Die Corona-Pandemie hat auch den Schülern in Bayern viel abverlangt. Durch Distanz- und Wechselunterricht sowie die teils verlängerten Ferien sind viele Klassen beim Lernstoff in den Rückstand geraten. Wie Kultusminister Michael Piazolo am Montag (07.06.2021) in der BR-Rundschau sagte, sei noch ausreichend Zeit, um diese Wissenslücken zu füllen.

Dafür soll es zwei Wochen zusätzlichen Unterricht in den Sommerferien geben. Über das freiwillige Angebot hinaus soll es auch an anderer Stelle mehr individuelle Förderung geben, auch "im nächsten und übernächsten Schuljahr."

"Genug Zeit um Wissenslücken zu füllen": Piazolo plant Sommerschule und Förderangebote für bayerische Schüler

Als Beispiele für solche Fördermöglichkeiten wurden bereits im Mai beispielsweise etwa eine Differenzierung je nach Leistungsstand im Pflichtunterricht, geteilte Gruppen oder Zusatzkurse am Nachmittag genannt. Zugleich sollen Aktivitäten wie Orchester, Chor oder Fußball-Schulmannschaften baldmöglichst wieder hochgefahren werden, um die sozialen Kompetenzen zu stärken. "Für dieses Jahr besteht gar nicht die Erwartung, dass der ganze Lehrplan abgearbeitet werden kann", erklärte Piazolo im BR. Die Sommerschule sei dabei vor allem für Schüler empfohlen, die in den Kernfächern zurückgefallen oder auf Probe vorgerückt seien.

Wann die Sommerschule genau stattfindet, entscheiden die Schulen selbst. "Es sollen zwei Wochen in den Sommerferien sein, entweder zwei Wochen am Stück, oder eine Woche am Anfang der Ferien und eine am Ende. Das bleibt den Schulen vor Ort überlassen", sagte Piazolo im Mai, als das Konzept in München zum ersten Mal vorgestellt wurde. Das Angebot solle vor allem Lücken in Mathe, Deutsch und den Fremdsprachen schließen. Bei Bedarf könne es aber auch Angebote etwa zur beruflichen Orientierung, zur Persönlichkeitsbildung oder zu Lernstrategien geben.

Das Angebot sei freiwillig, schließlich hätten manche Familien schon Urlaubspläne, erläuterte Piazolo. Allerdings sei es das Ziel, dass gerade auch von den schwächeren Schülern möglichst alle die Sommerschulen besuchten. Für den zusätzlichen Unterricht sollen vor allem pensionierte Lehrkräfte, Referendare oder Menschen aus schulfremden Bereich zum Einsatz kommen. Piazolo erklärte diese Entscheidung im BR damit, dass die regulären Lehrkräfte bereits Großartiges geleistet hätten und entlastet werden sollen - doch gerade diese Entscheidung sorgt für Kritik vom Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverband (BLLV).

Lehrerverband beklagt Personalmangel

Laut Ministerium sollen im nächsten Schuljahr mehr als 1.000 neue Lehrkräfte eingestellt werden, die auch bei der "Binnendifferenzierung" helfen sollen, welche Schüler mehr Förderbedarf haben. Zudem wolle man sich an die Vereinbarung im Koalitionsvertrag halten, sprich: Bis 2023 sollen insgesamt 5.000 neue Lehrerinnen und Lehrer an die bayerischen Schulen kommen. Der BLLV beklagt jedoch schon jetzt einen Lehrermangel, besonders an den Grund-, Mittel- und Förderschulen. "Wir haben jetzt schon Quereinsteiger, wir haben jetzt schon externes Personal", so die Verbandsvorsitzende Simone Fleischmann in der BR-Rundschau.

Darüber hinaus forderte Fleischmann, dass die Schulen bei der nächsten möglichen Corona-Welle nicht wieder geschlossen werden. Vom Ministerium werde ein "bildungspolitisches Logbuch" verlangt, um mehr Planbarkeit an den Schulen zu schaffen. So können es nicht sein, das Lehrkräfte weiterhin am Freitag erfahren, was am Montag in der Schule anders gemacht werden soll.

Finanziell beläuft sich das Förderprogramm des Bayerischen Kultusministeriums auf rund 20 Millionen Euro. Der Großteil davon fließt in das Zusatz-Personal für die Sommerschulen. Die Zeit für Förderangebote während der normalen Unterrichtszeit sollen die regulären Lehrkräfte etwa durch den Wegfall von zu korrigierenden Schulproben gewinnen.

Die Organisation der Förderangebote - auch klassenübergreifende Kurse oder in Einzelfällen auch Kooperationen mehrerer Schulen sind denkbar - liegt dabei in den Händen der jeweiligen Schulen. Sie sollen dafür ein individuelles Budget bekommen. Das Kultusministerium unterstützt sie bei der Gewinnung von Personal unter anderem mit einem Bewerberportal.