maßnahmen vereinfachen und ein ständiges Hin und Her der Regelungen vermeiden. Laut Mehring sei die 3-G-Regel die "Zauberformel", um Normalität und Sicherheit unter einen Hut zu bringen. Sie "verständlich, befolgbar, und effektiv".

3G-Regel und Inzidenz-Schwellenwerte - die Corona-Regeln in Bayern im Überblick.