Mit einer Mitteilung, die als Machtwort zu werten ist, hat Bayerns Kultusminister Michael Piazolo auf das Quarantäne-Wirrwarr an bayerischen Schulen reagiert. Lange war unklar, wer Schüler*innen oder gar ganze Klassen bei einem oder mehreren positiven Coronatests in Quarantäne schicken dürfen. Vereinzelt ist sogar von "einer Farce" die Rede. Die neuen Zuständigkeiten könnten schwerwiegende Folgen haben.

Tritt ein positiver Coronafall in einer Klasse auf, wurde an bayerischen Schulen bislang offenbar unterschiedlich reagiert. Das berichtet der Bayerische Rundfunk (BR). So würden Schulleiter bei einzelnen Schulen im Freistaat Banknachbar*innen beziehungsweise ganze Klassen in Quarantäne schicken. Aber nicht die Schulleitung, nicht Lehrkräfte oder das Kultusministerium dürfen Kontaktpersonen in Quarantäne schicken, schreibt das Kultusministerium in einem Brief, der vor wenigen Tagen verschickt wurde. Wichtige Passagen sollen teils gefettet und sogar unterstrichen worden sein, so wichtig war dem Kultusministerium der Hinweis auf die Anweisung.

Quarantäne-Wirrwarr an bayerischen Schulen: Piazolo spricht Machtwort

"Quarantäne-Entscheidungen trifft immer das Gesundheitsamt", wird Piazolo vom BR zitiert. Diese Anweisung bekräftigt der bayerische Kultusminister nach einer Videoschalte des bayerischen Kabinetts. Bis dahin müssen Schüler*innen auch am Präsenzunterricht teilnehmen.

Wie verwirrend die Handhabung bislang offensichtlich war, das zeigt ein Fall aus München, über den der BR berichtet: Innerhalb weniger Tage bekamen Schulen widersprüchliche Anweisungen. Erst verschickte das Landratsamt eine Anweisung, dass neben den Infizierten auch der Banknachbar in Quarantäne geschickt werden muss.

Das heißt: Gibt es einen positiven PCR-Test in einer Klasse, dann muss auch die Person, die neben dem/der Betroffenen sitzt, in Quarantäne. Bei einem zweiten positiven PCR-Test betrifft die Isolierung sogar die ganze Klasse. Laut Anweisung des Landratsamtes würde die Quarantäne dann fünf Tage andauern.

Kultusministerium-Anweisung stößt auf massive Kritik - "eine Farce" und Teil des Problems?

Wenige Tage später folgte dann die Korrektur durch das Kultusministerium, dass nur Gesundheitsämter über die Quarantäne von einzelnen Schüler*innen entscheiden dürfen. Jede Schule, die eigenmächtig mehrere Schüler in Quarantäne beordert hatte, müsste diese jetzt schnell in den Präsenzunterricht zurückholen.

Diese Anweisung aus dem Kultusministerium stößt zum Teil auf massive Kritik. So spricht der stellvertretende Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Florian Kohl, von "einer Farce". Er sieht im Gespräch mit dem BR eine starke Verzögerung durch die Gesundheitsämter.

"Sollte ein Kind positiv getestet werden, kann es dauern, bis der PCR-Test das bestätigt", erklärt Kohl. Denn: Die Gesundheitsminister sind teilweise maßlos überlastet. Kontaktpersonen werden oft erst deutlich später als empfohlen über ihren Status informiert. "In Anbetracht der Aussagen von Kultusminister Piazolo, Schulen seien sicher, kann man die neuen Quarantäne-Regelungen nur als Farce betrachten." Durch die Anweisung des Kultusministeriums könnten Schulen unsicherer werden, so Kohl.