Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sieht trotz der hohen Corona-Infektionszahlen nach wie vor eine Chance auf ein Weihnachtsfest mit der Familie.

"Es soll das Ziel sein, doch im Kreis der Familie feiern zu können, aber da haben wir noch ein Stück Wegstrecke vor uns", sagte Söder bei einem Besuch des Universitätsklinikums Augsburg am vergangenen Donnerstag. Zwar werde Weihnachten in diesem Jahr anders als sonst, weil etwa Weihnachtsmärkte oder große Urlaube fehlten. Dennoch betonte Söder mit Blick auf die getroffenen Maßnahmen: "Je mehr wir uns in den nächsten Wochen zusammenreißen, desto besser ist es an Weihnachten."

Söder: Weihnachten soll im kleinen Kreis verbracht werden

Söder appelliert erneut an die Vernunft und das Durchhaltevermögen der Bürger. In der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin" sagte Söder am Sonntag: "Es wird kein Weihnachten sein, wie wir es normalerweise kennen." Trotzdem hält er es für möglich, das Weihnachtsfest im Kreis der Familie feiern zu können, wenn auch nicht unbedingt mit der Großfamilie. 

Damit das Vorhaben gelingen kann, findet die Forderung nach zusätzlichen Maßnahmen unter den Ländern immer mehr Zustimmung. SPD- und Unions-Ministerpräsidenten halten die Schließung der Gastronomie bis zum 20. Dezember für möglich. Auch deutlichere Einschränkungen des Präsenzunterrichts an Oberstufen und Berufsschulen, sowie eine Ausweitung der Weihnachtsferien sei denkbar. 

Besorgt zeigte sich Söder vor allem aufgrund von Silvester und den damit einhergehenden Partys. Menschenansammlungen zum Jahreswechsel und Skiurlaube seien problematisch. Debattiert werden dazu aktuell Alkohol-Beschränkungen auf größeren Plätzen, sowie ein Böllerverbot zum Jahreswechsel.

Söder äußert sich zu Corona-Situation an Schulen

Derzeit scheinen sich die Infektionszahlen zwar zu stabilisieren, sie seien aber weiter auf hohem Niveau, mahnte Söder. Die Belegungen in den Krankenhäusern und die Zahl der Todesfälle stiegen deutlich an.

Der Ministerpräsident stimmte außerdem Schüler, Eltern und Lehrer in Bayern auf Klassenteilungen und Wechselunterricht zumindest in einigen Klassenstufen und in schweren Corona-Hotspots ein. "Ich bin der festen Überzeugung: Schulen sollen offen bleiben, aber nicht auf Biegen und Brechen", sagte Söder bereits am Dienstag in München. Erst kürzlich wurden neue Corona-Regeln an Bayerns Schulen angepasst. 

Man müsse nun genau prüfen, in welchen Jahrgängen es ein besonders hohes Infektionsgeschehen gebe, wie man Lehrer besser schützen könne und wie man den Schulalltag möglicherweise mit einem Wechselunterricht für bestimmte Klassen gewährleisten könne. Dies könne auch ein Modell im Rahmen einer Hotspot-Strategie sein.

Corona-Entwicklung: Vorerst keine Lockerungen in Sicht

Bund und Länder hatten Entscheidungen über eine Fortsetzung des befristeten Teil-Lockdowns und über mögliche Verschärfungen an Schulen am Dienstag auf kommende Woche vertagt. In einer Beschlussvorlage des Bundes, die die Länder in wesentlichen Teilen einkassierten, war bereits von Klassenteilungen die Rede gewesen.

Söder verteidigte das Vorgehen: "Ich hätte mir auch deutlich mehr vorstellen können. Aber es ist auch nicht falsch, das nächste Woche zu machen, und zwar mit einer längerfristigen Perspektive."

Er bekräftigte erneut, für Lockerungen sehe er "keinen Spielraum". "Denn die Zahlen gehen zwar etwas runter, aber sie gehen nicht so runter, dass es seriös wäre, jetzt einfach wieder alles aufzumachen." Man müsse vielmehr überlegen, "wo wir es noch vertiefen können". Er sagte aber, es solle "keine Einschränkungen bei der Wirtschaft" geben.

Söder: Bei längerem Teil-Lockdown auch längere Corona-Hilfen

Im Falle einer Verlängerung des Teil-Lockdowns im Dezember fordert Söder auch eine Verlängerung der finanziellen Hilfen für Betroffene. Es müsste dann nicht nur November-, sondern auch Dezember-Hilfen geben, sagte Söder am Mittwoch in München. Dabei machte er erneut deutlich, dass Lockerungen der Corona-Beschränkungen aus seiner Sicht noch unrealistisch sind. Man dürfe eine beginnend erfolgreiche Therapie nicht zu früh abbrechen - es müsse austherapiert werden.

Söder sagte, es sei zwar gelungen, die Corona-Welle zu brechen. "Der exponentielle Anstieg ist gebremst", sagte er. "Aber es geht nicht wirklich runter." Bei den Beratungen von Bund und Ländern in der kommenden Woche müsse man deshalb ein Stück weit berechnen, wie lange es dauere, bis man den Wert von maximal 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen erreiche. Dann müsse man eine Strategie entwickeln, mit welchen Maßnahmen man diesen Wert erzielen wolle.

Söder sprach sich insbesondere für eine "nationale Hotspot-Strategie" aus. Bereits am Dienstag hatte er beispielsweise Verschärfungen der Anti-Corona-Maßnahmen an den Schulen für bestimmte Klassenstufen und speziell in Regionen mit dramatischen Corona-Zahlen angedeutet.

Kommende Woche wollen zunächst die Länder untereinander und dann zusammen mit dem Bund entscheiden, ob der bis Monatsende befristete Teil-Lockdown in den Dezember verlängert und noch verschärft wird. Für Donnerstag kommender Woche kündigte Söder eine Kabinettssitzung zur Umsetzung der erwarteten Bund-Länder-Beschlüsse an, und für Freitag kommender Woche eine neuerliche Sondersitzung im Landtag.

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